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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-22 · Heft 30 (22.7.1873) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 30 (22.7.1873)
Date
1873-07-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Ein rlllpllrtciischcs Organ für alles jüdische Interesse. uoemp« Hcrausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Phiiippsun in Bonn. Verlag von Baumgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. In rcdncticncllen Anqcle.iciihcilen wende m-nr^ich an Ht. C. Pvilippson in Beim; biniichklich des Bc;u,;s und der au'cr.Nc an tlnunuiariner'L ünchhandlang invciv;ig. 3nffrnte. welchebiSvonnrr»- tng oiinjebcn, finden indcrkar.iusfolgcn» den?iummcr Berücksichiigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 dis 2'/. Bogen, kreis Viertel,ährig l Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. für die Petitgeile oder deren lliauui berechnet. Alle Biichbandlungen. Postämter und Zeitung? * eixperittenen nehmen Bestellungen an. 37. Jahrgang. Leipzig, den 22. Juli 1873. J\? 30. 3nball. Leitende Artikel: Die Lchre vom Zweck. I. — Literarischer Weckend er ich t: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aackcn, Berlin. — - Ocstreichisch nngarische Monarchie: Wien, Neutra, Äolomca. Lemberg, >trakän. — Frankreich: Paris, Aus Lndfraiilreich. — Rumänien: Bordeaux. — Türkei: Eandia. — Feuilleton: Notizen von'!',. D. 2o>"l, Rabbiner in Krotoschin. — Vermischtes. XetlciiOc' ßittißef. Bonn, in. Juli. Die Lehre vom Zweck, l. Die jetzige' Naturwissenschaft weist die sogenannte teleologische Betrachtung zurück, das ist die Frage nach dem Zwecke eines Wesens oder eines Theiles desselben, eines Organes. Sie will Nichts weiter, als die Dinge beobachten, die Functionen erkennen, das Wesen möglichst verstehen. Ob hierbei sich ein Zweck erkennbar herausstkllt, und die Zweckmäßigkeit der Einrichtung sich deutlich macht und der Einsicht wie von selbst aufdrängi, das läßt die Wisienschast bei Seite. Sie lhut Ties, nicht weil sie Zweck nnv Zweckmäßigkeit an sich läugnen, sondern weil die bestimmt so gestellte Frage nach Zweck und Zweckmäßigkeit bei dem einzelnen Dinge, bei einer Einrichtung oder einem Borgange die Untersuchung stört, die Beobachtung trübt, von vornherein befangen macht, und oft eine Antwort erzwingt, wo die Kenntnis; und Einsicht noch unvollständig ist. Diese Zurückweisung der teleologischen Betrachtungsweise ist aber zu einer gewissen Feindseligkeit geworden, weil eben früher dieselbe die Wissenschaft all zu sehr beherrscht und zu zahllosen Zrrthümern verleitet hatte. Genau erwogen, kann die Naturwissenschaft sie doch nicht verbannen, sondern erzeugt sic immer wieder von selbst. Wenn die Physiologie die Functionen eines Organes erforscht und beschreibt, so hat sie damit den Zweck desselben angegeben; wenn sie die Bedingungen, unter welchen es functionirt, auf's Sorgfältigste erforscht unr> darstellt, so hat sie die Zweckmäßigkeit seiner Einrichtung fcstgestellt. Es kam hinzu, daß früher diese teleologische Betrachtung einen höchst einseitigen und irrthümlichen Standpunct einnahm, indem sie von der Ansicht ausging, daß alle Dinge um des Wenschen willen geschaffen seien, und man daher jedes Ding in seinem Zweckoerhältuisse zum Menschen zu erkennen habe. Dieser Zrrthmn war allgemein herrschend, und wurde sowohl von einer irrigen Natnranschaunng, als auch von einer einseitigen Theologie getragen. Nach Beiden war die Erde dec Mittelpünct der ganzen Weltschöpsung, um dessentwittcn Sonne, Mond und Gestirne bestehen: der Mensch war daS höchste Geschöpf, der Endzweck der Erde, um dessentwillen alle übrigen Erdcnwesen bestehen, und Gott selbst daS große Offenbarnngswerk mit allen seinen Wundern vollbracht habe, welches Letztere durch die Dogmen des Christenthmnes in bekannter Weise zur Selbsthingabe des eigenen göttlichen Wesens erweitert worden ist. Dadurch wurde die Ansicht, die Naturwissenschaft habe daS Zwcckverhältnif; der Dinge zum Menschen zu erforschen und scstzustcllen, geradezu beherrschend und jede Abweichung davon zur Ketzerei gestempelt. Es war daher natürlich, daß, bevor sich noch die Naturwissenschaft selbst von diesem Borurtheile emancipirte, die Philosophie, als sie sich von den Banden der Theologie frei machte, die teleologische Theorie verwarf, ja die ganze Lehre vom Zwecke zu beseitigen und den Zweck zu längnen versuchte. 'Nicht .Eartesius, der in seiner Philosophie den theologischen

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