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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-11-11 · Heft 46 (11.11.1873) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 46 (11.11.1873)
Date
1873-11-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. ♦ Diese Zeitung erscheint wöchentlich, einmal in i biä Bo-',en. Preis BieUeliäYria l Lylr. 2n>'eral» werden mit ’i Ngr. für die P.'tit,;cac crer deren yfaum berechnet. Alle Buchhauciuu^en, Postämter und Zcitnngö-tixreditionen nehmen Bcfivll. iigen a». Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipplon in Bomr. Verlag von Bauingärtncr^ Buchhaudluug in Leipzig. In redaetioncllen Anaelegenheilcn , wende mm sicb nr l>r. 0. sthiliopsou in Bonn: t'insiü'llicb des Bezugs und der .in cratean üa.:m '.ärlnrr'» e-allikardlung »t!ew,ig. Zuterale. wende d $ vonueritag cin$el'cn. f inde» in der ar msiolgenden '.'lummer Berückst -rigung. 37. Jahrgang. Leipzig, dm tt. November t873. J\? 48. 3it!iall. Leitende Artikel: lieber die jüdische Kanzelbercdtsamkcit. l. — AuS Frankreich. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Vom Rbeine. — Ieitungsnachricbten: Deutschland: Berlin. -- Oe st erreicht sch-ungarische Monarchie: Wien. Aus dem Tokajergebirgc, 2. a. Ujhely, Aus Galizien, Krakau, Brody, Stauislau, Agram. — Frankreich: Paris. — Marokko: Paris. — Feuilleton: Der Iudenteich. V. Stellende CLxh^iet. Bonn, den 5. November. lieber -ie jüdische Karyelbert-tjainkcit. l. Mitten in einer vielbewegten Zeit, wie der gegenwärtige Augenblick ist, fühlt sich der Geist bisweilen geneigt, aus der brausenden Strömung in ein stilleres Fahrwasser einzulenken, und daselbst zu verweilen. Nicht daß er das hohe Interesse an den Vorgängen des Tages verlöre oder aufgäbe; aber die beständige Discussion derselben Gegenstände ermüdet ihn, und er sucht daher eine kurze Rast in der Betrachtung anderer würdiger Objecte, bis etwa draußen eine Stunde der Entscheidung schlägt. Der Kamps zwischen Staat und Kirche, ras Verhalten beiter Parteien zueinander, die Wahlen, die Begründung der Monarchie oder Republik in Frankreich und das Ränkespiel, daS dort daru:n getrieben wirr, der Bürgerkrieg in Spanien, — so großartig tif/e Streuwagen unserer Zeit sind: so wird man dockendlich der Tisenssionen und Schwankungen überdrüssig, und will lieber bis zur Stunde der Entscheidung einer anderen Beschäftigung seines Geistes nachgehen. Unsere Leser werden es daher nicht ungern sehen, wenn wir unsere Aufmerksamkeit anderswohin lenken, obgleich es aus unserem eigenen Gebiete ähnliche brennende Fragen giebt, die zwar nicht an jene welthistorischen reichen, doch aber auch für uns von. schwerer Bedeutung sind. Wir haben in der Fenilletonbeilage des vorigen Jahreeine Reihe von Briefen über die Beredtsamkeit gegeben, welche, wie uns mehrfach mitgethcilt wurde, viele Theilnahme fanden, doch aber von uns, wie Dies Pnblicisten nicht selten geschieht, - nicht abgeschlossen wurden. Besonders blieb eine Besprechung gerade der jüdischen Kanzelberedtsamkeit zurück, die wohl für unsere Leser das meiste Interesse gehabt hätte. Wir beabsichtigen, Ties jetzt nachzuholen, ohne aus eine erschöpfende Behandlung des Gegenstandes Anspruch machen zu wollen. Schon in der Zeit Mendelssohns machte sich bisweilen daS Bedürfnis; einer Predigt bei außerordentlichen, namentlich patriotischen Gelegenheiten geltend, und es sind uns einige Reden aufbewahrl, welche M. zu diesem Zwecke gefertigt, wenn auch nicht selbst gehalten hat. Unter Predigt versteht man hierbei eine für die Kanzel angemessene Rere in der reinen Muttersprache und logisch geordnet. Mit dem Anfang des laufenden Jahrhunderts trat dieses Bedürsuiß stärker aus^ und zwar nicht mehr aus äußeren Gründen und Veranlassungen, sondern von innen heraus. Der hergebrachte Gottesdienst in seinen bis ans'ü Kleinste fixirten Formen, innerhalb derer jede geistige Bewegung aufgehört hatte, befriedigte nicht mehr, und wollte von Neuen, geijtig durchweht werden. Man fühlte sich gedrungen, sicb erbauen und erheben zu lassen, und Dies konnte nur durch die Einschaltung der Predigt geschehen. Hierzu kam, daß die Bildung allmälig

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