Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1873)
- Date
- 1873-06-24
- Page
- Seite 422 (sequence 6)
- Language
- German
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422 Namen und Bezeichnungen meist erst eruirt werden mußten. Die sprachlichen Schwierigkeiten sind hier sehr bedeutend, da die Bezeichnungen, wie die Kleidungsstücke selbst, den verschiedenartigsten Bel kern entlehnt sind, ja selbst schon die zweite und dritte Wandelung auf der Zunge der Nationen durchgemacht halten. Man kann daher die große Belesenheit, die tüchtige Sprachkenntniß und die kritische Umsicht des Verfassers, sowie den Fleiß, den er aus seinen Gegenstand verwandte, nur rühmend anerkennen. Eine andere Frage ist freilich, ob es in unserer religiösen, politischen und Sittengeschichte nicht noch viele, der Bearbeitung bedürftige, wichtigere Gegenstände giebt, eenen die löblichen Eigenschaften des Berfasfers gewidmet sein sollten? Ter Verfasser hat dies wohl selbst gefühlt, und er stellt deshalb seinem Werke eine Einleitung voran, in welcher er die Eulturbedeutung der Kleidertrachteu eines Volkes hervorzuheben versucht. Er geht darin aber sicher zu weit. Daß für ein Volk seine Nationaltracht charakteristisch ist, und riese ein Symptom des Lolksgeistes abgiebt, wird Niemand läugnen. Dies aber nun, wie es der Berfasser thut, so weit treiben, in der Kleidung „reu Abdruck und Ausdruck seiner Gedanken- und Gefühlswelt, die Abspiegelung seines inneren Seelenlebens, seines Sinnens und Trachtens" :c. zu.finden, geht doch wohl nicht an. Sich gewissermaßen das ganze Volk aus seiner Tracht rcconstruiren zu wollen, ist ein eiteles Unternehmen. 'Nun liegt darin noch eine gewisie Wahrheit, so lauge mau die ursprüngliche Nationaltracht eines Volkes vor sich hat, und dieses aus jener noch nicht herausgewachsen oder hcrausgeworfen ist. Im gegebenen Falle aber bezeugt der Verfasser selbst, daß die Trachten der Juden in der nachbiblischen Zeit allen möglichen Völkern entlehnt, und aus denselben zusammengewürfelt waren — da hört denn doch alles 'N'ationalcharakteristischc auf, und es bleibt nur das eine Zeugniß übrig, daß die unter den verschiedenen Völkern zerstreueten Juden sich auch beguemlen, deren Kleider anzuuehmcn. In späteren Zeiten wollten viele Völker selbst dies nicht dulden, und verurtheilten die Juden zu besonderen Kleidungsstücken, Farben oder Abzeichen. Bon dieser Seite her ist cS also rem Berfasier nicht gelungen, dem von ihur behandelten Gegenstände eine höhere Bedeutung zu verschaffen. Er giebt dann auch, und dies ist interessanter, eine Sammlung von Sprüchen, um die Anschauung der Talmudisten über die Kleidung erkennbar zu machen.! Freilich ersieht man auch aus diesen, daß viele dieser Sentenzen!aus der Studirstube, nicht auö dem Leben heraus ausgesprochen ' worden sind. — „Hundertnndzwanzigjähriger Doppelcalender der jüdischen und christlichen Zeitrechnung von 5511 bis 50GO und jton 17S1 bis 1900, von llr. Max Simon. Berlin 1873. Wolf Peiser." Ein sehr angemessenes, gut eingerichtetes Büchlein zum praktischen Gebrauche in den Familien, das zu diesem i Zwecke sehr zu empfehlen ist. Die Vergleichung der Daten wird durch .sehr übersichtlich und klar angelegte Tabellen erleichtert, .andere Tabellen zeigen uns den Ersten jedes jüdischen und christlichen Monates in jedem der behandelten 12t» Jahre, üno cr-! leichtern dann wieder die Bestimmung jedes Wochentages. Das .Büchlein des Dr. Simon, eines bewährten praktischen Schul-; manncs, wird gewiß weite Verbreitung sinken. — „Lieder-Reigen,!Schulliererbuch für jüdische Schulen von W. Beit. Zweite ^Auslage. Altona, Verlagsbureau, 1873". Diese Sammlung ,von Liedern verdient die Empfehlung, die ähr Direetor Oi. Katzenstein voranschickt. Tie Lieder sind meist sehr gut für das Verständniß rer Jugend ausgewählt, und leicht singbar. Daß auch einige humoristische mit ausgenommen sind, ist ganz ange-! messen. Schätzbar für manche Lehrer, und zumal für viele 'Schüler, wird die den Liedern vorangeschickle Zusammenstellung .der uothwendigsten „Vorkenntuisse" sein. — r.72* 'ns-. „Hebräisches Vokabularium für jüdische Schulen, nebst einem Anhänge, enthaltene: Leseübnngen in der rabbiuischen Schrift, von Raphael Vendit. Frankfurt am Main, Iaeger, 187 2." Das Werkchen ist als ein recht praktisches zu bezeichnen.. Der .Verfasser beginnt seine Uebersicht mit een Substantivis, die er ^nach den allgemeineren Begriffen, unter die sie gehören, ordnet: der Mensch, die Zustände des Leibes und Geistes, Geschlecht; und Altersstufen, Familie :c. Dann geht er zürn Verbum über, das aber nun, wie es bei demselben ohne Zweifel zweckmäßiger 1 ist, nach grammatikalischen Rücksichten eiugetheilt und ungeordnet Ivird. Recht 'angemessen ist die Beigabe eines Anhanges, in .welchem das Alphabet und Uebungen der rabbinischen Schrift j gegeben werden, letztere theils in Versen aus der heiligen Schrift,!theils in leichten Sätzen aus dem □".n rni« bestehend. 2reitu Licj6u excßtic&teu. 2)eutfct)lmife. raelitische Eultusgemcinden in Preußen versandte Zuschrift von Seiten des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin mit dem Bemerken aufmerksam zu machen, daß es im Jntercsie der Gewisienösreiheit liegt, die erwähnte Zuschrift nicht zu beantworten, da aus derselben hcrvorgeht, daß gegen die vom Herrn Cultusininister eiuznbringenden, die Gewissensfreiheit garantirenden Gesetzentwürfe azitirt werden soll. Ueberlassen wir getrost unserem geehrten Herrn Eultus- Lerlin, im Juni. (Privatmitth.) Hiesige Zeitungen enthalten als bezahltes Inserat: An die Herren Vorsteher der israelitischen Eultusgemeinten. Ter Unterzeichnete Vorstand der israelitischen ReligionSgesellschast zu Wiesbaden erlaubt sich aus eine an sämmtliche is-