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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-02 · Heft 36 (2.9.1873) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 36 (2.9.1873)
Date
1873-09-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Ein miMtciisllics Organ fiir alles indische Interesse. ❖ Diese Zeitung erscheint reechcnt'.ich einmal in 2 vis 'llJ2 Bogen. Preis Bicrtel,ähri» I Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. für die Pctitzcile oder deren -Nanin bercchncr. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zcitungs»Expeditionen nennen, Besn U ngrn an. Herausgegeben von Rabbiner Pr. Ludwig Wlipplon in Bonn. Bertag von Baumgärtncr'v Bnchhandlnng in Leipzig. In redactioncllen Angelegenheiten wenrc man sich anIJr. v. Philippson in Bonn: binstchtlich des Bezugs und der Inserate an üaumyürlnrr'» Snchbandlannr'civzig. Znsrro'tk, welche biS vonner»- tol, eingeben. finden in der darauffolgell' den .'iminncr Berücksichtigung. 37. Jahrgang. Leipzig, dcn 2. September 1873. J\? 38. 3nbnlt. Leitende Artikel: Der Austritt ans der Rctigionsgcmeinde. VII. — Der Bölken'riede. — Ans Russland. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Ltnttgart, Königsberg, Bonn, Hccl'ingcn, Damberitz <fDtälucn>. — Ocstrcichi'ch -nitga^rif ck,c Monarchie: Ttainslan, Ans Ungarn. - 3 talicn: Guneo. — Ohunäiiicu: Bukarest. — 3tustland: Lt. Petersburg. — Feuilleton: Eine Kriegssccne und .ihre Folgen. IV. (Schluß). — Vermischtes. — Stach trag: Müblhaufen (Elsaß). ' J^eitcuOc (ftthfief. SPoiui, 27. Lliigust. Der Austritt ans der Ueliaionsgemcinde. VII. Jedermann weiß, daß, um eins Idee, eine Lehre sowohl dauernd zu erhalten, als auch Jiiv die Menschen in teil auf einander folgenden Geschlechtern wirksam und fruchtbar zu machen, dieselbe in einer wirklichen Erscheinung dargestellt nur gewissermaßen verkörpert werden muß. Es liegt Dies in der Natur des Menschen, der einerseits^Das, waS ihn erfüllt, durch Thal und Vollbringen zu erweisen sich gedrungen fühlt, der andererseits, besonders waS die Masse der Menschen betrisst, nur die Idee und Lehre in sich aufnimmt und sich für sie begeistert, die er in einer gewissen Wirklichkeit vor sich sieht, die ihn in Anspruch nimmt, und Opfer, wenigstens Bethätigung von ihm fordert. Was ist nun Israel hierfür übrig geblieben? Ursprünglich war eS ein Volk, berufen und erzogen für die religiöse Idee; es hatte einen Staat mit wechselnden Geschicken, eine Hauptstadt, einen Tempel. Ties Alles ging verloren, das Volk wurde hinausgeschleudert über die Länder. Einige Jahrhunderte lang hatte es noch einen geistigen Mittelpunkt im großen Sanhedrin und Patriarchale. Auch diese gingen unter; was blieb ihm übrig? Die Gemeinde. Bon dem Augenblicke an, wo das Bolk vor und nach dein Falle Jerusalems answanderte, und sich, in zahllose Schaarcn gctheilt, in allen Ländern niedcrließ, war in ihm der Drang lebendig, an jedem Orte, wo sich einige Glieder zusammenfanden, eine Gemeinde zu bilden, um Synagoge, Schule, Wehlihätigkeitseinrichtungen und Begräbnißplatz herzustelleu. Nicht die Menge machte cs, die kleinste Zahl genügte dazu. Nicht große Verbände und Organisationen, nicht Kreis-, Provinzial- oder Landesverbände mit Unter- und Oberrärben, mit Eensisiorien und Synoden au der Spitze, * erstrebte man; Nichts als die innige llnd einheitliche Berbindung aller an einem Orte befindlichen Juden, die Gemeinde, wollte und erwirkte man. Und diese genügte auch jetzt bereits für mehr als zwei Jahrtausende. Allen Stürmen, allen Verlockungen und Verfolgungen gegenüber hielt die Gemeinde aus. An unzähligen Orten zersprengt oder vernichtet, — ihre Synagogen verbrannt, ihre Friedhöfe geschändet, richtete sich die Gemeinde stets wieder aus der Asche auf, sei cs an demselben Platze, sei cs am nächsten, wo sich einige Flüchtlinge wieder zusammenfanden. Die Gemeinde genügte aber auch nach innen. Sie erhielt das Judenthum in seinem Bestände und in seiner Entwickelung. Das Wert Gottes wurde überall der Kindheit gelehrt, den Erwachsenen ausgelegt, den Jüngern übertragen; überall wurde der Gettesdiensr gefeiert, die Thora und die Propheten verlesen, die Psalmen gesungen. - Und was will man jetzt? Diese Gemeinde, diese letzte und einzige Verkörperung des Judcnthums, diese vielbewährtc Trägerin der Lehre will man, wenn nicht auslösen und zerstören, doch in ihren Grundfesten erschüttern, in ihrer Einheit

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