Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1873)
- Date
- 1873-07-29
- Page
- Seite 510 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Leuten nun, die diese Anleihen vermitteln, sind viele Inden, und namentlich Einer, der der Herrscher der Börse genannt wird, weil er über riefe Alles vermag. Wir dürfen diese Veittc nicht verletzen, und rer Welt nicht die Meinung beibringen, als ob Du in Deinen unermeßlichen Staaten nicht Jedermann von den Strahlen Deiner Gnade bescheinen ließest. Laß sie also kommen, wie Dn es ihnen schon verheißen hast, laß sie ihre Sieden reden, mir ich werde ihnen, wenn Dn es befiehlst, einige freundliche Worte sagen; dann gehen sie von dannen, zufrieden und beglückt. und sprechen: welch ein gnädiger Herrscher ist daS, und wie gut wird es unserem Bolke ergehen! Und das verbreiten sie durch alle Länder, und man wird unsere Anleihe zahlen, und alle diese Länder werden das Geld, das sie besitzen, in Deine Schatzkammer schicken, .wie dies auch Fug und Recht ist." Der morgen ländische Hcnscher antwortete Nichts, lachte, und nickte dann mit dem Haupte. Alsbald entfernte sich rer Diener, und traten einige fein gekleidete Männer herein. Der Herrscher hatte sich erhoben, stand aufrecht, sah aber die Herren kaum an, die sich tief verbeugten, und dann ebenfalls ausrecht und würdevoll daftanden. Einige von ihnen waren in ihrer Amtskleidung, theils als Rechtsanwälte, theils als Geistliche, einer in der Uniform als Generalconsul, einer von höherer Militärchargc, einer als Mitglied des Institutes. Als der fremde Herrscher einmal aufblickte' und dies bemerkte, wurde er aufmerksamer und mnstcrtc die Anwesenden genauer. Was nun folgte, brauchen 'wir nicht weiter zu berichten. Der Führer der Deputation hielt eine längere Ansprache, und überreichte dann dem Bczicr eine geschriebene Adresse auf Pergament und in einer schön gestickten seidenen Hülle. Wie viel der Herrscher davon gehört und verstanden hat, wissen wir natürlich nicht. Als der Redner geendet hatte, sprach der Wonarch einige Worte zum Bezir, und dieser antwortete nim der Deputation mit den freundlichsten Worten: Wie sich sein allergnädigster Herr gefreut habe, sie bei sich zu sehen, wie dies auch in Berlin und London geschehen sei; wie ihm das Wohl aller seiner Unterthanen am Herzen liege, wie auch die Juden seiner väterlichen Gnade sich stets erfreut hätten nnd immerfort erfreuen würden. Testen könnten sie versichert sein, nnd sollten es nur laut und unumwunden Allen sagen, die sie hierhergesandt haben. Darauf wieder Verbeugung, und die Deputation zog sich von dem Angesichte der Sonne in die Schatten zurück, die auf allen übrigen Ländern Per Erde ruhen. Da wir völlig genug haben an dein, was wir gesehen und gehört haben', benutzen nur die Gelegenheit, schließen uns der Deputation an, verlassen den Palast, und reifen nach der Heimath zurück. Vermischtes. Ein Finanzpatricier von ehedem. Im Jahre 18:m brachte der Ausbruch der französischen Revolution bekanntlich eine furchtbare Devoute ans der wiener Börse hervor. Das Hauplopfer deö Platzes waren Rationalbamactien, der Hanplfaisenr das Bankhaus Wolf Werlheim. Tie Aetien, davon dieses Haus große Summen in Speenlation halte, waren von ISO!» auf SOO gefallen. Da erschien der greise Woks Wertheim - ein Ehrenmann im edelsten und umfassendsten Sinne des Wortes — an der Börse. Dhränen rollten über seinen weißen Bart. „Meine Herren," sagte er kur; mit halberstickter Stimme, „ich bin insolvent. Kommen Sie auf mein Comptoir. Was ich besitze, steht zu Ihrer Bersügung!" Kein Laut wurde hörbar, als der alte Mann zur Thüre hinausschritt. Da trat Anselm Rothschild, sein Jugendfreund, eben herein. „Was ist es, Wolf? Was machest Du da?" — „Ich habe mich 'insolvent erklärt," war die kurze Antwort. — „Bist verrückt? Meine Herren, wer bei Wolf Wertheim waö zu fordern hat, kann es heute Nachmittag unter seiner Bestätigung im Comptoir von Rothschild cineassiren." Nach Jahresfrist war das Hans Wertheim wieder an der Spitze von Hnnderttansenren, was damals Millionen galt. % « z e Zum 2. Oetober d. I. wird die EultttSbenttrtcn- Stelle hierorts vacant. Bewerber, die für die Function als E.imor, Schächter und Religionslehrer vollständig gnalisiein sind, wetten ihre Meldungen nebst Zeugnissen bei rem Unterzeichneten Verstände baldigst einreichen. Einkommen inel. Schechita circa 1"«> T Haler nnd unbestimmte Rebeuemolumente. Reisekosten werden nur dem gewählten Eandidaten vergütet. Der Vorstand der Synagogengcmciudc zu Trachenbcrg in Schlesien. Ein angehender Commis nach Elberfeld für ein Manns.wturgeschäsl gesucht. Sabbath u. Feiertage geschlossen. Offerten siil» L. 4212 bes. die Annoncen-Expedition von VZ. Thienes in Elberfeld. i g e ,l. In unserer Shnagogengcineinde ist die Stelle eines EantorS, Religionslehrers und Schächters sofort neu zu besetzen, es werden nur Berhcirathcte berücksichtigt. Gebalt jährlich?><ck» Thaler Fixum und circa l OO Thlr. Rebeneinlünfie. Meldungen nebst Zeugnissen sind an nnterzeichneteu Borstand einzurcichen. Reisekosten werden nicht vergütet. Der Bor st and diügenwalde, im Juli 1873._S. Borchardt. Lehrlings - (besuch. In einer Residenzstadt Thüringens wird für ein Seiten-, Mannfactnru. Möbelgeschäft unter günstigen Bedingungen per sofort oder 1. Angnst ein Lehrling gesucht. Das Geschäft ist Sonnabend geschlossen. Kost u. Logis im Hanse. Offerten erbeten an die Exped. d. Zig. unter S. S. Xr. 50.