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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-11-25 · Heft 48 (25.11.1873) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 48 (25.11.1873)
Date
1873-11-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 biS 2>/r Bogen. Preis LiertcUähria 1 Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. für die Pctitzcile oder deren rttam» berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zcitungs» Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Nabbiller Dr. Ludwig Philipp son in Bonn. Verlag von Bamngärtncr's Buchhandlung in Leipzig. 3n redactioncllen Angelegenheiten wende man sich anI»r. 0. Philipps,,» in Bonn; dinsichtlich des Bezug» und der Iweratcan «lallmiiarlner'» üuihliaiidlllaz inLeipziz. Jostralk, welwebiS vouuer»- tag cingcheu. linden inder raraufsolgelldcn Nummer Berücksittigung. 37. Jahrgang. Leipzig, den 25. November 1873. J\? 48. Inhalt. Leitende Artikel: Offenes Sendschreiben an Herrn Dr. Laster. Mitglied dcö preußischen Abgeordnetenhauses. — Ans Rußland. — Rabbinerbildungsanstalt in Pest. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Ocls, Marburg, Wolsenbuttcl, Aus dem RabbinatLbezirke Dürkheim. — Oesterreichisch-ungarische Monarchie: Pest, Krakau. — Frankrc' *•: Paris. — Feuilleton: Der Judenteich. VH. ' Sie ituide (fttüiief. Bonn, den 19. November. Offenes Sendschreiben an Herrn vr. Lasker, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Sicherlich werden Sie als Mann der Oeffentlichkeit es mir nicht verübeln, wenn ich in einer Angelegenheit, die der Oeffentlichkeit angehört, ein öffentliches und offenes Wort an Sie richte. Gerade weil ich die Ehre Ihrer persönlichen Bekanntschaft habe und weiß, daß Sie ebenso von humanster Gesinnung, wie von verbindlichster Sitte sind, entschloß ich mich um so leichter hierzu. ES bleibt mir eine der angenehmsten Erinnerungen, jener gemeinschaftliche Spaziergang am Ufer des Flatzbaches, zwischen den grünen bewaldeten Höhen hindurch, welche von den Gletschern und Firnen auf riesigen Felswänden überragt werden. Auch in dieser Welt großartiger Erdgebilde sind Sie zu Hause, und oft genug standen wir still, wo irgend ein Durchbruch des Höhenzuges einen lieferen Einblick in das Chaos der Berge, der Felsen- und Eistrümmer gestattete, oder ein Berggigant in besonders erhabenen und schönen Umriffen in eigenthümlicher Färbung hervortrat. Wir sprachen nicht von Politik, sondern von der Bercdtsamkeit, besonders von der deutschen, und wohin diese gegenwärtig ihre Richtung genommen. Das menschlich Große knüpfte sich unbewußt für uns an die Größe der Naturerscheinungen, die uns umgaben. Wir waren nicht immer einer und derselben Meinung; Das störte aber nicht, sondern belebte das Gespräch, und hinderte daö Einverständniß im großen Ganzen nicht. Und so, glaube ich, wird es unS auch auf dem Gebiete ergehen, auf welchem wir uns heute begegnen. Ich bin so wenig wie Sie geneigt, in öffentlichen Angelegenheiten die Persönlichkeit heranzuziehen, und weiß, daß das Mitglied deö Abgeordnetenhauses als solches keine Fraction des Volkes, keinen Stand und keine Confession vertritt, sondern nur das ganze Volk. Ich sehe Sie also durchaus nicht als einen Vertreter des Judenthmns in diesem Hause an, weil Sie der jüdischen Religion angehören. Aber in allen besonderen Angelegenheiten sieht das HauS dock und muß sehen ans solche Mitglieder, denen es eine Sachkenntniß in der obschwebenden Specialfrage Zutrauen muß, und legt auf deren Ansicht und Urtheil ein besonderes Gewicht. Da Sie nun in dem neuerwählten Hause daö einzige Mitglied jüdischer Religion sind, so muß das Haus Ihrem Urtheil in der Frage über die jüdiscke Gemeindeversaffung die größte Bedeutung beilegen, und deshalb ist cS folgerichtig, daß auch wir die Stellung, welche Sie zu dieser Frage einnehmen, als von entschiedener Wichtigkeit betrachten. Zwei bedeutsame Differenzen stellen sich hier zwischen Ihrer Meinung, wie sie aus den Verhandlungen im vorigen Abgeordnelenhause am 19. März d. I. erkennbar ist, und der Meinung heraus, die ich vertrete, und welche, wie ich sagen darf, von der Mehrheit unserer GlaubenSgenoffen in Preußen getheilt wird, und sich bei mir auS einer vierzigjährigen Erfahrung und unter

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