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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-05-27 · Heft 22 (27.5.1873) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 22 (27.5.1873)
Date
1873-05-27
Page
Seite 361 (sequence 9)
Language
German
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361 solchen Tadel ausgesprochen haben. — Das Eonsistorium hat beschlossen, daß in dem neu erbauten Tempel der Eantor und seine Adjuncten auf rer in der Mitte des. Tempels errichteten Teba. der Chor und die Orgel neben der heiligen Lade placirt werden sollen. Dasselbe erhöhte die Gehälter rer Lehrer und Lehrerinnen an den Eonsistorialschnlen nach Maßgabe der städtischen. — Herr Alexander Lacard, welcher der Arbeitsschule bereits! 0,000 Francs gespendet hat, beschafft jetzt auch ganz auf seine Kosten die Möbel des zweiten Stockwerkes dieser Anstalt. Großbritannien. London, 17. Mai. Im Unterhause beantragte Mial eine Resolution, welche aus die Abschaffung der Staatökirche in England und Schottland, als einer Verletzung der religiösen Gleichberechtigung, hinzielt. Gladstonc tritt dem Anträge entgegen, und cs erfolgt mit 35«; gegen (»1 Stimmen die Verwerfung. (Bekanntlich theilt England nur noch mit 'Rußland die Ehre, eine „Staatsreligion" zu haben, und zwar befaßt diese in Großbritannien die Minderheit der Bevölkerung. Redact.j Man schreibt der „K. Z." von hier unter dem U. d.: Einer der talentvollsten unserer gelehrten Landsleute, die sich ihren wissenschaftlichen Ruf hier in England begründet haben, Dr. Emmanuel Deutsch, ist gestern in Alexandrien gestorben. Seine Gesundheit hatte ihn vor einiger Zeit bewogen, unsere feuchte Insel mit dem wärmeren Klima Aegyptens zu vertauschen. Erhoffte Genesung zu finden; aber was er fand, war der Tod. (Er verstarb an der rothen Ruhr.) Ein geborener Ostpreuße, *) kam Deutsch hierher, um seine Studien zu vollenden, und erhielt eine Anstellung am britischen Museum, wo seine Dienste von allen Sachverständigen hochgeschätzt wurden. Seine gelehrten Arbeiten waren vorzugsweise auf orientalische Forschungen gerichtet, denen er oft als Mitarbeiter der Saturday Review, auch mit großem Erfolge, ein populäres Gewand gegeben hat. In weite Kreise diesscit und jenseit des EanalS drang sein Name hauptsächlich durch eine glänzend geschriebene Abhandlung über den Talmud, welche er vor einigen Jahren in der Onarterly Review veröffentlichte, und die nicht nur einen mehrfach wiederholten Abdruck der betresseuden Nummer nöthig machte, sondern auch in der deutschen Fassung mehrere Auflagen erlebte.**) Dieser Arbeit folgte in derselben Zeitschrift ein Artikel über den ISlant. Deutsch beabsichtigte, ein großes Werk über den Talmud zu schreiben, zu welchem jene Abhandlung nur die Grundrisse andeutete; wie weit *) Nicht so. Er ist 1S32 zu Neiße geboren. Redact. **) Wir brachten seiner Zeit auch einige Stellen aus dieser Abhandlung. Sie war schön geschrieben, und machte in nichtjüdischen Kreisen guten Eindruck; sie brachte aber für Deutschland nichts Neues, und war auch allzu panegyrisch, mit wissenschaftliche Bedeutung zu haben. Redact. er mit der Ausführung dieses Planes gelangt ist, während die AmtSthätigkeit feine Kräfte in Anspruch nahm, und feine Gesundheit zu wanken begann, wird sein literarischer Nachlaß auSweisen. Die Nachricht von dem frühzeitigen Tode des ManneS, der noch zu so vielen Hoffnungen berechtigte, und dem ein liebenswürdiges Wesen, vereint mit einer seltenen Gabe geistreicher Unterhaltung, viele persönliche Freunde erworben hat, wird nicht nur in gelehrten, sondern auch in weiteren gesellschaftlichen Kreisen, mit lebhaftestem Bedauern vernommen werden. Serbien. Pest, 0. Mai. Man wird sich erinnern, daß wir von dem Falle berichteten, daß ein ungarischer Jude aus Serbien, wo er seit fünf Monaten ansässig gewesen ist. ausgewiesen worden ist. Man schreibt jetzt von Pest aus Folgendes: Mit Befriedigung wurde hier die Versicherung des ossiciöscn „Iedinstwo" ausgenommen, daß der serbische Ministerpräsident Ristics seinen Zweck in Wien erreicht habe; die serbischungarische Freundschaft.wird alsbald ihre Feuerprobe zu bestehen haben, denn ein Zwischenfall bezüglich eines östreichischungarischen Unterthanes in Serbien erregt in Ungarn großes Aussehen. Der östrcichische Unterlhan David Sasson, der seil fünf Monaten in Semendria wohnte, wurde nur aus dem Grunde, weil er ein Jude ist, von dort ausgewiesen. Das betreffende AuswcisungSdeeret lautet, wie folgt: „In Erwägung, daß Herr David Sasson seit fünf Monaten mit seiner Familie in Semendria ansässig ist, und es ihm jedoch nach seiner Angabe unbekannt geblieben ist, daß es den Inden verboten ist, außerhalb der Stadt Belgrad zu wohnen, beschließt die Präfeclur von Semendria auf Grund des Gesetzes vom 1. November 1801 , wonach Israeliten im Inneren Serbiens nicht wohnen dürfen, daß dem genannten Sasson kundzngebcn ist, er habe binnen Monatsfrist ans Semendria auSzuwaudern, und dürfe auch nie wieder dorthin zurück kehren." 'Ihm ist man in Ungarn der Meinung, daß obiges Gesetz blos ans die serbischen Juden Anwendung finden kann, daß aber nach dem Wortlaute und Inhalte der Verträge die östreichisch-ungarischen Unterthanen israelitischen Vekeuulnisses das Recht besitzen, sich überall in Serbien niederzulassen. Unser Generalconsul Kallay wird gegen diese Rechtsverletzung mit Nachdruck auftreten, und Angesichts der guten Beziehungen zwischen Serbien und Ungarn , dürfte die serbische Regierung für eine schleunige Geungthuung Sorge tragen. Man ist um so mehr zu dieser Annahme berechtigt, da die neuesten Maßregeln, welche die ungarische Regierung in Bezug auf die Serben Ungarns getroffen hat, auf ein rückhaltöloses Vertrauen in die freundschaftliche 'Wendung der serbischen Politik schließen lassen. «Auch wir wollen hoffen, obschon wir uns zum Glauben noch nicht bestimmen können. Andr.'ssy legt zu viel Gewicht 22

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