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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-23 · Heft 39 (23.9.1873) · p. Seite 643

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 39 (23.9.1873)
Date
1873-09-23
Page
Seite 643 (sequence 13)
Language
German
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643 anzustecken. Da sucht die Braut in ihrer treuen Liebe ihn dennoch auf, und durch ihn, von dem Pesthauche ersaßt, stirbt sie mit dem Geliebten. Aber auch diese Gabe entspricht nicht ganz rem Verlangen des Himmels. Da läßt sich die Peri im „gelobten Lande", am Fuße des Libanon, am Ufer des Jordan nieder. Hier findet sie einen spielenden Knaben, der sich ermüdet niedergelegt, aber beim letzten Sonnenstrahl sich erhebt, die Hände faltet, und sein Gebet verrichtet. Zu gleicher Zeit war hier ein wilder Mann vom Nosse gestiegen, der in seinem Angesichte die Spuren der rohesten Leidenschaften trug, und eie größten Verbrechen begangen hatte. Als er den betenden Knaben erblickt, steigt die Erinnerung an seine eigene Kindheit in ihm aus, die heftigste Rene ergreift ihn, und seinem Auge entfließt eine Thräne. Diese Thräne der Reue trägt die Peri zu den Pforten des Himmels hinauf; sie wird als die köstlichste Gabe der Erde angenommen, und die Peri geht zu den Seligen ein. Wir bramben diese innerlichste Beziehung zu dem Lande Israel im Gegensätze zu Indien und Aegypten nicht näher zu bezeichnen. Wir stellen nur noch die Schilderung des Landes her: Jetzt sank des Abends gold'ncr Schein. Ans Syriens Rosenland herein, Wie Glorienschimmer hing die Sonn' Ueber dem heiligen Libanon; Es ragt in Wintcrmajestat Sein Haupt, vom ew'gen Schnee beglänzt, Indeß rer Sommer schläft bekränzt Am Fuß aus einem Blumenbeet. Die aus der Höhe konnte schau'n Herab auf all' die Zauberan'n, Wie schon erschien ihr nicht die Welt, Das rege Leben rings erhellt, Ter Gärten Pracht, rer.Wellen Schimmern, An ihren Ufern goldene Frückue, Tie schöner noch im Sonnenlichte — Und dann das tansendstimm'ge Rufen, Das alle Schäferrohr, das Summen Ter Bienen im gelobten Land, Die schwärmen über Blumenselder. Und, Jordan, beglückter Strand, Und deine nachtigallenreichen Wälder! — Am 22. d. M. feierte der Veteran Herr Moseö Ulm er in Siegbnrg mir seiner Ehegattin, Jeanette, gcb. Rat bau. das Fest der goldenen Hochzeit. Schon am Vorabende hatten säst alle Bewohner der ganzen Straße ihre Häuser mit Flaggen und Kränzen reichlich geschmückt, und brachte der hiesige Männergesangverein den» Jubelpaare vor dessen festlich geschmückter und beleuchteter Wohnung eine Serenade. Am Morgen des Festtages zog das alte ehrwürdige Paar, begleitet von 7 Kindern und 22 Enkeln, in feierlichem Zuge zu der im Blumenschmucke prangenden und mit paffenden Inschriften versehenen Synagoge. Ein Enkel des Jubilars, Herr Religionslehrer Stern aus Limburg, hielt die Festrede. Auknüpfend an Psalm 118, 28, wies er darauf hin, wie sehr die Iubilare zum Tante gegen den Höchsten verpflichtet seien, der sie während eines halben Jahrhunderts so wutiderbar beschützt, und der den alten Veteranen, welcher im Jahre l S1 r» für die Freiheit des Vaterlandes kämpfte, auch noch die Freude hat erlebeu lassen, zu sehen, daß Gott, so wie damals, auch jetzt noch seine schützende Hand über Deutschlands kämpfende Söhne walten läßt. Hieraus überreichte der hiesige Religionslehrer, Herr Hirschhahn, nach einer würdevollen Ansprache dem Jubelpaare das ihnen von Ihrer Majestät de» Königin Elisabeth gewidmete Geschenk, bestehend in einem Prachteremplare der heiligen Sckuisk im Urtexte. Zu Thräueu gerührt nahm das Greisenpaar das schöne Geschenk in Empfang. Nach dem Gottesdienste empfingen die alten Leute in ihrer Wohnung die Glückwünsche ihrer Mitbürger, die sich in großer Zahl cingesunden. Von Seiten der Behörden erschienen rer Bczirkscommandeur, Herr Oberstlientenant v. Tonat, und Herr Friedensrichter Degen. Eine Deputation.deö hiesigen Kameradschaftlichen'Vereins, geführt von Herrn Müleuz aus Bonn, überreichte eine Gratulation in Form eines schön ausgestatieten Festgedichtes mit Beziehung aus die Theilnahme des Jubilars an den Befreiungskriegen; gleichzeitig übergab Herr Jnsiizralt, Wurzer ein Grarntalionsschreiben Seiner Erelleuz res Generals v. Maliseewsky, Präsident der Jnvalirenstifrung „Nationaldanl" in Berlin. Nachmittags versammelte sich ans Einladung eines Sohnes der Gefeierten eine große Zahl hiesiger Bürger;iim Kässee im Locale deö „Herrengarten", wobei Herr Bürgermeister Brambach einen Toast aus das Jubelpaar auöbrachle. Das Ganze schloß mit einem Festballe, und wird dieser Tag Allen, besonders aber den Iubilaren, noch lange in freudiger Erinnerung bleiben. «Siegburger Zeitung.» In dem trefflichen Werke von I. BurckHardt: „die Eultur der Renaissance in Italien" «Basel, 1s«;oj, sauten wir jüngst eine Stelle, die wir reu Rabbinern unserer Zeit zur Erwägung geben möchten. Bekanntlich halten im II. und!'.. Jahrhundert die Humanisten, die Pfleger der alrelafsischen Sprachen und Literalnr, in Europa, soweit es damals der Eulrur angehörte, eine hohe Surse res Ansehens und des pelitischeu Einstuffes, ganz besonders in Italien, welches in zahllose Fürftenlhümer und Rev"1'iik,>ugespalten war, erstiegen. Im 1«.. Ialu hlznrert sanken sie von dieser Höhe in überrasibeud kurzer Zeit

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