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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-01 · Heft 27 (1.7.1873) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 27 (1.7.1873)
Date
1873-07-01
Page
Seite 444 (sequence 13)
Language
German
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Aber cS kam nicht so. Tie beiden Schwestern unseres verewigten Baters bezeugten die lebhafteste Freude, zwei Söhne ihres immer noch betrauerten Bruders bei sich zu sehen, und nicht minder die alte, aber wohl conservirte Großmutter. Diese hatte übrigens zu unserem guten Empfenge viel beigelragen. Tenn sie hatte die Gewohnheit, in Magdeburg nur und immer ihre Enkel in Dessau zu rühmen, und in Desiau ihre Enkel-in Magdeburg als Muster der guten Erziehung vorzustellen. Wie wir wieder nach Hause gekehrt sind, ist meinem Gedächtnisse völlig entschwunden, und ich suche vergebens in meiner Erinnerung einige Anhaltspunkte dafür. Sic muß also leicht unk bequem gewesen sein. Mögen meine freundlichen Leser Ties nicht bedauern; dann wünsche ich ihnen dafür Gelegenheit zu haben, ihre Knaben auch solche Fußreisen machen zu lassen. Es liegt viel Segen darin. Vermischtes. Der Freiherr von Math an weiß aus seinen Reisen in Asien und Aftica überaus viel zu erzählen, und wie er jüngst uns von einem südarabischen Messias unterhielt, so jetzt wieder in einem Feuittctonartikel der „R. fr. Pr." von einem „merkwürdigen Proselyten in Jerusalem". Wir erzählen es ihm in der Kürze nach. — Zu Nordameriea giebt es eine christliche Seele, die sich ..Sovonili day l.aptisis“, d. h. Sieben:en-Tags- Baptisten, nennt, weil sie statt des- Sonntags den Samstag als Ruhetag feiert, am Sonntage aber um so lärmender arbeitet. Diese glauben an die Nahe des tausendjährigen Reiches. Zum Beginne desselben sollen sämmtliche Juden Siebenten-Tags-Naptisten werden, und, mit diesen vereinigt, von Palästina aus die Welt beherrschen. Zu diesem Zweckesiedelte ein Theil der Scctc von America nach Palästina über, um hier eine Eolonie zu gründen, und die Juden zu sich zu bekehren. Die Eolonie gedieh schlecht, die Bekehrung gar nicht. 2m Gegeinhcile „erlebten sie den Schmerz, daß einer der Ihrigen in seinen Religionödiaputationen mit einigen jüdischen Gelehrten einen so mächtigen Eindruck von deren Gegengrünten empfing, daß er — zum Judenthume übertrat." Dieser Mann nahm aber auch zugleich die orientalische Kleidung und Lebensweise an, trägt Turban tind Kaftan, wie die altangesessenen Juden Jerusalems, liest hebräische und arabische Bücher, hat sich eine stattliche Bibliothek angeschasst, da er ein bedeutendes Vermögen besitzt, ein ansehnliches Haus eingerichtet, unv thut viel Gutes. Es versteht sich, daß er von seinen früheren Sectenbrüdern sehr mißachtet - und angcfeindet wird. Freiherr von Maltzan hingegen versichert, daß er in ihm einen sehr vernünftigen Mann gesunden, der mehr aus der Höhe der Eivilisativn stehe, als alle seine früheren Genossen. Nachtrag. London, 16. Juni. Wie angekündigt worden ist, wurden gestern in etwa tausend Kirchen der Hauptstadt Sammlungen zur Unterstützung der hiesigen Hospitäler abgchalten, denen ein geeigneter Gottesdienst vorausging. So weit daS Zusammengehen der verschiedenen Coufessionen in Betracht kommt, war der Erfolg aue-gezeichnet. London kennt über die drei großen christlichen Bekenntnisse hinaus «Protestantismus, römischer und griechischer ttaiholicismns» an fünfundzwanzig verschiedene Eonfessionen, die gestern zum ersten Male in voller Eiumüthigkeit mit einander wirkten. Die Juten mußten ihrer Religion zufolge die „Hospitalsammlung" am Samstag Abend als ihrem Sabbath vorwegnehmen, und zwar mit besonderen Hindernissen, da die israelitische Religion die Berührung von Geld am Sabbath nicht zuläßt. Dieser Uebelstand wurde aus Anregung des Obcrrabbiners Dr. Adler dadurch umgangen, daß Zeichnungen auf Zetteln zur Sammlung kamen. Dieser erzielte Betrag soll alle Erwartungen übertreffen. Weniger war dies in einigen der vielen Kirchen der Fall, von denen man gerade sich viel versprochen harte, z. B. in St. Paulskirche, in der königlichen Capelle zu Whitehall und in der katholischen Prokathedrale zu Kcnsington, wo Erzbischof Maurung predigte, und nur etwa fünfzig L. St. seinen Zuhörern entlockte. Das Resultat der Sammlung wird nach festgesetztem Maßstabe auf alle Spitäler Londons vertheilt. — Die londoner Blätter machen übrigens die Bemerkung, daß die Sauuuluugcn roch kein den Erwartungen entsprechendes Resultat geliefert haben, und daß die Synagoge das einzige Gotteshaus gewesen sei. in welchem sich die Barmherzigkeit wahrhaft bewährt hat. Die ganze Sammlung trug lo.oou L. St. ein, wovon die Synagoge allein 1600 L. St. beitrug, während, in der großen Paulskirche nur 450 gesteuert wurden. Lyon, 2«. Juni. Der hiesige Präfeet Dueros hat das erste eclaraute Beispiel gegeben, daß es mit der Gewissensfreiheit in Frankreich gegenwärtig übel bestellt ist. In einem Dccrete brandmarkt er alle Begräbnisse, die ohne Begleitung der Geistlichen in den drei anerkannten Enlten geschehen, bestimmt, daß sie nur in früher Morgenstunde und unter kennzeichnenden Umständen geschehen dürfen, darüber auch ein besonderes Berzeichniß geführt werden solle. Tb das Teeret Geltung behalten werde, mag zweifelhaft sein, vorerst charakterisirl es das Regime. Obgleich der Präsect den jüdischen Ellltus in Mitleidenschaft zieht, hat cs doch für diesen gar keine Bedeutung, da bekanntlich die Begleitung der Leiche durch sogenannte Geistliche gar kein Erforderniß bei den Juden ist, also nur Sache der Eourtoisie.

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