Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1873)
- Date
- 1873-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M f lg em c t u e Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Pr. Ludwig Philippson üt Bonn. Verlag von Baumgärtncr'ö Buchhandlung in Leipzig. Ticse Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2>/2 Bogen. Preis BicrlcUähri.q t Thlr. Jnsera'e werken mir 2 Nzr. für die Pctitzcile oder deren :'iV.um berechnet. Alle Buchhaudlnngen, Postämter und Zei1ungs-t5xbcdiliouen nehmen Bestellungen an. In red.ictionellcn Angelegenheiten wende man sich un l>r. Q. Philippson in Bonn; hinsichtlich deö Bc;ngS und der Inicrate an üaumuürlner'; Svchhandlang inLcipzig. Znsrralr, welche bis vonnrrilaq cingeben. finden in der rarausfolgenden .Pnminer Berücksichtigunz. 37. Jahrgang. Leipzig, den l6. December l873. > J\? 51. Inhalt. Leitende Artikel: Die spanische Inquisition. I. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig, Berlin, Stuttgart. — Ocstcrrcichisch-ungarische Monarchie: Aus Oesterreich. — Frankreich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: Rainegate. — Schwei;: Bern. — Italien: Turin, Aus Oberitalien. — Türkei: Konstantmopct. — Feuilleton: Der Judenlcich. X. — Warnungstafel. — Vermischtes. Mit dem 1. Januar 1874 beginnt die „Allgemeine Zeitung des Iudenthums" ihren achtunddreißigstea Jahrgang, und wird in der bisherigen Weise forterscheinen. Wir bitten um baldige Bestellung bei den Postäintern und Buchhandlungen, nur im regelmäßigen Empfange der Zeitung nicht unterbrochen zu werden. Banmgärtuers Buchhandlung in Leipzig. Haltende tftthfief. Bonn, den 10. December. Die spanische Inquisition. I. Die neuere Geschichtsschreibung hat sich die zweifache Aufgabe gestellt: die Thatsachen kritisch zu erforschen, und sie dann in ihrem Zusammenhänge und Wesen nach ihren Ursachen und Wirkungen, nach ihrem Charakter und ihrer Bedeutung darzustellen. Sie bleibt daher nirgends bei den, in früheren Gefchichtswerken überlieferten Daten und Ansichten siehen, sondern prüft sie von Neuem, und geht dabei auf die Quellen zurück, deren Befragung und kritische Sichtung die Vorbedingung jeder sorgfältigen historischen Darstellung ist. Gerade für den letzteren Punkt ist aber unsere Zeit auf vielen Einzelgebieten der Geschichte ungleich günstiger gestellt, weil viele Quellen sich erschlossen haben, oder zugänglicher gemacht worden sind. Index wie jeder noch so entschiedene Vorzug seine Nachcheile und Auswüchse hervorbringt, so auch hier. Man hat diese umgestaltende Tendenz der Geschichtsforschung nicht gar zu selten benutzt, Vorgänge, Persönlichkeiten und Einrichtungen, welche die Geschichte verurtheilt und gebrandmarkt hat, von ihrem Makel rein zu waschen, zu rechtfertigen und als ungerecht verdammt darzustellen, oder, wo man Dies nicht durchaus vermochte, die sie treffenden Vorwürfe zu mildern und als weit übertrieben zu bezeichnen. Es geschah Dies aus zwei Rücksichten: aus Parteiiuterefse, oder auS der Sucht, "Neues, von der bisherigen Auft'asiuug Abweichendes zu sagen. Man hat nicht blos TiberiuS und Nero „gerettet", man hat auch Tilly als einen menschenfreundlichen Feld- Herrn, und an der Zerstörung Magdeburgs schuldlos geschildert, die Bartholomäusnacht gerechtfertigt, die spanische Inquisition ihrer Schrecken und Furchtbarkeit entkleidet. Wir brauchen nicht zu sagen, das; solche Bemühungen auf die Länge erfolglos sind. Sie rufen reu Gegenbeweis hervor, theils direct, theilS indirect durch die nächste Behandlung dcsielben Stoffes. Auf diese Weise sind derartige Versuche nicht einmal ohne Nutzen. Mögen sie aus paradoxen- oder Parteimotiven hervorgegangen sein: sie rufen zu einer neuen Prüfung der Sache auf, und erzielen schließlich so richtiges Maß und Urtheil. Dazu gelangt man