Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 7 (10.2.1874)
- Date
- 1874-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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e m er ne Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. . -Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. Diese Ae-wna erscheint wöchentlich einmal in 2 oiS 2'/» Bogen. Preis Biertelrähria. l Thlr. Inserate.werden 'mit *2 Ngr. mr die Petitzeile oder deren ' , Raum berechnck. Alle Buchhandlungen,. ■' Postämter-uud Zeitungs - Expeditionen nehmen BesteU».ngm an. Sn redactionellen Angelegenheiten , wende' man sich au vr. L. Philippson in Bonn; hinsichtlich desBezugs und der Inserate an gaunmiirlner's Sachhandlung inLeipzig. Inserate, welche bsS vonneritag cingeben. finden inderdarauffolgen» den. Nummer Berücksichtigung. , 38 Jahrgang. Leipzig, den 10. Februar 1874; . . JVf 7. Inhalt. Leitende Artikel: Wie viele Opfer! — Noä) eine Denkschrift über die jüdische Gemeindeverfassuug in Preußen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Breslau, Schrirmn, Oels. — Oesterreichisch--ungarische Monarchie: Lemberg, Pest, Prag. — Belgien: Brüssel. — Feuilleton: Meyer Hirsch. ßLitikd. ° jj'i -M'kDu . E - * _ Bonn, den 4. Februar. Me viele Opfer! .^'^'^MdleveinsichtSvolle-'unv menschenfreundliche Christen haben schön ben Ausspruch gethan: Man habe eine Schuld an den Juden zu lösen und großes Unrecht gut zu machen! Es ist dies eine Wahrheit, die sich jedem Bvrurtheilslosen von selbst aufdrängt. Wir sehen ab von allem dem, was im Mittelalter geschehen. Wir wollen mit dem Fanatismus und der Barbarei nicht rechten. Es ist auch nicht billig, späteren Geschlechtern, die s daran schuldlos, für längst begangene Frevel eine Vergütung abzufordern, so wenig, wie man den'Enkeln eine Strafe für die Vergehen ihrer Ahnen auferlegen kann: Wir haben viel näher - liegende Momente. Wenn eine Zeit der Aufklärung, der wissenschaftlichen Bildung, des Rechtsstaates an grundlosen Vorurtheilen festhält und Ausschließung und Druck übt, und zwar am meisten darin, daß sie gerade die Geistesblüthe einer bestimmten Menschenrasse gewaltsam knickt, dann kann diese Zeit durch . nichts sreigesprochen werden, und der Makel bleibt ihr anhaften, bis sie 'ihn bis auf die letzte Spur verlöscht hat. Ein solcher Makel 'triffi 'Dreußen den 'Juden' 'gegenüber fast, bis zu den letzten Jahren. Während man in diesem'Staate-den Leibzoll aufhoE'däs 'gewerbliche Leben freigab, dievollen städtischen Bürgerrechte "gewährte, später'auch die Freizügigkeit in der ganzen Monarchie gestattete, —' ^hielt man unerbittlich fest daran, ihnen alle Staatsämter und besonders die wissenschaftliche Laufbahn zu verschließen.- Roch mehr; man erösfnete ihnen die letztere 1812-und versagte sie wieder l-818, nachdem sich' 'eine ziemliche Anzahl jüdischer Jünglinge für sie vorbereitet hatte; man beseitigte alle Hindernisse in den Verfassungen von 1848 und 1851 -und hielt doch auf dem Verwaltungswege die Ausschließung hartnäckig festja erfüllte' nicht einmal das dürftige Zugeständniß in dem Judengefetze von 1847! Es war dies eine trübe Zeit für viele jüdische Männer, ausgezeichnete: Geister, die - für Wissenschaft und Geistescultur schwärmten, sich mit heißem Eifer, oft mit unsäglicher Aufopferung heraufarbeiteten, und denen nun die Wirksamkeit abgeschnitten wurde. Am trübsten jedoch die ersten drei Jahrzehnte dieses Jahrhunderts, wo diese Männer meist noch als Äutodidacten sich auf dornigstem Lebenswege ihre' Bildung erobern mußten, einerseits desto enthusiastischer für ihre Ziele fühlten, andererseits desto reizbarer waren und verbitterter wurden. Darüber gingen viele zu Grunde. Abgesehen davon, daß die Geisteswelt selbst viel dadurch verlor ,'der Egoismus und der Mangel an Rechtsbewußtsein genährt wurden, ist an diesen Männern ein Unrecht geschehen, wie es gar nicht für ein hochgebildetes Volk und einen großen intelligenten Staat zu', rechtfertigen ist. Nicht allen war die Neligiost ein Gegenstand des Austausches, wie Gans und feinen Nachfolgern; nicht Me verstanden es; sich andere Pfade der Wirksamkeit zu eröffnen, wie Zunz, Jost u. A. Andere, sagen wir, gingen darüber zu Grunde, sie wurden bei , dem wärmsten Herzen menschenscheu,