Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1873)
- Date
- 1873-12-23
- Page
- Seite 861 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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861 Bis vor nicht allzu langer Zeit sprudelte noch der Brunnen in dem Tempelbezirk. Aber wenn das unterirdische Jerusalem überhaupt noch ein fast unergründliches Geheimniss ist, um wie viel mehr gilt Dies von dem eifersüchtig bewachten „Narciii <-<!» Chmf“, von dem „edlen Heiligthume", dessen Gewölbe jedem Nicht-Mohammedaner unzugänglich ist! Vielleicht befinden sich an diesem Punkte noch mächtige Bauten, die von Salomo zur Tcmpelbewässeruug aufgeführt wurden, und die möglicherweise auch die öffentlichen Brunnen und die Wohnhäuser versorgten. Die Anzahl der Juden in Großbritannien lässt sich schwer angeben, weil Niemand gezwungen ist, einer Gemeinde anzugehören, und weil durch Ein- und Auswanderung ein beständiger Zu- und Abfluß stattsindet. So gab es vor einigen Jahren eine starke Auswanderung von in England ansässigen Inden nach Amerika und Australien. Im Jahre IST2 wurde die Anzahl der Juden in den drei Königreichen aus -inOdO angegeben, was jedoch zu hoch gegriffen scheint. Ein gewisser Professor Feck, Sprachlehrer in New-Uork, der früher in der Berliner Missionsanstalt zum Ehristcnthnme übergegangen war, hat sich jetzt ösfentlich allhier wieder zum Judcnthume bekannt. Die Sache machte viel Gerede, und er trat daher mit einer Erklärung in die Öffentlichkeit, worin er nachwics, dass seine Handlungsweise niemals von materiellen Gründen bestimmt werken, sondern nur aus Ileberzeugung hervorgegaugen sei. Er habe weder als Christ noch als Jure jemals etwas von Jemandem verlangt oder angenommen. Er spricht sich sehr tadelnd über das Treiben der Missionäre in Ncw-'))ork ans, und will tiefem kräftig entgegcntreten. Eine wohlverdiente Kritik über eine in höhnischer Absicht hingeworfene Frage mußte sich kürzlich ein hochgestellter Beamter gefallen lassen. Zu einer Wahlvcrsanunluug, so erzählt die Ger.-Ztg., in welcher der betreffende Beamte anwesend war, hatte sich auch ein Cnltusbeamter der dortigen jüdischen Gemeinde eingefunden, zu dessen Obliegenheiten auch das rituelle „Schächten" der Thiere gehört. An diesen nun richtete der Eingangs erwähnte Herr, unwillig über dessen oppositionelle Haltung, die Frage: „Sie sind ja wohl der Schächter N.?" „Ja wohl," lautete die Antwort, „immer wenn ich mit Ochsen zu thun habe. Wenn ich mit Menschen verkehre, bin ich jüdischer Cultusbeamter." Bemerkenswert!) ist, dass der berühmte englische Geschichtsschreiber und Staatsmann Lord Maeauly seine, wie man es zu nennen pflegt, Jungfernrede im englischen Unterhause zu Gunsten der Gleichstellung der Juden hielt, und durch riese Rede mit einem Schlage den Ruf eines großen Redners sich erwarb. Man schreibt dem „Westnng. Gr." aus Torime; vom 21. d. M. Gestern wurde hier eine Frau im Alter von 1 o*> Jahren zu Grabe getragen, ihr Mann war der in unserer Gegend so bekannte Rabbi Schimon, welchen der Tod schon vor ztvei Jahren, doch auch in dein seltenen Alter von ln.'Z Jahren abrief, nachdem er mit seinem Weibe 7 Jahre in ehelichem Bündniss gestanden war. Beide Eheleute waren bis zu ihren Sterbetagen nie krank, vorzüglich Rabbi Schimon erfreute sich biö zur letzten Stunde seines gesunden Augenlichtes, aller Zähne, eines wunderbaren Appetits und des klarsten BersiänrnisseS. Er wirkte als Lehrer beinahe 80 Jahre abwechselnd in Baag Beese, hier, Galantha und Moesonok, so dass er mit Recht der Lehrer von drei Generationen-genannt werden konnte. Der PrimaS von England, der Erzbischof von Eanlerbury hat, wie das „Jewish Ehronicle" erfährt, in Begleitung seiner Familie das von Sir Moses Moutefiore zum Andenken an seine Gattin gestiftete Seminar für Studenten jüdischer Theologie und Literatur zu Hereson in der Nähe von Ramsgate besucht. Mr. Löwe, Direetor der Anstalt, führte den Bischof durch das Gebäude und überreichte ihm ein Exemplar der Statnten der Anstalt. Als Erfrischungen verabreicht wurden, benutzte der Erzbischof die Gelegenheit, einen Toast ans Sir Moses anszubriugen. In Paks (Ungarn) wurde am -I. Deeember ein glänzendes und bisher dort noch nie vorgekoulmciles Fest gefeiert. M. H. Stern und seine Gattin begingen im Kreise ihrer 8 Kinder, 17 Enkel und Urenkel die goldene Hochzeit. Das Fest gestaltete sich durch die Gegenwart der '.> 8-jährigen Müller des Jubilars zu einem seltenen, und verbrachten somit .7 Generationen mit vielen Verwandten und Bekannten einen heileren Abend. Eine „gemischte Gesellschaft" wird Bischof v. Keuler sagen, wenn er liest, waö die Dauziger Zeitung berichtet, nämlich, dass im Nordbezirke der Stadl Slargartl iin Weslprenssen) rer Wahlvorstand am 28. October aus folgenden Mitgliedern bestand: Ewe, Bürgermeister iMeister vom Stuhl der Freimaurerloge); Rhode, katholischer Pfarrer; Andrin, evangelischer Pfarrer;!»>-. Braun. Rabbiner und Johann Dyck, Mennoniten-Aeltester.