Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1874)
- Date
- 1874-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 viS 21/2 Bogen. Preis Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. jür die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an. . Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhaudlüng in Leipzig. ' In redactionellen Anaelegenheiteu wende man sich an vr. L. VHUirvsou.in Bonn'; hinsichtlich des Bezugs und der Inserate au Saumgärtnrr's Suchhandluug inLeipzig. Inserate, welche bis oonnerntag eingeben, finden inder^araufsolgeu-- den Nummer Berücksichtigung. 38. Jahrgang. Leipzig, den 31. März 1874. JW. 14. Inhalt. Leitende Artikel: Das Verbrennen der Leichen vom jüdischen Standpunkte. — Materialismus und Sittlichkeit. — Zeitungsnachrichten: Deutschland:. Berlin, Bonn, Oels, Bromberg, Breslau, Bielefeld. —Oesterreichisch-ungarische Monarchie: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Feuilleton: Intriguen vor siebzig Jahren. VII. — Correspondenzen: Bochum, Hildesheim. — Vermischtes. £edeude> &Lxh&el. . Bonn, den 25. März. Das Verbrennen -er Leichen vom Mische« Äan-punKte. Den Lesern der öffentlichen Blätter ist bekannt, daß gegenwärtig eine eifrige Propaganda für das Verbrennen der Leichen anstatt deren Beerdigung, betrieben wird; Versammlungen und Vorträge, wie z. B. in 'Hamburg und Berlin werden darüber gehalten, Vereine womöglich zusammengebracht, Anträge selbst bei Behörden gestellt, z. B. in Zürich. Wir gaben in vor. Nr. eine Mitteilung aus Berlin, wonach ein Mitglied der jüdischen Repräsentantenversammlung, an diese einen Antrag' gestellt habe, QM jüdischen Friedhofe einen Platz für die.-:Leichenverbrennunjf zu bestimmen — was uns um so unangemeffener erscheint, da, wenn man den völlig un jüdischen Gebrauch des Verbrennens annehmen wollte, man auch den allgemeinen Ort' dafür gebrauchen kann, Und sich da nicht wieder ausschließen sollte, wo man eine völlige Nivellirung eintreten läßt. Will man unjüdisch' die Leichen verbrennen, se braucht man keinen exclusiv jüdischen Platz dafür.*) Da also schnell eine Tagesfrage daraus geworden, ist es erklärlich, daß uns von Fürth die Aufforderung kam, wir *)i Nach dem Ponttficalrechte der; Römerwar der Ort der Leichenverbrennung nicht geheiligt, sondern nur das Grab von dem Augenblicke an, wo eine Erdscholle auf die Reste geworfen worden. S. Lieero äe legg. 2, 22. * möchten uns über das Verbrennen der Leichen vom jüdischen Standpunkte aus äußern, was wir hiermitthun wollen. Ls ist deshalb nicht unsere Sache, die Gründe für und gegen das Verbrennen der Leichen hier ausführlich zu erörtern. Manbehauptet, daß sanitäre Gründe dafür sprechen, weil die Verwesung der Leichen in der Erde, schädlich für die Lebenden sei. Man sieht leicht ein> daß eine genügende Fürsorge bei Anlegung der Begräbnißplätze diese Gefahr völlig beseitigt. Wir haben auch persönlich Todtengräber und die an den Begräbnißplätzen wohnende gekannt, welche ein sehr hohes Alter erreichten. Sanitäre Gründe sind es auch nicht, welche^ im Leben zumeist entscheiden, sonst würden wir die Städte und viele Dörfer niederreißen und unsere Wohnungen über die Felder und Höhen zerstreuen; wir. würden, unsere Kinder nicht zu 50 und mehr in ein Schulzimmör zusammendrängen, nicht in Theatern, Concertsälen, Versammlungslokalen und Schenkzimmern zu Hunderten. Diele Stunden verleben, nicht den Winter hindurch den größten Theil des Tages in der erhitzten Zimmerluft verleben u. s. w. Es giebt also eine Menge Rücksichten, welche die alleinige Beachtung sanitärer Gründe, noch dazu, wenn sie nicht einen entschiedenen und bestimmenden Werth Haben ausschließen. Doch' kommen wir zu der uns gestellten Frage.; ' f Es ist bekannt, daß die Griechen seit ältester Zeit, -wie z. B. in den homerischen-Gesängen geschildert wird, die Leichen verbrannten; doch bestand daneben auch, der Gebrauch der . Beerdigung. Bei den Römern scheint das Verbrennen erst später aufgekommen zu.sein; denn bei den patrizischen Familien verblieb die Sitte der Beerdigung; wie Cicero berichtet, daß Sulla der