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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-03-18 · Heft 12 (18.3.1873) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 12 (18.3.1873)
Date
1873-03-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemein e Ein un-artciisches Organ für alles indische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Lndwig pljilippfait in Bonn. Verlag von BttlUiutürtlirr'v Buchhandlung in Leipzig- Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 biZ 2>/. Bogen. Preis Bierteliährig I Thlr. ' Inserate werden mit u Ngr. für die Pctitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung« - Expeditionen nehmen Bestellungen an. In redaktionellen Angelegenheiten wende inan sich -ui ]>r. C. yhilippfon in Bonn; binsichllich de» Bezugs und der In'eratcan Üauuuiärinrr's ünckilianölunind'eiviig. Inserate, wellbe biS /rritag eingchcn, finden in der rarauf'olgenden lNunimer 37. Jahrgang. Leipzig, den 18. März 1873. JSf 12. Inhalt. Leitende Artikel: Jetzt und vordem. — Die Llcilinschriften der Assyrcr und die Juden, tFortsctznug.) — Rechenschaftsbericht des Institutes zur Förderung der iSraeliri'chen Literatur ans seinem Jabre XVII. (lt — l^72.) — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: De utichland: Leipzig. Hannover, Llrowschni. — Ocstrcichisch ungarische Monarchie: Wien, Pest. — Rn mänicn: Bukarest. — Serbien: Belgrad. — A sicn: Lmyrna. — Corr esp o ndenz: Rom. — Feuilleton: Durch Gosen zum Sinai. (Schluß.) — Vermischtes. cCeitcuOo ÖCthfief. Bonn, 12. März. Jetzt und vordem. Es besteht gegenwärtig eine große Verwirrung in den Gemttthern, wie in den Anschauungen. Man hat schon oft gesagt, daß unsere Zeit sich in Gegensätzen umherwerfe. Aber diese Gegensätze sind nur da, weil entgegengesetzte Richtungen und Strebungen im innersten Wesen unserer Zeit im Flusse sind', weil die mannichfaltigsten Ansichten, Motive und Ziele vorwallen, von denen, nicht blos in der öffentlichen Meinung, sondern auch in denselben Individuen, bald diese, bald jene die Obhand gewinnt. Nichts wird gegenwärtig mehr betont, mehr zum Idol gemacht und bis zur Verkehrtheit getrieben, als der Eifer für die Nationalität. Wenn im ungarischen Reichstage gegen eine Schulkarte gedonnert wird, ans welcher Ungarn und Oestreich zugleich gezeichnet sind, und inan die Befürchtung ausspricht, daß durch dergleichen die Begeisterung für die 'Nation „vergiftet" werde, so ist dies nur ein Zug von der Earicatnr, bis zu welcher das edelc Gefühl der Nationalität verzerrt wird. Von der anderen Seite aber wird wieder das allgemeine Menfchenthnm bis auf's Unduldsamste vergöttert. Es soll nichts Besonderes mehr bestehen, keine Eigenthümlichkcit ihr Dasein fristen. Nicht sowohl die Philosophie, die Wisienschaft und Kunst, die ihrer Natur nach allgemeine sind, und bei aller individuellen und nationalen Färbung doch nur ganz allgemeine Objecte haben, nicht sowohl Jndnstric und allgemeine humanitäre Bestrebungen sollen nnterschiedslos für Alle in gleicher Weise bestehen, sondern auch Confession, Sitte, Charakter, Alles, waö zu seinem untersten Boden die Individualität hat, sott aufgegeben werden und in eine große, wesenlose Allgemeinheit verschwimmen. Man wundert sich, daß es noch Christen und Inden, Katholiken und Lutheraner, n. s. w. gicbt, man verachtet, man haßt sie, weil sie sich dem Joche Derer, die Alles nivctliren wollen, nicht unterwerfen wollen. So begegnet man, oft in einer und derselben Person, den entgegengesetzten Forderungen und Richtungen. Und dennoch treffen wir wieder auf Zahllose, welche sich in irgend eine Sackgaffe verloren haben, aus der sie nicht wieder heranskounnen können und wollen; solche, die irgend ein Moment des Lebens zürn ganzen Inhalte ihres Trachtens und Wollens gemacht haben, und Alles verdammen, was außerhalb des Kreises liegt, in den sie gebannt sind. Sie sind Fanatiker; denn es giebt Nichts, was im Menschen nicht den Fanatismus wecken und stärken könnte, was er nicht mit einer ausschließlichen Leidenschaft erfaßt, und jede ausschließliche Leidenschaft ist Fanatismus. Wir haben religiöse und atheistische Fanatiker, politische und secialisiische, reactionäre und demokratische; wir haben sie in jeder Wissenschaft, in jeder Kunst. Aber jeder Fanatiker ist das Gegentheil von hem für das allgemein Menschliche Begeisterten, nur daß, bei der Schwäche des Menschen, auch dieser in feiner Art wieder fanatisch werden kann. Wer sanften Gemüthes ist, wer nach Erkenntniß der Dinge, nach Verftändniß des Lebens, nach Gerechtigkeit, nach Würdigung

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