Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1873)
- Date
- 1873-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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<5 Allgemeine Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. ♦ Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 viS 2'/, Bozen. Preis Vierteljährig 1 Thlr. 2inerate werden mit 2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig philipvsiiu in Bonn. Lerlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. 2n redaerionellcn Angelegenheiten wende man sich an Nr. €. Philippson in Bonn: binsichrlich dcS Bezugs und der Iineratean Lavmyärlnkr'» Üacklumdlonz ind'eip;ig. 3nrrrntf, welcheb.s Oonnerrtag eingeven. finden inder raraussolgenden Rummec Berufs,a'ligung. 37. Jahrgang. Leipzig, den 12. August 1873. «A? 33. Inhalt. Leitende Artikel: Der Austritt aus der Religionsgemeinde. VI. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: München. Königsberg, Leipzig, Aachen, Berlin, Ziegburg (Meiuprovinzl, Aus der Provinz Posen. — Orstreichisch-ungarische Monarchie: AnS Galizien. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Rußland: Wilna. Correfpondenz: Paris. — Feuilleton: Eine Kriegstcene und ihre Folgen. I. jCei teude Äthfief. Bonn, 31. Juli. 8er Austritt aus der Religionsgemeinde. VI. In einer Angelegenheit, welche den Bestand und die Entwickelung des Judenlhuuls im Augenblicke so sehr berührt, wie die Frage um die Gemeinreangehöngkeit und die Einheit der Gemeinde, hat ein Jeder die Pflicht, sich zu äußern und seine Ansichten und Wünsche kund zu geben. In der Stellung, die wir innerhalb unsrer Glaubensgenossen nunmehr seit vierzig Jahren einnehmen, schien unS diese Pflicht unsrerseits zu erfüllen, um so gebotener zu sein. Wir richteten daher vor einigen Wochen folgende Petition an den Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheilen, Herrn Dr. Falk. Ew. Exceüenz wohlwollende Aufmerksamkeit wagt rer gehorsamst Unterzeichnete in einer Frage, welche den Fortbestand zahlloser jüdischer Gemeinden betrifft, einige Augenblicke in Anspruch zu nehmen. Seit 40 Jahren im Amte und in der jüdischen Literatur thätig, besonders seit 37 Jahren als Redacteur des ältesten und durch alle Welttheile verbreitetsten Organs der Judenheit, wiederholt schon bei Sr. Majestät dem hochseligen Könige, bei dem Königl. Staatsministerium und bei dem Abgeordnetenhaufe von vielen hundert preußischen Gemeinden zum Wortführer gewählt, dabei völlig unabhängig, da ich seit zehn Jahren wegen Kränklichkeit, mich vom geistlichen Amte zurückgezogen, glaube ich nicht ganz unberechtigt hierzu zu sein. Auch halte ich mich überzeugt, daß ich die Ansicht und Wünsche der überwiegenden Mehrheit der preußischen Unterthanen jüdischer Religion ansspreche. Ew. Excellen; haben nach allgemeiner Meinung mit rem Gesetze vom l 1. Mai c. über den Austritt aus rer Kirche, welches nach $ S auch auf die Inden sich erstreckt, das allein Nichtige und Zweckmäßige gewollt und erzielt. Wir erkennen, daß dasselbe auf dem Nechrsgrundsatze beruht, daß jeder Staatsangehörige sich nach seiner Ueberzeugung zu irgend welcher, oder auch zu keiner der bestehenden Religionen bekennen darf, daß er aber, falls er sich zu einer Religion bekennt, auch der örtlichen Gemeinde derselben angehören müsse. Tenn da jede Religion aus rem Grunde einer Gemeinschaft beruht, die durch die Ortsgemeinre verwirklicht wirr, mn die nolhwendigen Anstalten für diese Gemeinschaft herznstellen, so ist auch jedes Mitglied einer "Religion von selbst Mitglied einer Gemeinte. Aus dem Boden reö Gesetzes vom 14. Maie, und diese« RechlsgrundsatzeS wird an Ew. Exeellenz die ebenso dringende wie ergebene Bitte gerichtet: bei der Umgestaltung des Gesetzes vom 23. Juli 1847 1. die Gemeindeangehörigkeil zur jüdischen Orrsgemeinre für alle die Juden, welche nicht den Austritt aus rem Jurenthume erklärt haben oder erklären werden, aufrecht zu. erhalten;