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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-08-26 · Heft 35 (26.8.1873) · p. Seite 576

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 35 (26.8.1873)
Date
1873-08-26
Page
Seite 576 (sequence 14)
Language
German
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576 Ueberlegung, aus meinen innersten Gefühlen heraus, hatte ich die Frage ausgesprochen; aber lag'nicht darin schon eine heilige Verpflichtung, die ich eingegangen, und die ich erfüllen mußte? Nun. das Herz schlug mir bei dieser Vorstellung hoch auf, und das Bild des Mädchens in all' seiner Aumuth, in der Entschlossenheit und Hingebung zugleich, die sie in jeder ihrer Handlungen bethätigt hatte, trat mir vor die Seele und entzückte mich, — ich war mit mir zufrieden, und Dies bezeugte mir, daß ich recht gethan. Zn den Bormittagsstunden rückte das Hauptcorps des Detachements heran. Ich meldete mich und meine Leute bei dem Herrn Oberstlieutenant, der uns commandirte, und mußte ihm genauen Bericht erstatten. Er ließ meine Leute antreten, belobte sie und mich in nachdrücklicher Weise, und versprach uns, für die bewiesene Entschlossenheit, (Gewandtheit und Tapferkeit drei eiserne Kreuze zu erbitten, von denen das eine mir zukomme, die beiden anderen die Leute selbst für Diejenigen unter ihnen bestimmen sollten, welche sich am meisten hervorgethan. Was die Bewohner jener Hauser betraf, so erklärte er sie. nach kurzer Beralhung mit den anderen Ossiciereu, für bestraft genug durch den Verlust ihrer Häuser und .Habseligkeiten; sie sollten nur so lange gefangen bleiben, bis die ganze Landschaft von den Franctireurs gesäubert wäre. In dem großen Flecken jenseits des Flusses fanden sich übrigens keine Spuren jener Helden mehr, außer den Uebelthaten, die sie an ihren eigenen Landsleuten verübt, deren Keller und Borrarhskammern sie ausgeleert, und aus ihnen, was sie selbst nicht verzehren konnten, unter dem Vorwände, daß der Feind Nichts vorsinden solle, zerstört hatten. In der Frühe hätten sie sich bereits ans dem Staube gemacht. (Schluß folgt.) Correspondenz. Wien, im Juli. Unter den Kunsterzeugnissen, welche auf der hiesigen Weltausstellung einen hervorragenden Platz eiuuehmeu, machen sich auch die Kirchenparamente bemerklich, die mit Goldstickerei geschmückt sind. Unter diesen aber zieht wieder die besondere Aufmerksamkeit ein prachtvoller, mit vieler Kunst und großem Kostenaufwaude h.'rgeftellter Borhang (rr--:) vor der heiligen Lade auf sich, welchen Herr I. A. Hietel aus Leipzig ausgestellt hat. Reichthum des Stoffes und der Ausschmückung, der feinste Geschmack in den angebrachten Stickereien, und eine sinnige Auswahl der Verse, die angebracht sind, zeichnen dieses Kunstwerk aus, und bezeugen das Streben des Urhebers, auch diesem besonderen Zweig eine neue Entfaltung zu geben, und keine Opfer dafür zu scheuen. Hiermit hat er auch die Ueberzeuguug auSgedrückt, eS gebe noch Gemeinden und Männer in Israel, die zur Ehre ihrer Heiligthümer ein solches Geldopfer nicht scheuen, um dergleichen Kunstwerke zu erwerben. Auch hier hat eS die Engherzigkeit nicht über sich gewinnen können, nichteinen scheelen Blick darauf zu werfen. Das „Eikomek'sche Centralorgan für die Weltausstellung mit ausschließlicher Berechtigung" macht betreffs dieses Kunstwerks die Bemerkung: „Die jüdischen Tempel sind größtentheils sehr einfach, da die bildenden Künste wegen allenfalls engherziger Bedenken daraus fast gänzlich verbannt sind." Und in diesem Sinne geht es weiter. Wir möchten fragen, ob der Referent etwa die Statue einer Venus oder eines Bachus, oder die Gemälde von Märtyrern oder Heiligen in den jüdischen Tempeln vermißt, und diesen Mangel als einen „engherzigen" beklagt? Da er allein von dem Gesichtspunkte der bildenden Künste ausgeht, so muß er Dies allerdings. Nun haben wirklich die jüdischen Tempel nicht die Bestimmung, Galerien für Statuen und Gemälde zu sein, auch nicht wegen Kunstraritäten besucht zu werden, sondern allein, Stätten der Anbetung des einigen, unkörperlichcn, weder durch Bilder noch durch äußerliche Symbole darzustelleuden Gottes zu sein, tlnd Alles zu vermeiden, was von dieser Vorstellung des Weltgeistes abzuleiten, und in irgend einer Weise das Götzenthum wieder einzuschmuggeln vermag. Ob diese Aufgabe und ihre Ausführung ein „engherziges Bedenken" und nicht vielmehr ein leuchtendes Vorbild erhabenster Goltesanschauung zu nennen sei, überlassen wir jedem Borurtheilslosen zu entscheiden, besonders Dem, welcher die Folgen deS entgegengesetzten Verfahrens in der bisherigen Geschichte der Menschheit zu würdigen versteht. In solchen Dingen ist die strenge Observanz die wahrhaft weitherzige und tiefgeistige, während es engherzige Bedenken sind, die in den Gotteshäusern Mittel angeweudet wissen wollen, um die Einbildungskraft zu fangen und die Sinnlichkeit zu reizen. Ein Blick auf die Verse des besprochenen Vorhanges lehrt, wie hier die herrlichsten, die ganze Menschheit sinnig und gemüthvoll umfassenden Sprüche dem Beschauer vor die Augen geführt sind, so daß sie vermögen, das Herz zu erweitern und den Geist zu veredeln. Dem Referenten sind sie wahrscheinlich unverständlich geblieben, — Das hindert aber nicht, dem Iudenthume Schlimmes nachzusagen. O, ihr engherzigen Schreiber! F. Vermischtes. Der aus Lauen bürg in Hinterpommern stammende Druckereibesitzer und Herausgeber des „Hebrew" in San Francisco und des Ealifornischen Staatskaleudcrs, Philo Iacoby aus San Francisco, welcher, auf einer Besuchsreise nach seiner Heimath begriffen, als Delegat der amerikanischen Schützen am schweizer Schützenfest in Zürich Theil genommen, hat dort am 15. d. M. mit 181 Eentrumsschüssen den ersten Preis gewonnen.

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