Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-08 · Heft 28 (8.7.1873) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 28 (8.7.1873)
Date
1873-07-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/3224737-3226906-3226935--31785-3254722
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Allgemeine ZÄUM des Sttkifflittttf Ein unMtciislhcs Organ filr alles jüdische Interesse. Diese Zcitnna erscheint wöchentlich einmal in 2 vis 2*/2 Bc>cn. Preis Viertel,ädrig I Thlr. In'.-r-'lc werden mit 2 ^tgr. für die Pelirzc.te oder deren Raum berechnet. Alle Butddanclun.qen. Postämter und Zcinnigs-Expeditionen nehmen BcsreUi.ngcn an. Herausgegeben von Rabbiner Di-. Ludwig pljilippfou iit Bonn. Vertag von Bnttingärtttcr'S Bnchhnndtmlg inv'eipzig. (ln rcd.ictioncücn Angelegenheiten wende inan sich m l'r. C. llliilippfon in Pen»: dinsichrlich dee Pe;n.-,s nnr> der .'««eratean üannnnirlttkr's üucklmudlunn,d'eiv;i>,. Iuürnir, welwe bis lloinikrilay ein.,eben, sinke» interiaraussolgen' re» d'iu,inner 'Pcrücksichtigung. 37. Jahrgang. Leipzig, den 8. Juli 1873. J\? 28. Inhalt. Leitende Artikel: Der Syllabus und das Jndenthmn. — Literarischer Woch enb ericht: Bonn. - Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, München, Paseroatk, Glogan, Dransfeld.— Ocstrcichifch n ngari sche Monarchie: Ans Salinen, Lemberg. — Frankreich: Paris, Bordeaux. — Serbien: Belgrad. — America: Newyork. — (5 orr es p endenz: Parma. — Feuilleton: Die rhcinischavcstphälische Lehrcrconfcrcn;. £eileudö CixhU. B o n n, 2. Juli. 8er -Zyllabns und das Äudenthnm. Als die römische Curie den Sytlabns und die Cneyklica proclamirte, als sie das vaticanische Concil znsammenberief, welches die päpstliche Unfehlbarkeit als Dogma sanetioniren, und dadurch auch den Syllabus zum Kirchengesetze und zur CK'wissenspslicht jedes römischen Katholiken erheben sollte, damals wurden die Machthaber in een europäischen Staaten vergebens gewarnt, und zu kräftigen vorbeugenden Handlungen anfgefordert, um dieser ganzen, dem staatlichen wie dem gesammten Culturleben feindlichen Tendenz von vornherein die Spitze abznbrechen. Das; hierzu die Möglichkeit vorhanden gewesen wäre, bewies die Opposition, die, stattlich genug, im vaticamschen Coneite noch dem Unsehlbarkeitsdegma gemacht wurde, und die daher durch Vorbeugungsnliltel zu bestimnien gewesen wäre, sich jenen Knndgebungen zu entziehen. Der aufgeklärtere Dheil der katholischen Kirche und die protestantischen Machthaber beruhigten sich damit, daß alles dies nur theoretisches Spiel sei, mit welchem sich die ihre Macht immer mehr verlierende .Kirche trösten möge — bis auch diese Annahme sich als eine Selbsttäuschung erwies, und die Staaten sich zu einem Kampfe anfgefordert sahen, den sie noch vor fünf Jahren spöttisch belächelt hatten. Cs hat sich hier der durch die Selbstüberschätzung seiner Kraft bewirkte Mangel an Voraussicht, den der Liberalismus schon oft genug erwiesen hat, abermals dargethan, und rächt sich in einem Umfange, den wir jetzt noch nicht zu übersehen vermögen. Diese Befürchtung wacht bereits in der Presse ans; aber sie scheint abermals eine Kassandrasiimme zu sein, welcher kein oder wenig (N'hör geschenkt wird. Um es kurz zu sagen: vor einigen Jahrzehnten hielt man eS für unmöglich, rast zwischen eivilisirten Völkern National kriege entstehen können; wir sind des ^egentheiles in erschreckender Weise belehrt worden. Jetzt noch hält man das Wiedererstehen von Religionskriegen in unserer Zeit für unmöglich, und doch ist cs offenbar, dast wir wenigstens dahin treiben. Wir brauchen unseren Lesern nicht erst zu sagen, dast eine mächtige Partei in Frankreich gegenwärtig dahin strebt, den Syllabus zum Grundgesetze des französischen Staates zu machen. Denen zum Trotz, die so Etwas als zu ungeheuerlich belachen, sind bereits energische Schritte dafür und darin gethan werden. Die Inden und die Protestanten werden ans allen Slaatsämtern, die dem Belieben der Verwaltung unterworfen sind, ausgeschieden; die Civilbegräbnisse werden polizeilichen Mastregeln unterworfen, nur mit dem Gepräge der Verachtung versehen; Wnndererscheinnngen erstehen im ganzen Lande, Wallfahrten werten nach dem gröstten Stile arrangirt; die ganze französische Nation zu einem einzigen kirchlichen Orden vereinigt, und die Mitglieder mit denselben Zeichen unter denselben Formen versehen, welche vor acht Jahrhunderten bei den Kreuzfahrern vorgenemmen wurden; die Organe des Ultramontanismus erheben ihre

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.