Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1873)
- Date
- 1873-05-20
- Page
- Seite 349 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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349 Zewish Worlo entnehmen, stets zu. Veirer ist das Entgegenkommen Seitens der Aeltern ein , so genvgcs, daß auf zahlreiche Circulare, welche an die Gemeinden geratet wurden, um die Evidenz der taubstummen Kinder festzusttcklen, nur von einer Seite eine Erwiederung stattfand. Es scheint, daß die Aeltern solcher unglücklichen Kinder sich förmlich schäme!,, ihnen die Wehlthaten, welche das genannte Institut in so reichem Maße bietet, zu Thcil werden zu lassen. Außer den zahlreichen Wohlthätern des Institutes wurde auch dem Herrn Dr. M. Schönthcil, der erst kürzlich zur Leitung desselben nach London berufen worden war, sowie dessen Gattin, die an der werkthätigen Förderung des Institutes lebhaften Amheil nimmt, der wärmste Dank der Versammlung ausgesprochen. Es ist bernerkenswerth, wie oft selbst unterrichtete und aufgeklärte Schriftsteller, sobald sie einen die Juden betreffenden Gegenstand behandeln, zu den albernsten Vorstellungen gelangen, und diesen in ungründlichster Weise Ausdruck geben. So begegneten wir in Nummer 25 (1872) „Im neuen Reich" einem sonst ganz wackeren Aufsatze „Die Entwickelung des uwdernen Pessimismus", in welchem, nachdem der Verfasser die consequente Ausbildung des Pessimismus bei den Indern besprochen hat, so fortgefahren wird: „Auch das Ehristenthum ist für den conseauenten, schroffen Pessimismus, wie er bei den Indern verkam, kein günstiger Boden. Das Ehristenthum ist zwar weit pessimistischer, als die Religion der Juden, die von ihrem Iehovah in persönlichen, speeiellen Schutz genommen zu sein glauben. Die Juden sehen sich als das privilegirte Volk an, um desien irdisches, materielles Wohlergehen sich der Herr der Heerschaarcn in allen seinen Details zu kümmern habe. Tie Christen dagegen wandten sich von dieser argen Welt ab, in der, nach ihres Meisters Versicherungen, für sie nur Drangsal zu sinden sei." — Es kann wohl nichts Oberflächlicheres und Alberneres, als eine große Weltanschauung, welche seit so langer Zeit einen Theil der Menschheit erfüllt, in einem so kleinlichen und beschränkten Gedanken begründet und abgegränzt anzugeben; eine Weltanschauung. die auf dem ersten Blatte ihres Urkundenbuches bei jedem Schöpsungswerke hinzufügt: „Es war gut", und bcr Voll- % n 8 e Gesucht wird für Irackfoick (England) ein unverheiratheter, tüchtig gebildeter, jüdischer Theologe, der Kindern Religionsunterricht :c. ertheilen und an Sonn- und Feiertagen einen reformirten Gottesdienst einsühren kann. Es wird ein genügender Gehalt gegeben, um die Existenz des Applicanten zu sichern und besonders daraus hingewiesen, daß Bratford ein Feld zur wesentlichen Vergrößerung des Einkommens durch Ertheilung von Privatunterricht in Sprachen oder Wissenschaften bietet. Reflectanten belieben sich unter Angabe von Referenzen und genaueren Details an Herrn C'liarli's ( ahnaim in Bradford (Yorkshire) zu wenden.. endung der Schöpfung: „Es war Alles sehr gut", weil sie eben die ganze Schöpfung aus dem Willen und Gedanken des allweisen Gottes in Ordnung und Gesetzmäßigkeit hervorgehen sah, eine Weltanschauung, welche für den Bestand der Welt sogar die moralische Tüchtigkeit des Menschengeschlechtes verlangte <s. die Geschichte der großen Fluch» und die Menschheit in freier Entwickelung aus kleinem Keime zur allgemeinen Erkenntniß Gottes, und zur allgemeinen Herrschaft des Friedens gelangend ansieht. Dies ist der Optimismus des Iudenthumes, und der deutsche Philosoph hätte sich seines deutschen Gcistks wegen besser unterrichten sollen, wenn er nicht von vorn herein selbst als ein absichtlicher Pessiutist sich verraihen wollte, der alles Große in der Geschichte als klein und geringfügig darzustellen trachtete. Zur Charakteristik galizischer Zustände: eine jüdische Hochzeit vor Gericht. Man schreibt aus Tarnopol, 27. März: Schabse Stern stand gestern vor einem Dreirichtercollegium wegen des Verbrechens des falschen Eides. Isaak Grünspan, ein Privatlehrer, heirathete die Tochter des Angeklagten, und verließ dieselbe bald darauf. Daraus ersloß ein Civilproceß, der mit einem Schwure Sterns endigte. Der Eidam behauptete nämlich, sowohl Kleider für die Braut, als auch den Hochzeitöschmaus aus eigener Tasche bezahlt zu haben, tvelche Aussagen Stern durch einen Schwur bestritt. Grünspan klagte deshalb seinen Schwiegervater wegen falscher Eidesleistung an. Da wurden nochmals alle Hochzeitsscenen in d’ligie vorgehalten. Es erschienen der Kreisrabbiner, ein Greis von achtzig Jahren, von seinen Adjutanten in langen Kaftans vorgesührt, eS kamen die Rabbinatsassistenten, Kahalsdiener, es standen da die Aufwärterinnen und Diener, ja sogar die Schneider, wie die Verkäufer der Hochzeitskleiderftosfe, fehlten nicht. Da ward gefragt und geantwortet, es liefen von dem zahlreichen Auditorium alle Begebenheiten von der Copulirung bis zum Ende der Hochzeit Revue. Alles endigte zu Gunsten des Angeklagten, und Schabse Stern wurde nach einem langen Gerichtsverhöre für nichtschuldig befunden. Der Jubel der Zuhörer, welcher bei Bekanni.verden des Unheiles im Auditorium laut wurde, mag Herrn Schabse Stern einigermaßen für die erlittene Unbill entschädigen. i g e n. Israfiitifcf?cv Lehrer' gesucht. Für Melbourne (Australien« wird ein'israelitischer Borbeter und Religiouslehrer gesucht, welcher der englischen Sprache mächtig. und im Stande ist, einen Ehergesang zu leiten. Ein uuverherrathcter junger Mann wird bevorzugt. Salair Pfund Sterling 2'.,, Fixum nebst guten Nebenverdiensten von miurestens Pfund Sterling lut) und freier Reife nach dort. Oualisicirte Bewerber wellen sich direet unter Beifügung ihrer Zeugnisse an Herrn I. IfaUeiistein in P yrMo N t wenden.