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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-04-15 · Heft 16 (15.4.1873) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 16 (15.4.1873)
Date
1873-04-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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e w e nt e Ein liWrikWrs Otonii Ur alles jüdilchc Sntafft Diise Zeituna erscheint wöchentlich einmal in 2 vis 2>/r Bozen. Preis BierteUähria l Thlr. Inserate werden mit i Ngr. für die Pctitzeilc oder deren!»anin berechnet.?lUe Buchhandlungen, Postämter und AeitungS. Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In rcdactioncllcn Angelegenheiten rrcmc man ficb :> I'r. 0. Philippson in Bonn: l'insichuicv deS Berugs und der Ine vale a.i 0a»m>iärtner'» Snihhaiidlunz rnr'7:v',ig. Znsrrate, welche dis Freika; ^ingeven. siudcil in der raraufsolgenden 2lu»imcr Berücksthtigung. 37. Jahrgang. ' Leipzig, den iS. April 1873. JV lfi. Inhalt. Leitende Artikel: Idealismus und Realismus im Judeutlmme. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Potsdam, Schirhofcu, Stuttgart, Sstrowo, Aus Würtembcrg. — Ocstrci chiich-u ugarisch e Monarchie: Wien, Krakau, Pest. — R umäuicn: Bukarest. — Rußland: St. - Petersburg, Aus Rußland. — Asien: Bagdad. --Feuilleton: So ist es gekommen. IV. — Vermischtes. ' -Ceileitdo (Xthßef. Bonn, f». April. Idealismus und Realismus im Iudenthnme. Man sagt, die Jugend ist die Zeit der Ideale, aus welche die Enttäuschungen des Lebens folgen. Man beachtet aber nicht, daß das Alter zu den Idealen seiner Jugend zurückkehrt. Wie es vorzugsweise in den Erinnerungen, nicht seiner letzten Jahre, sondern seiner Jugend und Kindheit lebt, so nach den Werken, die es vollbracht hat, nach den Erlebnissen, die an ihm vorübergegangen sind, fragt cs sich auch: Was ist von Dem, was ich in meiner Jugend im Herzen trug, in Erfüllung gegangen, was nicht? und wie verhält sich die Wirklichkeit zu alle Diesem? Immerhin mögen diese Fragen sich im Bewußtsein Vieler nicht also klar und faßlich stellen, vorhanden sind sie, und die oftmaligen Aeußerungen: in meiner Jugend war es anders, war es so und so, bezeugen, daß in diesen alten Geistern die Bilder ihrer früheren Vergangenheit wieder wach und lebendig geworden sind. Der wahrhaft Strebende, der bei irgend welchem erreichten Erfolge nicht sichen bleibt, und der vor Allein nach Klarheit und Verständniß Dessen ringt, was vorgehl und sich vollendet, wird jene Fragen in ganzer Schärfe verfolgen, da er nur hierdurch zu einer richtigen Benrtheilnng seiner Zeit und seiner eigenen Ziele und Leistungen gelangen kann. Freilich kommt cs nur allzu oft vor, daß sich im Alter hieraus eine Unzufriedenheit, eine Verdrießlichkeit, ja eine bittere Vcrnrtheiluug der Vorgänge und des Lebens überhaupt entwickelt. Wie die Jugend die Zukunft idealisirt, so idealisirt nicht selten der Greis rückwärts die Vergangenheit, und in diesem rosigen Lichte seiner Morgenröthe erscheint ihm der Dag und der Abend farblos und fahl. Was bedeutet dies aber anderes, als daß das Ideal niemals ini Geiste des Menschen erlischt, und um so lebendiger wieder hervortritt, je mehr er sich von der bloßen Erscheinung des Tages loslöst. Hierbei ergiebt sich aber Zweifaches: zuerst, daß von dem Ideale Vieles sich nicht zu verwirklichen scheint, weil eben dasselbe weit über die kurze Spanne hinanöreicht, die dem Einzelnen auf Erden gesteckt ist. Und dann, daß sich Nichts verwirklicht, ohne in seinen Bedingungen und Wirkungen Schaden, Nachtheile, Verwickelungen mit sich zu bringen, welche erst weiterhin wieder überwunden werden müssen. Ein Ideal, daS sich niemals verwirklicht, ist Nichts als ein Jrrthmn, und eine Wirklichkeit, in welcher 'Nichts von Ideal enthalten ist, d. h. von. einer Idee, die auf deren Gestaltung gewirkt hat, hat keinen Bestand, hat nur eine kurze Tauer, weil sie nur aus dem zufälligen Zusammenflüsse von Ereignissen entstanden ist. Für jede Persönlichkeit, wie für jede große geschichtliche Erscheinung ist cs daher eine sehr bedeutungsvolle Frage: wie viel des Idealismus, und wie viel des Realismus, war und ist in ihr vorhanden? Denn hier giebt cS eine unendliche Mannichfaltigkeit. Wir haben einerseits Erscheinungen, welche Nichts als Idealismus vor sich tragen, und welche dennoch im Leben selbst den wuchtigsten Realismus annchmen. So trat das Ehristcnthnm als höchster Idealismus auf: die Trennung des Diesseits

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