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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-03 · Heft 10 (3.3.1874) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 10 (3.3.1874)
Date
1874-03-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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t Allgemeine Zeitung des Iudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippjon in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 vis •»■/* Bogen. Preis Vierteljährig t Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. nir die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an. In redactionellcn Angelegenheiten wende man sich an Ilr. £. Philippson in Bonn; binstchtlich des Bezugs und der Inserate an Saumyärtner's Suchhandlung inLeipzig. Iiisrräte, welche bis Donnerstag cingehen, finden inderrarauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 38. Jahrgang. Leipzig, den 3. März 1874. JV 10. Inhalt. Leitende Artikel: Die jüdische Schule.— Welch ein Wunder! — Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Hebräische Buchdrnckereien und Bibliotheken in Prag. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Fürth, Nürnberg, München, Aus Württemberg. — Oesterreichi sch-ungarische Monarchie: Pest, Wien. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London. — A sie n: Smyrna.— Feuilleton: Jntriguen vor siebzig Jahren. IV. £eitcad& ßithfiel. : Bonn, den 25. Februar. Die jüdische Zchule. Der Gegenstand ist so überaus wichtig, daß unsere Leser es sicherlich gerecht finden, wenn wir uns über ihn aussprechen, so oft uns die Veranlassung dazu geboten wird. Veranlassung giebt uns aber heute die eigenthttmliche Erscheinung, daß wir in jüngster Zeit von den Vorständen zweier achtbarer Gemeinden, einer aus Süd-, der anderen aus Norddeutschland um ein Gutachten ersucht wurden, ob sie unter angegebenen Umständen ihre jüdische Elementarschule auflösen sollten. Was sich aus allgemeinen Gesichtspunkten für und gegen Confessionsschulen sagen läßt, gilt natürlich auch von der jüdischen Confessionsschule und brauch: hier nicht abermals erörtert zu werden. Daß im Allgeineinen die öffentliche Meinung jetzt für confessionslose Elementarschulen ist, kann nicht verkannt werden, und wo solche wirklich und aufrichtig hergestellt werden, so daß auch jüdische Lehrer von der Anstellung an denselben nicht ausgeschlossen sind, fällt auch für die jüdische Confessionsschule das Hauptmotiv weg. Wo jedoch die katholische und evangelische Confessionsschule mit diesem specifischen Charakter bestehen bleibt, darf eine Auflösung der jüdischen Elementarschule nicht stattfinden, ohne daß sich die betr. Gemeindevorstände einer! großen Verantwortlichkeit unterziehen. Es kann nicht von derkleinen Minorität, welche eine jüdische Gemeinde aüsmacht, ge-! fordert werden, daß sie mit dem Beispiele vorangehe, wenn sie nicht die volle Sicherheit in Händen hat, daß die großen Confessionen des Ortes diesem Beispiele ganz bestimmt folgen und auch ihrerseits in die Bildung der confessionslosen Schule eintreten. Wir wollen offen sprechen. Man denke sich die jüdischen Schüler jetzt in eine katholische Elementarschule eintreten, wo gegenwärtig der confessionelle Gegensatz bis zur äußersten Schroffheit wieder hinaufgeschroben ist, wo nicht allein das Dogma der Unfehlbarkeit und der Geist des Syllabus herrscht, sondern auch eine gegnerische Gesinnung gegen Andersgläubige. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Judeukinder sich da sehr unbehaglich fühlen, noch mehr aber müssen sie geistig unter den Lehren leiden, die sie hier, — auch außerhalb des eigentlichen Religionsunterrichtes, — aussprechen hören, und gegen welche sich in ihrer Seele Zweifel und Gegensatz erheben, so zugleich das kindliche Verhältniß zum Lehrer trübend. Etwas weniger stark findet doch dasselbe Verhältniß für das Iudenkind in den evangelischen Schulen statt. Die seit dreißig Jahren in den preußischen Seminarien geschulten Lehrer sind zum größten Theile dem dogmatischen Joche verfallen. Es kann anders werden: dazu gehören aber Jahrzehnte. Das Geschlecht der geistigen Wüste muß erst aussterben. Jndeß lauteten die Motive jener beiden Vorstände ganz anders. Diese bestanden in der Verminderung der Schüler der jüdischen Elementarschule, weil alle jüdischen Eltern, die es irgend auszubringen vermögen, ihre Kinder in die höheren Lehranstalten, in Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien der Stadt bringen, sowie in der Schwierigkeit, selbst bei aufgebesserten Gehältern, tüchtige jüdische Elementarlehrer dauernd zu erlangen. Was den

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