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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-01 · Heft 1 (1.1.1874) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 1 (1.1.1874)
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Leitung des Dudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp soll in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Anaelegenheilen wende inan sich an Dr. ß. Khilippson in Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Inserate an Lmlmgiirtiler's Suchhandlung inLeipzig. Inserate, welche bis SonnerLtag eingehen, finden inder carauffolgenden Stummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2!/2 Bogen. Preis Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 2 Scgr. für die Pctitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postäniter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen au. 38. Jahrgang. Leipzig, den 1. Januar 1874. JW 1. Änhglt. Leitende Artikel: Ein Gruß an unsere Leser. — Die spanische Inquisition. II. — Literarischer Woch enbericht: Bonn, Leipzig. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aachen, Essek, Geldern, Wongrowitz «Posen), Metz.'— Oesterreichisch-ungarische Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Holland: Haag. — Feuilleton: Die große Parlamentsscene im enalischeu Unterhause am 2 t. Juli 1851. — Vermischtes. £edutd& ßLxfoke!. Bonn, den 1. Januar. Ein Gruß an unsere Leser. Wir beginnen heute einen neuen Jahrgang, von dem frischen Muche beseelt, mit welchem der Reisende eine Fahrt antritt, die er schon oft mit gutem Erfolge zurückgelegt, wenn sie ihn auch oft in verschiedene Gegenden geführt, und ihm ganz andere Hindernisse zu überwinden gebracht hatte. Er tritt sie an, wenn allch nicht ohne Bangen im Herzen, doch mit dem beruhigenden Vertrauen auf die göttliche Fürsorge, die aller Menschen Geschicke leitet, mit der Zuversicht auf die Erhabenheit der Sache, der er dient, auf die Große der Aufgabe, an deren Lösung er mitwirkt, und kennt er doch auch die Kräfte, die ihm einwohnen, und die er anzuwenden versteht. Wir sehen uns um. Dichte Nebel lagern auf der Oberfläche der Erde; die Bäume strecken ihre unbelaubten Aeste in die Luft; dürren Ruthen gleichen die Sträucher, der Rasen ist welk, die Ackererde braun, die Höhen nackt. — Wie lange , und der Nebel steigt empor und wirbelt in Schneeflocken wieder herab, und die Erde wird mit einem weißen Tuche bedeckt. Dann kommt der Nordsturm und scheucht die Wolken hinweg, daß der Himmel blau wird und die Sonne golden scheint; aber ihre Strahlen brechen sich in Millionen Eiskristallen, die auf der ganzen Flur flimmern, und alles Fließende ist erstarrt, und der Strom in Banden geschlagen. . ... Kümmert Dich Das, Menschenkind? Hat es Dir je am Lichte gefehlt/ das Deinen Weg bescheint, an der Luft, die Deine Brust schwellt, an dem Brvde, das Dich nährt, an dem Tranke, der Dich sättigt? Wie lange, und der Rasen grünt wieder, und der Baum bekleidet sich, und der Wald duftet, die Lerche hebt sich jubelnd in die Luft, und die Nachtigall singt aus dem Gebüsch. Siehe, die Saat sprießt schon, die Dir Nahrung bereitet in genügender Fülle, und der Wein treibt in der dürren Rebe, der Dein Herz erfreuen wird. Aber um was Du Mch kümmern sollst? daß Du wächst an Erkenntniß und an edler Sitte, daß Du zunehmest an Recht und Billigkeit, reinen Sinn in Dir nährest, und Liebe übest auf allen Deinen Wegen! Darum sollst Du Dich kümmern, daß Du die Religion Deiner Väter ehrest, sie tiefer begreifest, ihr anhangest, in ihren Pfaden wandelst mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele! Denn ihre Erkenntniß ist die des unendlichen Weltgeistes, der Dich werden ließ und Dich leitet von der Wiege bis zur letzten Ruhestätte, ihr Gesetz der Liebe ist das ewige des Menschcnherzens in der reinsten und edelsten Strömung seiner Gefühle, und das Recht, das sie verkündet, ist das Recht der Menschengesellschaft, das Recht der Freiheit und der Ordnung. Ja, in dieser Ueberzeugung und mit diesem Wollen und Streben treten wir auch diesmal unsere Fahrt durch das neue bürgerliche Jahr an, sie erfüllen uns mit frischem Muthe, und mit ihnen werden wir die Hindernisse überwinden, die sich entgegenstellen sollten. Darum Gruß zuvor und einen Händedruck Allen!

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