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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-02-07 · Heft 8 (7.2.1874) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 8 (7.2.1874)
Date
1874-02-07
Page
Seite 124 (sequence 6)
Language
German
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völliger Verkennung der von unserem Herrn gepredigten/Re? ligkon der Liebe, von der größten Intoleranz beseelt, alle Nichtchristen mit dem unfehlbaren Fluche! belegen, gegen dieselben, auch wenn sie sonst ehrenwerthe' Männer sind,: den Haß und die Verachtung ihrer'-Gemeindegenossen zu erregen suchen-und innerhalb der! Kirche? gerne? wieder - Ketzergerichte gegen -alle 'Diejenigen aufrichten,' welche von den vor vielen-Jahren -festgestellten! Glaubenssätzen auch nur um eine Linie abweichem Wenn das Flugblatt behauptet-, daß-sich der Streit zwischen Liberalen und Conservativen um kirchliche Dinge handelt, daß/die liberale Partei die christlichem Religion aus unserem Volksleben gerne heraus haben möchte, daß die Liberalen wollen, daß nicht mehr getauft und confirmirt, in der Schule Gottes Wort und der Catechismus nicht mehr gelehrtdaß! unser Volk ein heidnisches werdeso sind das Alles Unwahrheiten. Allerdings ist die liberale Partei der An- - sichtdaß die Kirche' vom Staate zu trennen ist und daß die Civilehe eingeführt-werden muß. 7 Siehat dabei nicht nur das Interesse des Staatessondern ebenso das der Kirche im Auge, welche nur dann zu ihrer völligen Selbstständigkeit gelangen kann. Die liberale Partei achtet allerdings auch Andersgläubigesie7 sieht wenigerauf den; Glauben als auf den Menschen, sie hält den-Israeliten für völlig gleichberechtigt mit dem Christen, sie will/zwar nicht Catechismus und Gottes Wort aus der Schule Heraustreiben,- sie will aber den maßlosen Einfluß der Kirche und der - strenggläubigen Geistlichkeit aus die Schule aufheben, siewill, daß in der Schule in dem Kinde durch das mechanische Auswendiglernen zahlloser/ demselben größtenteils unverständlicher Sprüche und Gesangbuchverse nicht das lebendige Christenthum ertödtet wird. Die-liberale Partei hält allerdings die Prediger nicht für die gebornen Herrscher in der Kirche, sondern will auch der Gemeinde eine Mitwirkung bei der Gestaltung der Kirchenlebre und der Einrichtung des Gottesdienstes zusprechen. Wenn der Verfasser und die Verbreiter dieses Flugblattes diese Bestrebungen als „heidnisch" bezeichnen, so will ich getrost für meine Person die Verantwortung für dieselben auf mich nehmen. Mit tiefer Entrüstung hat es mich aber erfüllt, wenn in dem Flugblatt zum Schluß sogar den Wählern vorgehalten wird, wie sie ihrem Herrgott Rechenschaft schuldig seien über ihr Wählen am 10. Jan. d. I. Man hätte doch wenigstens das Heiligste, das der Mensch hatnicht in den Kampf der Parteien hineinziehen sollen. Ich habe zu viel Achtung vor der konservativen Partei im Lande und der großen Mehrzahl ihrer Mitglieder, als daß ich ihr als Partei irgend Antheil an diesem Machwerk beimesse, glaube aber auch, daß sie die Verfasser und Verbreiter der Schriftstücke, welche mit solchen Waffen gegen die liberale Partei streiten, mit Verachtung aus ihren Reihen stoßen wird. Laage, 6. Januar 1874. PH. Süsserott." Bereits ist von hieraus ein in warmen Worten abgefaßtes! Dankschreiben an den. Herrn Bürgermeister für dessen männliches j Auftreten abgegangen. Die Gesinnung solcher Männer gjebt uns die- Bürgschaft, daß alles-Treiben und.Wühlen der Schwarzen nicht im Stande sein wird, das Helle Licht unserer- Zeit uuszulöschen und die Nacht des Mittelalters wiederzurückzubringeu. Der Ausfall der Wahlen in-i Mecklenburg hat übrigens dies-in vollem- Maße bekräftigt. Wir aber sprechen auch hier dem Herrn Bürgermeister Süfferott unsere volle Anerkennung aus. 11. L. Äochum, 29. Jan. (Privatm.) Am 24. d;-M. . wurde unserm neuerwählten Bürgermeister, Herrn Prüfer zu-Ehren ein Bankett, veranstaltet, an welchem sich etwa 250 Personen aller Stände Und Confessionen betheiligt hatten. Es wurde unter den zahlreichen Trinksprüchendie die Versammlung in-, diehöchste Begeisterung versetzten, auch des trefflichen Herrn Ph.; Würzburger gedacht, der seit dem Tode des Herrn Greve , also volle sechs Monate, als erster Beigeordneter den durch den raschen Aufschwung hiesiger Stadt so schwierigen Geschäften eines Bürgermeisters mit weiser Umsicht, Thatkraft und. wahrer Selbstverleugnung - obgelegen hatte. Ich lasse den auf Herrn Würzburger ausgebrachten Toast. nach dem Wortlaute folgen, wie er in -dem hier erscheinenden „Märkischen Sprecher" verzeichnet ist. „Herr Bergrath Heinzmann wies darauf hin, daß. sich in unserer Mitte ein einfacher, schlichter Mann befinde, der aber in echte Bürgertugend gekleidet sei, per Beigeordnete Herr-- Würzburger; 25 Jahre lang habe er als Mitglied des.Magistrats mit großen Opfern an Zeit und Arbeitskraft, die gerade in unserer so überwiegend auf Gelderwerb bedachten Stadt-nicht hoch genug anerkannt werden könnten, dem städtischen Wohl in pflichteifrigster und hingebendster Weise gedient. Seit einem halben Jahre, während des Bürgermeisterinterrrgnums habe er sehr schwere Lasten auf seinen Schultern getragen. In einer Epoche, in der unablässig die Maschinen rasseln und die . Schornsteine rauchen, und der man nicht ganz mit.Unrecht Materialismus vorwerfe, in dieser Zeit, wo sehr viel gearbeitet wurde, über meist nur für Geld, müsse die unentgeltliche und freiwillige Arbeit des Herrn Würzburger für das Wohl der Stadt den innigsten Dank aller Bürger finden, und ihm das Zeugniß ausgestellt werden, daß er sich um die Stadt Bochum wohlverdient gemacht habe. Er bringe ihm daher ein begeistertes Hoch!" Wenn auch die Erscheinung, daß ein Jude durch seine im Dienste gemeinnütziger Bestrebungen erprobte Fähigkeit im Kreise 'seiner Mitbürger geachtet, ja sogar gefeiert wird, an und für sich nichts mehr neues bietet, so verdient vorerwähnter Fall doch ganz besonderer Beachtung und zwar schon aus dem Grunde, weil auch in hiesiger Stadt die verschiedenen politischen Lager sich feindselig gegenüberstehen,, jedoch in der Achtung und Verehrung, die man Herrn Würzburger zollte, alle Parteien miteinander Lbereinstimmten. .. Hannover, 5. Februar. tPrivatmitth.) Unsere in diesem Blatte jüngst ausgesprochene Hoffnung, daß bei derunlängst hier stattgehabten Stichwahl sämmt li ch e Gemeindemitglieder für den liberalen Reichstagscändidaten stimmen würden, hat sich leider

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