Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1873)
- Date
- 1873-09-30
- Page
- Seite 661 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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661 über von nichts Anderem, als von Lion und seiner Frau, daß sie die Stadl verlassen müssen, und nicht einmal eine Nacht daselbst verbleiben dürfen'. Als der Wachtmeister der Gendarmerie, Johann Treimer, von der Ankunft des Herrn Lion-in-der Nacht vom 23. aus den 2-1. März sammt seiner Gattin vernahm, sendete er, gemäß dem vom Bezirkshauptmanne erhaltenen Aufträge, anr 21. um 7 Uhr AbendS zwei Gendarmen aus Patrouille und befahl ihnen, darüber zu wachen, daß keine Gewaltthat an Lion geübt werde, und falls irgendwelche Ruhestörung eintreren sollte, ihn, den Wachtmeister, davon unverzüglich in Kenntniß zu setzen. Beide Gendarmen befanden sich am 21. März zwischen ü und 7 Uhr Abends bei der Fabrik, und da sie nichts Schlimmes bemerkten, kehrten sie zwischen 0 und 1» Uhr Abends in die Kaserne zurück. Kaum waren sie daselbst angelangt, kam der Fabriksdiener Franz Pieszczota in größter Eile gelaufen und bat die Gendarmen, in die Fabrik zurückzukehren, da viele Leute vor der Fabrik sich angesannnelt hätten. Die beiden erwähnten Gendarmen fanden auch eine große Menge Männer, Weiber und Kinder vor der Fabrik, die trotz der Ansforderung der Gendarmen zum Anseinanrergehen sich nicht entfernen wollten und vielmehr laut fchrcc«: „Wir müssen die Inden hinauslreiben, waS haben wir zwei Gendarmen zu fürchten? Hurrah! Gehen wir die. Juden schlagen!" In Folge dieses Lärmens wuchs die Menschenmenge immer mehr, was die Gendarmerie bewog, nach der Kaserne um Verstärkung zu senden. Bald kamen auch der gedachte Wachtmeister Treimer und andere zwei Gendarmen zur Fabrik. Aber auch sie vermochten bei der großen Menschenmaffe nichts auszurichten; und als sie derselben den Rath ertheilien, um Befriedigung ihres Verlangens, den Lion sammt Frau zu entfernen, bei der Bezirkshauptmannschast bittlich einzuschreiten, antwortete die Menge: „Wir werden weder zur Bezirkehauptmannschast, noch ins Bezirksgericht gehen, denn das würde zu nichts führen, wir werden uns schon selbst zu helfen wissenUnd die Weiber schrieen: „Wir wollen nicht, daß ein Jude hier Kinder erzeuge und daß diese mit den unserigen Zusammengehen sollen!" iSchluß in nächster Nummer. Vermischtes. In der Morgensitzung des zu Paris tagenden Orientalistencongresses am 8. d. M. entwickelte Herr Athanase Eeguerel in einem beredten Beiträge das Bekürsniß einer unparteiischen französischen Bibelübersetzung, wie sic nach dein Borgange Luthers nur der liberale Protestantismus liefern kenne. Ein anwesender Abbö nahm die katholischen Ueberlragungen, welche Eoqnerel einer scharfen Kritik unterzogen hatte, taetvoll und leidenschaftslos in.Schutz, konnte jedoch die Zuhörerschaft nicht überzeugen. Herr Latouche meinte, das Beste wäre wohl eine für. die drei betheiligten Culre s Katholiken, Protestanten und Inden) gleich annehmbare Uebersetzung; Herr Eoguerel wies hingegen nach, daß dies ein unerreichbares Ideal sei. Wir bemerken hierzu, daß schwerlich die lnther'sche Bibelübersetzung als eine völlig unparteiische ausgegeben.werten könne, u:id daß eine solche überhaupt von keiner bestimmt gefärbten Eousession, sondern nur von der unparteiischen Sprachforschung und Kritik geliefert werden kann. Auch die protestantische Kirche als solche hat ein wesentliches Interesse,, eine nicht unbedeutende Zahl von Stellen ihren dogmatischen Ansichten gemäß übersetzt zu sehen. Am unparteiischesten ist für das alte Testament gewiß eine Uebersetzung von Juden, schon weil diese keine von der Synagoge sanenonirte Uebersetzung haben. Allein auch bei diesen macht sich der Einfluß der traditionellen Auslegung, namentliche das Gesetz beiressend, geltend, sobald sie der orthodoxe» Richtung folgen. Wir haben ries genugsam erfahren. In Paris ist vor einigen Jahren schon der Versuch ausgelauchi, eine Uebcrsetzung durch die Bereinigung rer Katholiken, Protestanten und Juden zu Stande zu bringen, und es trat zu diesem Zwecke ein Comilö zusaiumen, in welchem die S Nehmen dieser drei Eonsessionen Platz nahmen. Hierbei verblieb es aber. Gegenwärtig wnrce ein solcher Versuch noch weniger einigen Erfolg haben. Uebrigenö hatte wohl die französische Uebersetzung des. sel. S. E a hn die Anfinerksamkeit des Herrn Eognere! verdient; aber für diese Herren ist ja eine jüdische Arbeit gar nicht vorhanden. Unze Oie bei f'rricr Wohnung mit ciiinu Geholte von jährlich Cljlm. öiuo.iitf Stelle des Gultusbeamten und Lehrers luum sofort besetzt werden. Gnulisicirte Bewerber wollen jich nn tlnteneichncten wenden. Pr. Gldendorf, den lÜ. S'eptbr. Der Dors!und. icejj. üuiniflbcamtcr t:WelisiiMi«el>rer, tforbc. eine (jlcicbc «teile. ‘-Käme* d. d. Buckhand- B uuow i. i g e n. Lkeln-l»ngS;;esucl). Für mein Fell-, Well- und Produetengeschäst suche ick per 15. Setober unter sehr günstigen Bedingungen einen jungen-Mann als Lehrling. I. Katzenskeirr, Einbeck, Provinz Hannover.