Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1873)
- Date
- 1873-06-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Ein iinMtciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Dies- »'c-tung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis -2'/, Pozen. Preis Bicrteliäbrm l Thlr.' Inserate werden mit 2 2igr. für die Petil;cile oder deren rikaum berechnet. 2llle Buchbandlun-rcn, Postämter und Zcitungö > Expeditionen ncv»ien BesteUi'.nzcn an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipplün iit Bonn. Verlag von Bmliiigärtucr's Buchhandlung in Leipzig. In rcdactioncllcn Anqeleaenhciten wende man/ich .m l>r. C. Pliilippso» in B.'nn: binnchllich des BeM^S und der In>eralca» Lauv-.nürlner's ü ml,handlang inLeivziz. Inserate, welche biS vonuer»- laa cin-wden. finden iiidercaraufsolgen» den Kummer Äerücksichligung. 37. Jahrgang. Leipzig,'den 3. Juni i873. J\? 23. Inhalt. Leitende Artikel: Eine geschichtliche Erkenntnis;. II. — Literarischer Wochenbericht: Aus Liiddeutschland. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Schippcnbcil <Ostprens;en), Cöln, Königsberg i. Pr., Tborn. — Oestrcichisch-ungarische Monarchie: Wien, Starennasto (Galizien). — Frankreich: Paris. — Italien: Livorno, Rom. — Rumänien: Ncwuörk. — Rußland: St.-Petcrsbnrg. — Feuilleton: Rabbi Akiba. «Fortsetzung). - Äiteude* (Xttifief. B o n n, 28. Mai. Line geschichtliche LrKeimlriiß. ii. Unsere Frage ist also: welche sind die Ursachen, ans denen die Verschiedenheit, ja die Gegensätzlichkeit des religiösen Geistes in den verschiedenen Zeitaltern, oft dicht nach einander, bisweilen auch neben einander entsteht? Wir haben cs uns als eine geschichtliche Erkenntnis; erwiesen, daß wir diese Ursachen nicht in einzelnen Persönlichkeiten, sondern in einer Gcsainmtrichlnng der Zeit, vorbereitet durch die voranfgcgangene, zu suchen haben, wenn wir auch oft in gewissen hervorragenden Personen den Ausdruck, den Impuls, die Träger dieser Züchtung erkennen. Es wird aber am Zweckmäßigsten sein, zunächst einen Blick auf die religiösen Veränderungen und Umwälzungen zu werfen, welche als die bedeutendsten in der langen Geschichte des Judenthmnes hervortreten. Wir bemerken hier vor Allem, daß die Geschichtsschreibung in der ersten Periode die Veränderungen an die Namen großer Individuen knüpft, wie Moses, David, HiSkia :c., während die zweite Periode, nennen wir sie die talmudifche, ihre Urheber mit Stillschweigen übergeht, 'und dann durch ihre fast tausendjährige Entwickelung eine fortlaufende Reihe von Männern von größe¬ Vcrmischtcs. rer oder geringerer Einwirkung nennt, ohne auf Einen derselben das wesentliche schöpferische Verdienst zu häufen. In den Vordergrund tritt hier die mosaische Epoche, die wir von dem Auszuge aus Aegypten bis in die Zeit nach Iosua rechnen können, und welche die eigentliche Begründung der israelitischen Religion, und die Verpflanzung des StanuneS nach dem kanaanitischcn Lande umfaßt. Tie tiefliegenden Vorbereitungen sind unverkennbar. Wie die Besitzergreifung deS Landes als ein altes Eigenthumsrecht im Volke lebte, so war ja auch der Begriff Gottes in seinen Hanptmomenten schon den Ahnen ansgegangen, und den früheren Geschlechtern, wenn auch mehr in nationaler Beschränkung, verblieben gewesen. Nach den vorkommenden Andeutungen unv nach Dem zu urtheilcn, waS später zu Tage trat, mußte schon in Aegypten im Volke die zwiefache Züchtung vorhanden sein, die eine, sich dem ägyptischen Götzendienste mehr oder weniger hinzngeben, die andere, sich an die Ueberliefernngen der Väter fest und treu anzuschließcn. Zu diesen Ueberliefernngen gehörten auch uiannichsaltige Sitten, die beobachtet wurden, wenn sie auch noch nicht in Gesetzen formulirt waren.*) Tie Muhsale und Schrecken der Knechtschaft, und die schweren Ereignisse in Aegypten, machten das ganze Volk geneigt, seinem großen Führer zu folgen, und seiner Lehre und Gesetzgebung sich zu überlassen. Tie folgende Geschichte zeigt uns nun, daß selbst unter den Augen Mosis eine doppelte *) Siehe hinüber Jahrgang- 1 871: Das vorsinaitische Recht S. 015. y;*6.