Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1873)
- Date
- 1873-07-15
- Page
- Seite 476 (sequence 12)
- Language
- German
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476 Ihrer bewunderungswürdigen Reden: man müsse sich nicderwerfen vor Gott, wie Jakob sich niederwarf vor Isaak. Wohl, wir Söhne Jakobö kommen uns nieder zu werfen auch vor dem, der den Isaak fortsetzt auf der Erde, dem Stellvertreter Jesu Christi." „Ah! Das ist wohl wahr, erwiederte der Papst, ich segne wie Isaak. Aber, Gott sei gelobt, der Papst ist nicht blind'' wie Isaak, und der Papst ist nicht mehr krank. Euer Besuch macht mir Vergnügen, ineine Kinder, weil in diesen letzten Zeiten die Israeliten Roms mir Kummer und Schmerz verursachten. Sie leiten alle die schlechten Journale in Rom gegen mich und gegen die Kirche." „Ja, alterheiligster Later, erwiederten die beiden Brüder, viele Israeliten, der revolutionären Bewegung folgend, gleichen in diesem Augenblicke rem Paulus, der mit Wltth auf dem Wege nach Damaskus läuft, um die entstehende Kirche zu verfolgen." „Sie werden vom Pferde fallen, erwiederte der Papst, und fügte zärtlich hinzu: „Beten wir für die armen Israeliten, auf das; sie Theil haben an dem Triumphe der Kirche," und dann begann er das Gebet zu rccitiren, welches die Kirche am Eharfreitage hören läßt." Dies ist cs, was man am 20. Juni vernehmen konnte, wenn man dieser Audienz der AbböS bemann beiwohnte. Es versteht sich, daß hierbei nur der Papst und die beiden Brüder sprechen dursten; was wir hinzugesügt hätten, wenn auch wir zu sprechen gedurft, wollen wir jetzt sagen, nachdem wir den Monde daraus aufmerksam gemacht haben, daß während der ganzen Audienz auch nicht ein Wort gefallen ist, welches die Zärtlichkeit deS Papstes für Frankreich, feine Hoffnungen, die er in dasselbe setzt, und seine Freude über dessen glänzende Zeichen der Rückkehr zum Glauben verrathen hätte. Die Redaetion deS Monde holt hier ans dem eigenen Busen hervor, was weder die Brüter Vemann, noch der Eorresponcent des Monde, noch wir auS dem Munde des Papstes vernommen haben; indes; dieö geht uns gar Nichts an. Dem Papste aber hätten wir gesagt: „Greis, den seine Anhänger „den Stellvertreter Gottes auf Erden" nennen, sieh, wie wenig Tu dies bist! Tenn weder weißt Du, wie Gott, die Wahrheit, noch bist Tu gerecht genug, das sorgfältig zu untersuchen, was Dir Deine Umgebungen weis machen, noch bist Tu gerecht genug, Dich von unwahren Behauptungen zurückzuhalten. Ja, so viel müßtest Tu doch von Deinen stromern selbst wissen, daß cs unter ihnen Biele, Biele, und zwar die befähigtesten giebt, welche gegen die unbedingte Herrschaft der Priester und die weltliche Herrschaft des Papstes sehr eingenommen sind, dagegen stritten und streiten mit all ihrer Kraft, und die cö nun wahrlich! den Paar Inden, die in ström ein Journal zu schreiben verstehen, nicht allein überlasten werden, ihre siegreiche Sache zu vertheidigen und zu führen! Es ist dies eine eben so lächerliche wie unwahre Behauptung, und Du sagst sie einfach nach, wie sie Dir vorgesprochen worden ist." — Alles Uebrige, was der Papst in dieser Audienz gesagt hat, ist irrelevant. Wenn er für uns Juden botet, so thut er dies nur in dem Sinn«, daß wir uns bekehren, und den Triuntph der Kirche herbeiführen sollen. Dies ist ein sehr eigennütziges Gebet von ihm, das uns gar nicht rührt, noch dazu da wir dessen Erfüllung für ein großes Unglück ansehen würden. Hoffnung gegen Hoffnung; er hofft, es werde so, wir hoffen, es werde nicht so. Doch noch Eines. Der Papst sagte: „Man müsse sich vor Gott niederwerfen, wie Jakob vor Isaak, als er ihn segnete." Bon diesem Niederwerfen Jakobs vor Isaak weiß die heilige Schrift Nichts, und im ganzen 27. Capitel des 1. B. Mos. lesen wir keine Silbe davon. Bekanntlich ist der Papst sehe wenig bibelfest, und die Gebrüder Lemann zeigen, daß sie es ebenso wenig sind. Bibeltreu waren sie ja niemals, sonst würden sie sich auch jetzt nicht vor einem sterblichen Menschen niederwerfen. Nun diese beeiden Brüter, mit deren Bekehrung der leicht- und vielgläubige Monde die Bekehrung der Juden tintreten sieht, sind vor Jahren katholisch geworden, und zwar so fanatische Katholiken, daß sie ihre früheren Glaubensgenosten mit Broschüren, Tractätchen und allem möglichen Wurfgeschoß, auch Schmähschriften überschütten, ohne freilich die geringste Wirkung hervorzubringen. Der Fels bewegt sich nicht, wenn er mit kleinen Steinen beworfen, und der Mond lacht nicht einmal, wenn er angebellt wird. Wir würden noch zu ihnen gesagt haben: Es war kein feines und geistreiches Eompliment, daß Ihr den Papst zum Isaak gemacht habt. Tenn so groß an sich dieser Erzvater war, so war er doch, als er Jakob segnete, blind und krank, und nach einem Gerichte Wildpret verlangend. Daß Ihr den Papst in seinem Jrrthume ließet, die ganze römische antiultramontane Presse sei ausschließlich von Juden geleitet, zeigt, daß Ihr nicht eine einzige jüdische Ader mehr in Euch habt, wenn Ihr sie jemals in Euch hattet. Nicht, daß wir es verurtheilen, wenn die römischen Juden auf Seiten des nationalen und aufgeklärten Italien stehen; wir beglückwünschen sie vielmehr dazu. Aber den Wahn, daß die Juden allein die Sache der Nation und Humanität führen, wollen wir nicht, weil dieser Wahn nur ein Mittel der Ultramontanen ist, dem Bolke die gute Sache zu verdächtigen. Die Anspielung auf Paulus habt Ihr wohl nur gemacht, um Euch selbst als reuige Paulusse zu bezeichnen. Dies ist sehr anmaßend von Euch; denn Ihr gleichet diesem immerhin geistreichen und energischen Manne, welcher das geschichtliche Ehristenthum mehr gestiftet hat, als Jesus der Stifter selbst, anch nicht im Entferntesten. Jener war ein origineller Mann, Ihr seid nichts als Nachbeter und Nachschwätzer, wie es deren zahllose giebt. Ter Papst hat Euch daher auch im Stiche gelassen, denn er blieb bei dem Herunterfallen vom Pferde stehen, das er väterlich Lei allen Israeliten zu erleben hofft. Die ganze Audienz hat wohl überhaupt nur den Zweck gehabt, das Publicum zu