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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-05-27 · Heft 22 (27.5.1873) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 22 (27.5.1873)
Date
1873-05-27
Page
Seite 359 (sequence 7)
Language
German
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359 Juden auch nicht den entferntesten Einfluß darauf haben, sondern auch ihre Stimmführer sich nur mit Achselzucken über den AltkatholiciSmus geäußert haben, der ihnen völlig inconsequeut erscheint. Ter Artikel sagt unter Anderem, daß die ganze celuer Bevölkerung sich von tinO. Juden an der Nase herumführen lasse — es giebt aber deren 30uö in Eöln — und daß die ganze Stadtverordnetenversammlung, mit Ausnahme von zwei Mitgliedern, aus Inden bestehe — es sind aber nur zwei Juden darin. Ties ist ein Pröbchen der frechen Lügen. Man fragt sich, was will das Univers damit? Offenbar kann es auf die Cölner nicht abgesehen sein, denn von diesen kennt Jedermann die Unwahrheit solcher Behauptungen und Angaben, und weiß, daß die Juden gar nicht eine solche Stellung einnchmen, um, wenn sie selbst wollten und sich alle mögliche Mühe gäben, eine derartige Wirkung hervorzubringen. Es leuchtet daher ein. das; das Univers nur daraus ausgeht, ihren französischen und französisch lesenden Abonnenten, wenigstens dem Theile, der nicht mit in die Maschinerie hinein gezogen ist, Saud in die Augen zu streuen. Nun haben — die Wahrheit vor Allem! — das Univers und seine Anhänger nicht gerade direct die Juden hierbei im Auge, sondern sie wollen nur sich dieses Mittelchens bedienen, um den Altkatholicismus zu schwächen, ihn verächtlich zu machen, und zu zeigen, daß er gar nicht aus dem Boden des katholischen Volkes und der katholischen Theologie erwachsen sei. Nun gehen uns die Streitigkeiten der Katholiken gar nichts an, aber wir wünschten doch dabei aus dem Spiele zu bleiben! Wir mischen uns nicht hinein, haben weder Recht noch Veranlassung uns hinelnzrnnischen: warum zieht man unö also bei den Haaren herbei? Jedenfalls zeigen die Ultramontanen hier so recht, daß sie die ganze Religion diplomatisch behandeln, nicht al« eine Sache der Wahrheit und der Gerechtigkeit, sondern des Gewinnes oder Verlustes, zu dessen Erreichung oder Vermeidung jedes Mittel recht, und die Schlauheit am süglichsten anzuwenden ist. Wie weit man schließlich mit solchen Manoeuvres kommen werde, mag die Zeit lehren. Wenn Sie zufällig auf die erste Spalte des ersten Blattes der gestrigen „Eöln. Ztg." einen Vlick geworfen haben, so wird Ihnen ein Inserat des hiesigen Magistrates nicht entgangen sein, und Ihnen eine große Befriedigung bereitet haben. Es ist dies eine Licitation der Arbeiten und Matcrialienlicferung zum Bane eines neuen israelitischen Schulhauses, welches die Stadt auf ihre Kosten erbauen läßt. Bis jetzt wird dies in Preußen wohl kaum an einem ankeren Orte vorgekommen sein, und bezeugt so, daß wir in rer Entwickelung des Rechtes tüchtig voranschreiwn. Daß die Stadt hier die Kosten der israelitischen Schule trägt, wie sie Dies für die katholischen und evangelischen Schulen rhut, folglich auch die Schulhäuser für sie erbaut, ist ja einfaches Recht. Aber wie schwer bestimmen sich die Menschen, gerade Dieses auszuüben. Auch hier hat es einen längeren und harten Kamps gekostet; wir kamen nur schrittweise vorwärts; cs ist ein Miuiaturbild für die Geschichte der Gleichberechtigung in Deutschland. Lassen Sie mich daS ganze Inserat hierhersiellen. „Tie nachbezeichneten Arbeiten und Lieferungen für den Neubau einer israelitischen Schule aus dem Grundstücke Schildergasse 82 sollen vergeben werden. A. Arbeiten: Anschlag: 1) Maurerarbeiten 11!» 1 Thlr. 2) Sieinhauerarbeiteu inclusive Material 3<iS2 Thlr. 3). Zimmerarbeiten 30S Thlr. I) Schmiede- und Eisengußarbeiten inclusive Material 930 Thlr. '.) Klempnerarbeiten inclusive Material 2o3 Thlr. 6) Dachdeckerarbeiteu r>5<> Thlr. U. Lieferungen: 7) Tannen- und Eichenholz 817 Thlr. 8) Füll- und Mauersand GO(i Thlr. 9) Kalt S59 Thlr. 10) Blendsteine, harte Swine und Zählschmokzen 8319 Thlr. Versiegelte Anerbieten mit der Aufschrift „Neubau einer israelitischen Schule betreffend", werden bis zum Freitag den 16. d. Mts., Vormittags io Uhr, auf dem Staatssecretariate entgegen genommen und alsdann eröffnet werden. Der Kostenanschlag, die Pläne und Bedingungen liegen auf dem Stadtbauamte int Nachhause, Zimmer Nr. 29, zur Einsicht offen. Eöln, den 3. Mai 1873. Der Oberbürgermeister, ' Bache nt." Schwerin l Mecklenburg), im Mai. (Privatmillh.) Schon von der Bibel her ist im Judenthume die Verpflegung und Erziehung von Waisenkindern zur strengsten Pflicht gemacht, und diese wohl auch zu allen Zeiten geübt worden. Man kann aber doch wohl mit Recht unserer Zeit das Lob ertheilen, die Waisenpftegc umfaffeud, systematisch und an immer mehreren Orten zum Gegenstände edelster Thätigkeit gemacht zu haben. Es versteht sich, daß die Verhältnisse der Localitätcn auf die Weise, in welcher dieser Zweig der Wohlthätigkeit geübt werde, Einfluß haben müssen. Große Gemeinden werden genug zu thun haben, um die Waisen des Platzes zu versorgen, während in Landschaften, in welchen die Juden nur geringzählig wohnen, eine Vereinigung an einem Orte aus der ganzen Landschaft nothwcndig sein wird. Gerade in' solchen Landschaften drängt sich das Vedürsniß weniger sichtbar aus, weil auch die bedürftigen Waisenkinder nur zerstreut Vorkommen. Da bleibt denn ein solches Bedürfnis; oft ganz unbeachtet, bis irgend ein einsichtsvoller Mann den Anstoß giebt, hierfür thärig zu sein. So entstand auch hier im Jahre 1869 ein israelitischer Waiscnverein, der jetzt seinen zweiten Bericht über den 2., 3. und 1. Jahrgang veröffentlicht hat. Das Vermögen des Vereines hat sich in diesen drei Jahren von 7<» 1 THaler aus 1 187 Thaler angesammeli. Hierzu haben edele christliche Brenschen freunde mehrfach beigetragen. Hervorheben wollen wir, waS der Bericht von Herrn Moritz Wiggers zu Rostock mittheilt. „Tiefer um Gleichberechtignug der Eonfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung so verdienstollc Mann unseres Vaterlandes übersandte uns von einem Fonds, der ihm von den Israeliten Mecklenburgs, in Anerkennung dieser für sie so erfolgreichen

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