Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 8 (7.2.1874)
- Date
- 1874-02-07
- Page
- Seite 122 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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eine biblische Geschichte gebe. Wir können ihm dies nicht zugestehen; denn unter der großen Zahl biblischer Geschichten giebt es auch deren bereits genug/ die für die Volksschulen nicht ungeeignet sind. Dagegen würde er eine Lücke ausfüllen, wenn er sein Versprechen ausführt, jedem Theile seiner biblischen Geschichte^ — er giebt diese nämlich in zwei Theilen heraus, denn der vorliegende geht nur bis zu den Königen, — ein separates Heft beizugeben, welches Ergänzungen, Erläuterungen, historischgeographische' und religiös-moralische Andeutungen, ferner eine Auswahl passender, historischer Legenden und Parabeln zum Inhalte haben wird," aus dem nun der Lehrer nach seinem Ermessen wählen kann. Unserer Meinung nach; hat nun der Verfasser den Erzählerton, der für das kindliche Alter paßt, sehr gut getroffen, und schreitet darin im.Verlaufe seiner Geschichte stätürgemäß fort. DaS ist ein Lob, das wir ihm gern erlheilen, da es nicht leicht zu erringen ist, während sich Viele einbilden, läppisch reden, sei kindlich sprechen. Doch nimmt dies nicht aus, daß im Einzelnen manches auszusetzen. Eines nämlich wird bei ' derartigen Arbeiten oft übersehen, nämlich der Scharfblick des Kindes, der oft größer ist, als der des Lehrers, oder als der, welchen der Lehrer dem Kinde zutraut. Wir wollen nur zwei Beispiele anführen. S. 3 sagt der Verfasser: „Adam in seiner Unschuld nahm die ihm dargereichten Früchte an , und aß sie." Das Kind wird nun fragen: Wenn Adam in aller Unschuld von der dargereichten Frucht aß, wie konnte er so hart dafür bestraft werden? Der Schrifttext begründet diese „Unschuld" Adams nicht. — S. 4 heißt es: „Gott nahm nur Abels Opfer wohlgefällig an, Kains Opfer aber nicht. Dies verdroß den Kain so sehr, ff." Aber hier fragt das Kind, warum Gott Kains Opfer nicht wohlgefällig annahm. Es mußte hier eine kleine Andeutung deffen gegeben.werden, was wir als Grund vorauszusetzen haben, nämlich daß Kains Gesinnung bei dem Opfer keine angemessene, fromme war, Gott aber stets auf die Gesinnung, nicht aber auf das bloße Opfer oder Gebet sieht. Nun, vielleicht wollte der Verfasser dies dem Lehrer, wie die Schrift dem Leser überlassen. Dann aber hätte der Verfasser nicht vorher sagen müssen: „Kain opferte gewöhnliche Feldfrüchte, Abel hingegen die schönsten und fettesten Schafe." Denn hiermit bringt er das Kind auf den unpassendsten Gedanken, nämlich daß sich Gott von der Schönheit und Fettigkeit des dargebrachten Opfers bestimmen lassen. Wir wollten hiermit nur andeuten, welche Vorsicht bei Schriften für die Kinderwelt zu beobachten sei, eine Vorsicht, die gerade auf diesem Felde am öftersten aus den Augen gesetzt wird. ^eitam^du/öujlaticiafceit. '; Deutschland. ( Berlin, 30. Januar. iPrivatmitth.) Herr o,'. Lazarus in Berlin hat wegen seiner aufopfernden und erfolgreichen Tätigkeit als Militärarzt in der Ruhrepidemie des vorigen Jahres 'best Kronenorven IV. Claffe erhalten. — Der so heftig entbrannte Kämpf zwischen der römischen Kirche und der deutschen Reichsregierung namentlich der preußischen Regierung, der in den Wahlen einen so entschiedenen Ausdruck gefunden, nimmt immer größere Dimensionen an, und können daher die Stationen dieser Entwickelung auch in diesem Blatte nicht ohne Markzeichen bleiben. Abgesehen davon, daß die Schweiz noch heftiger davon ergriffen, und Italien auf's stärkste daran betheiligt ist, sind in ' diesem Augenblicke auch England und Oesterreich lebhafter in denselben eingctreten. Im ersteren Lande geschieht dies auf ganz freiwillige Weise, und zwar von Seiten des Volkes selbst, deffen erste beide Sympathie-Meetings für Deutschland in London unter großer Betheiligung und mit Zustimmungsadressen von 60 Städten und fast 400 Unterhausmitgliedern soeben stattge- ' 'fänden. Diese Meetings, im Augenblicke vielleicht durchs die neuen Parlamentswahlen unterbrochen, werden durch das ganze Land gehen. Die Katholiken werden ihrerseits durch andere Meetings antworten, und so der bisher unter der Oberfläche vorhandene Streit in Helle Flammen ausbrechen. Bedenkt man, welche hergebrachte tiefe Antipathie in der englischen Volksmasse gegen das Papstthum bis vor wenigen Jahrzehnten vorhanden war, so muß man voraussehen, daß dieser Streit, wenn jener Widerwille wieder geweckt wird, eine außerordentliche Heftigkeit annehmen werde. Jy Oesterreich ist es der Staat, der auf den Kampfplatz tritt. So gemäßigt und lückenhaft auch die soeben dem Reichstage vorgelegten kirchenpolitischen Gesetzentwürfe sind, so enthalten sie doch gerade diejenigen Bestimmungen, welche in Preußen den hartnäckigen Widerstand der Bischöfe und des Klerus finden, und scheint auch die liberale Partei entschlossen, diese Gesetzentwürfe zu verschärfen und ihre Lücken auszufüllen. Die Frage, ob die österreichischen Bischöfe derartigen Bestimmungen denselben Widerstand, wie in Preußen, entgegensetzen werden, muß doch wohl bejahend beantwortet werden. Die Jnconsequenz wäre sonst zu grell. Wir erlebten dann denselben Brand in Oesterreich wie im deutschen Reiche. Sieht man auf die Wirkung, welche dieser Kampf bis jetzt bei dem katholischen Volke gehabt hat, so kann man in Deutschland nicht verkennen, daß jenes dadurch nur katholischer geworden und sich fester an den Klerus angeschloffen hat, als es seit Jahrhunderten der Fall war. Die Wahlen haben dies neuerdings in .Bayern und in den katholischen Bezirken Württembergs und Badens erwiesen. Die Phrasen norddeutscher Radicalen vom „rettungslosen Zusammenbruch der alten Kirche" sind dieser Erscheinung gegenüber