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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-02 · Heft 36 (2.9.1873) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 36 (2.9.1873)
Date
1873-09-02
Page
Seite 593 (sequence 13)
Language
German
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Vermischtes. Ter berliner Statistiker Dr. Schwabe hat 400 Heirathsgesnche aus der getcfenften berliner Zeitung gesammelt, und daraus statistische Folgerungen gezogen. Diese können allerdings nicht als maßgebend überhaupt betrachtet werden, da bei nur loo Anzeigen viele Zufälligkeiten statlfinden können, und eine berliner Zeitung eben nur für Berlin charakteristisch ist. Unter Anderem ergab sich, daß relativ die Juden am Häufigsten diesen Weg res öffentlichen Angebots wablen. Denn dieselben betrugen 6 Prozent Männer und 13 Proz. Frauen, also fast den fünften Theil der Ansuchenden, während in Berlin die jüdische Bevölkerung ungefähr den dreißigsten Theil, in ganz Preußen den siebenzigsteu Theil ausmacht. Bei der Zersplitterung der jüdischen Bevölkerung ist Dies auch erklärlich, da deshalb die Gelegenheit zur Wahl für die Ehe viel seltener ist. Bon einem bedeutenden Botaniker ist jüngst eine Schrift erschienen (Hannover, Nümpler 1872», in welcher derselbe nachweist, daß, die Prämissen und Gesetze, welche Darwin aufstellt, vollständig angenommen, aus diesen gerade das Gegentheil sich ergiebt, was Darwin und seine Anhänger daraus folgern. Alle Organismen, thierifche wie Pflanzen, müssen nach den Gesetzen der Zuchtwahl sich immer mehr vereinfachen, und zuletzt in ihre Elemente sich auslösen. Er erweist z. B., daß nach den Gesetzen Darwins der Mensch nicht vom Assen, sondern der Asse vom Menschen stammt, nicht das Meuschenthum aus dem Asfenthum hervvrgegangen, sondern das Affenthum die Zukunft des Meuschenthums sein müßte. Tie Anhänger Tarwin's stehen vor dieser Schrift, und wissen nicht, ums damit anfangen (S. „das Ausland", — in welcher Zeitschrift der Darwinismus gepredigt wird, — Mo. 4$; 1872), sie können sie nicht widerlegen, sträuben sich doch vor diesen, mit vielen naturwissenschaftlichen Beweisen belegten Eonsequenzen, und müssen sie schließlich als die feinste Persiflage erklären. — Aehnliches ist jüngst auf dem Gebiete der Paläontologie und der Geologie geschehen. Ein berühmter Rauirsorscher hat erwiesen, daß alle heurigen Erweise der Geologie über das Alter und die Formation der Erke durchaus unzuverlässig sind, und daß eben so gut ein junges Alter der Erde, wie ein sehr hohes nachgewiesen werten könne, und daß in der Paläontologie mehr Träumerei, als wissenschastliche Ergebnisse vorherrschend seien. Fürwahr, die Naturwissenschaft feiert Triumphe genug, wenn sie die 'Natur, wie sie ist und vor uns erscheint, erforscht, und lieber alle diese Hypothese^ ausgiebl, welche nur Berwirrung, aber keine sicheren Resultate bringen. Ten 15. August starb in Szegedin Herr David Rosenberg im Alter von toi» Jahren. Ter Verstorbene, dessen Enkel und Urenkel bereits angesehene Stellungen in der Stadt und.im Staat einnehmen, war während seines ganzen langen Lebens niemals krank gewesen, und war bis zum letzten Augenblicke bei vollem klaren Bewußtsein. Tie „D. Allg. Z." entnimmt einem amtlichen Berichte die Mittheilung, daß im Jahre 1872 die Evangelischen der alten preußischen Provinzen durch Uebertritt von anderen Gtaubensbekenntnisien sich um die Zahl von 16,771 Personen vermehrt haben, von denen r» 5 Juten, ‘.Mi l Dissidenten u. s. w. und 15,155 Katholiken sind. — Es ist sehr ausfällig, daß zwar der Uebertritt zur evangelischen Kirche, nicht aber der Uebertritt von der evangelischen zur katholischen und zum Judenthume angegeben wird. TAan müßte fast glauben, daß die Zahlen nicht sehr zu Gunsten der evangelischen Kirche ausgefallen, so daß man sie lieber verschweigt. Im Augenblicke steht uns nur noch die Volkszählung von 1867 zu Gebote, wo es in den alten Provinzen 7,351,804 Katholiken und 262,726 Inden gab. Hiernach würde der 475. Katholik, und der 4776. Jude zur evangelischen Kirche übergetreten sein. Da bis 187 2 die Bevölkerung gestiegen, somuß das Verhältnis ein noch etwas günstigeres sein. Bemerkt wird noch bei der obigen Angabe, daß in der Provinz Posen kein Jude übergetreten sei, und daß der Grund des Uebertritts überhaupt größtentheils in der Eingehung gemischter Ehen zn suchen sei. Aus diesem Grunde geschehen bekanntlich auch die meisten Uebertritte zum Judenthum, worüber, wie bekannt, die evangelischen Eonsistorien und der Obertirchenra'.h einen so lauten Jammerrus haben ertönen lassen. Ein hübscher Eharakterzug Kaiser Wilhelms wird aus Ems uns berichtet. Daselbst giebt es zwei Gold- und Juwelenhandlnngen von hervorragender Bedeutung; die Inhaber dieser beiden Geschäfte sind jüdischer Eonfession, und zwar ist der eine strenggläubig und hält Sonnabends sein Geschäft geschlossen, während der andere auch am Sonnabend sein Geschäft geöffnet hält. Ter Kaiser pflegt Beiden seine Kundschaft zuzmvenden, und vor der Abreise seine Einkäufe zu machen, und da er in' diesem Jahr Sonntag abreiste, ging er schon Freitags zu dem strenggläubigen jüdischen Goldarbeiter, um denselben keine Einbuße erleiden zu lassen. Nachtrag. Mlichllmusen (Elsaß, im August. (Privatmillh.) ‘Wenn aus reu preußischen und anderen denlschen Landen mehrfach berichtet wird, daß die höheren Lehranstalten, insonders die Gymnasien, von der jütischen Jugend in einem numerischen Verhältnisse besucht werden, welches das der christlichen Eonfessionen bei Weitem übersteigt, und sich dadurch zweifellos der bei den jüdischen Ellern vorwaltende Trieb, ihren Kindern eine höhere und gründliche Bildung zu verschaffen, erweist: so ist Dies int Elsaß

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