Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1873)
- Date
- 1873-09-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Ein miMtciislhcs Organ für alles indische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Pr. Ludwig Wlippson tu Bonn. Verlag von Banmgärtner'S Buchhandlung in Leipzig. Diese Zci'.uua erscheint wöchentlich einmal in i bis 2 *4 Bo^cn. Preis Piertcliähriz l Thlr. Inserate werden mir 2 Ngr. >ür die Petirzeile »der deren :>»aum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zcitungü -- Expeditionen nel-men Best-ll'.'n.rcn an. In rcractioncUcn Au^elczenheiica n'cndc man sich an I»r. v. Pliilippson in Bonn; hinsichtlich dcS Be;n>rs und der In'eratean öaumnärtnrr's lluchliandloug!iivcip;i>i. Znsrrälr, welche dis vonnrr»- tnq ein.qeben. sinden inderraraussokgenden Äiunnncr Äerüctsichligung. 37. Jahrgang. Leipzigs den 9. September 1873. JS? 37. Znhalt. Leitende Artikel: Die Inden in Nutzland. - Zwei Jrrtlmmer. —- Zeitungsnachrichten: Deutsch land: Sam'tcr, Liinen, Memel, Coburg. Berlin, Lndwig>?blirg. — Oeste rreichiich-ungarische Monarchie: Agram, Äolomca, Prag.-- Türkei: Con^ stantinopel. — Nutzland: St. Petersburg.— Amerika: Ncwyork. — Feuilleton: Ausflüge nach verschiedenen Stationen. IV. sFortsetzung). — Vermischtes. ' . oCcilc’1106 (ftttlilcf. Bonn, 3. September. Die Juden in Rußland.. Wo es sich um das Geschick von drittehalb Millionen unserer Glaubensgenossen, also um ein Drittel derselben überhaupt, handelt: da steht es nicht blos uns zu, sondern ist vielmehr eine heilige Pflicht, immer und immer wieder darauf znrnckznkoinmen, jeneö immer wieder unserer Betrachtung zu unterziehen, und ans die Umgestaltung ihrer Verhältnisse, wo cs nöthig ist, zu dringen. Es ist linsere Aufgabe, über die Lage, die äußere, wie die innere, sei es an dem kleinsten Platze, Licht zu verbreiten: wie sollte sie uns nicht zehn- und hundertfach gestellt sein in dem größten Staate der Erde, in dem kaum übersehbaren russischen Reiche, dessen Grenzen sich Jahr für Jahr erweitern, und zwar nach einer Seite hin, wo jeder Schritt des russischen Siegers auch einen Schritt der Eultur, des gesicherten Lebens, Eigenthums und Verkehrs bedeutet? Unsere Leser werden es daher gerecht finden, wenn wir immer wieder auf die Verhältnisse der russischen Inden zurückkommen. Hierzu gesellt sich, daß, wie wir aus mehrfachen Quellen vernehmen, die kaiserliche Staatsregiernng mit dem Erlaß eines neuen Gesetzes über die Inden beschäftigt ist. und daß in der That die Dinge so liegen, daß sie zu einer Entscheidung, wenigstens für die nächste Zukunft, hindrängen. Daß wir dabei nicht blos aus allgemeine Grundsätze hin, sondern auch ans eine ziemliche Tetailskenntniß der wirklichen Zustände fußen, dafür sprechen schon die vielen, von uns in den letzten Jahren gebrachten, bis in's Einzelnste gehenden Mitthcilnngen ans Rußland, von denen eben auch wieder ein Vorrath zum allmäligen Abdruck vorliegt. Auch daraus können wir uns berufen, daß wir uns stets auch dem gewaltigen russischen Reiche gegenüber ebenso unparteiisch, wie unabhängig verhalten haben. Wir haben uns stets bemüht, uns ebenso frei von der oft bis in's Lächerliche getriebenen Russophobie, wie von jeder Kriecherei zu halten. Wir haben stets die große Mission Rußlands anerkannt, die Eultnr in einer Menge halb oder ganz barbarischer Völkerstämme von dem Ufer der Weichsel bis zu dem des Amur wurzeln zu machen, und sie der großen civilisirten Bölkerfamilie zuznführen, und waren uns dabei der außerordentlichen Schwierigkeiten bewußt, welche der Kaiser und seine Regierung hierin zu überwinden haben. Nichts ist thörichter, oder doch einseitiger, als dieselben bei diesem gewaltigen Werke und Processe nach dem Maße eines westeuropäischen Staates zu beurtheilen. Dennoch ist es uns stets klar gewesen, daß in einem so besonderen Staatswesen und staatlichen Völkerverein in großen Zügen dieselben Gesetze der Entwickelung walten, wie in jedem anderen, wenn auch der Gang und Verlauf ein langsamerer, ein in den einzelnen Theilen verschiedenerer sein muß. So gewiß, wie es eine Nothwendigkeir war, daß ein gewaltiger Impuls zur Eivilisation, hier durch Peter den Großen, erntreten mußte, und