Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1873)
- Date
- 1873-05-06
- Page
- Seite 311 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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311 keine Fonds. Als jedoch der Gegenstand zur Sprache kam, erklärte der Vorstand, daß er vorläufig die Kosten dieses Unterrichtes bestreiten wolle. Dieses „Vorläufig" ist noch nicht eingetreten, da einige Veränderungen in Aussicht stehen. *) Pest, 14. April. (Privatmitth.) Herrn Dr. I. Goldziher, welcher an der hiesigen königlichen Universität die semitischen Sprachen docirt, wurde von dem Herrn Unterrichtsminister der sehr ehrenvolle Auftrag, auf Staatskosten eine wissenschaftliche Reise nach dem Oriente, Arabien und Aegypten zu unternehmen. Wie wir vernehmen, wird Herr Dr. Goldzieher nächsten Herbst die Reise antreten. Laut dem jüngsten Jahresberichte der hiesigen Chebrah Kaddischah betrugen die ordentlichen Einnahmen derselben im Jahre 1872 50233 ft. 37 kr. und die Ausgaben 55330 fl. 33 kr. DaS von der Chebrah Kaddifchah neu erbaute SicchenhauS wird in den nächsten Wochen mit 20 Pfründnern, vierzehn männlichen und sechs weiblichen, bezogen werden. Pest, 20. Apnl. (Privatmitth.) Gelegentlich der gestrigen Bermählnngsfcier der Erzherzogin Gisela verlieh Se. Majestät der König dem in den weitesten Kreisen der Wissenschaft bekannten Herrn Dr. Ignaz Hirschler den Orden der eisernen Krone: unter den wenigen hohen Würdenträgern, Beamten und Professoren der einzige Jude, dem diese wohlverdiente Auszeichnung zu Theil wurde. Mit diesem Orden ist die Erhebung in den Ritterstand verbunden.. (Dr. Hirschler hat sich bekanntlich als langjähriger Präses der hiesigen Cultusgemeindc und als Vorsitzender des ungarisch-israelitischen Eongresscs große Verdienste erworben, und wir erfreuen anrs daher auch unsererseits dieser Auszeichnung des würdigen Mannes. Redaction.) Prag, im April. Wie wir aus den: Hebrew Leader erfahren, hat die- Gemeinde Ansche Chesed in Rewyork den Dr. Kaemps, Prediger am hiesigen Tempel und außerordentlicher Professor an der k. k. Universität, zu ihrem Rabbiner gewählt. (Da der Hebrew Leader den Gewählten zwar mit diesen Aemtern bekleidet ausdrücklich bezeichnet, und eine alte Abhandlung desiclben abdrnckt, ihn aber wiederholt Dr. Isidor Kaempf, statt Saul, nennt, so ist es wohl eine Verwechselung mit einem Sohne des Gedachten. Redaction. Kronstadt (Siebenbürgen), im April. (Privatm.) Das, worüber Sie vor Kurzem einige Bemerkungen machten, ist wirklich zur Ausführung gekommen. Es erscheint hier seit dem 1. März „Ter Siebcnbürger Beobachter, Organ für Handel, Industrie, Gewerbe und religiöse Interessen" (.'! ), welcher hinter den Aufsätzen über Handels- und Bankangclegenheiten, z. B. „AuSkunftstafcl für Handelsleute", sofort einen „religiösen Theil" *) Ist co recht, fragen wir, soweit wir cs;u dcurtheiten vermögen, daß aus diese Weise der wiener Vorstand die Durchführung deo Principeö verhindert, welche, wenn nicht für Wien. doch für zahllose Previnciatgcmcindcn von großer Bedeutung wäre? Redaction. folgen läßt. Glücklicher Weise ist dieser „religiöse. Theil" ein christlicher, wie er sich selbst wiederholt nennt, so daß also, die Religion mit dem Handel zu verbinden, Sache des ciferigen Christen ist. Ein eiferiger Christ muß aber der Redacteur sein, denn er füllte in Nr. I, also in der Probcnummer, seinen sogenannten „religiösen Theil" mit perstden Angriffen auf die unglücklichen rnnläuifchen Juden. In seinen Augen verdienen sie ihr Schicksal, weil sie unwissend und abergläubisch, und dem Chassidismus ergeben seien, was den Verfasser veranlaßt, viel unvcrdauete Speise von Talmud und Chassidismus von sich zu geben. Diese Auslastungen blieben nicht unbeantwortet, indem Dr. C. Lippe, Arzt in Jassy, eine tüchtige Antwort erließ, die dann der „Siebenbürgcr Beobachter" in dem „religiösen Theile" seiner Nummer 6 wiedergab, und mit einer Sauce versah, die den Mann als einen Koch aus der giftigsten Küche des christlichen Judenhasses kennzeichnet. Ich muß gestehen, daß es mir mehr gefallen hätte, der „Siebenbürgcr Beobachter" wäre ganz ohne Antwort geblieben, denn, da jener gerade seine Probenummer damit füllte, ist cS doch offenbar, daß er auf die Juden als Abnehmer feines Blattes fpcculirte. Denn bekanntlich sind die Inden die eigentlichen Käufer von Pamphleten, die gegen sie geschmiedet werden; der Christ kümmert sich nicht viel darum; im Gegcnthcil, die abgeschmackten Lügen über Judcuherrschaft u. s. w. werden ihm nachgerade ekelhaft und lästig. Man gebe also diesem wcrthlosen Blatte nicht Gelegenheit, abermals zu'schimpfen, und die Hauptsache ist, die Juden müssen eS nicht halten — dann wird es schon von selbst verschwinden. Was die rumänischen Jude» betrifft, so brauchte man nur zu fragen: auf welcher Stufe des Wissens und der Aufklärung stehen wohl die rumänischen Christen? Mit Diesen können Jene sich jedenfalls noch messen! Auf unglückliche verfolgte Menschen aber noch loszuschlagen, ist in der That nicht jüdisch — wir müssen es Denen überlassen, welche, wie der „Siebenbürger Beobachter", ihren Eifer für das Christenthum betheuern, und eben so hoch schwören, daß es die Religion der Liebe und der Milde sei! Marienbad lBöhmen', im April. (Privatniitth.) Erlauben Sie, hochgeehrter Herr Reractenr, daß ich Ihnen heute über eine Anstalt berichte, die in weiten Kreisen noch viel zu wenig gekannt ist, und darum auch von Vielen, die ihrer bedürfen, unbenutzt bleibt. Hier an den berühmten Heilquellen von Marienbad wurde vor zwölf Jahren ein israelitisches Hospital gegründet, dessen Zweck cS ist, arme israelitische Leidende, die des Curgenusses in Marienbad bedürftig sind, daselbst aufzunehmen, und - für die Zeit ihres Aufenthaltes daselbst mit Allem zu versorgen, was ein Curgast zur Wiederherstellung seiner geschwächten Gesundheit bedarf. Die Localitäten im ersten Stockwerke sind als Wohnungen für diese armen Cnrgäste so bequem als möglich eingerichtet. Ein eigener Speifefaal, in welchem sämnitliche Gäste gemeinsam daS Mittagsmahl einnehmen, ist mit allen nöthigen Utensilien auf's Sorgfältigste versehen. Viermal täglich werden 19