Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1873)
- Date
- 1873-03-04
- Page
- Seite 163 (sequence 13)
- Language
- German
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163 sofort in sich bekämpfende, und wo möglich ausrottendc Parteiungen spaltet, und eine Ausgleichung, eine Vermittelung, eine Duldung, eine billige Würdigung Dessen, was auch den Anderen an Wahrheit und Recht zngefallen ist. unmöglich macht. Im Juden - thnme erscholl, als Parteien und Seelen in ihm erstanden waren, ein ganz anderes Wort, das da lautete: zn iran z^n z'nVit „Diese wie jene sind Worte des lebendigen Gottes/' Durch Gosen )\m -Sinai. Bon Pros. Ebers. iFortsclznng.) Mose war nicht berechtigt, von den mit ihm ziehenden Massen Besseres zu erwarten. Epod. Ni, 17 heißt cs darum: „Da führte sie Gott nicht auf den Weg nach dem Lande der Philister, welches doch der nächste war, denn Gott gedachte, es möchte das Volk gereuen, wenn sie den Streit vor sich sähen,' und sie möchten zurückkehren trach Aegypten. Und Gott ließ das Volk sich wenden ,vor Etham) ans den Weg nach der Wüste am Schilfmeere; gerüstet aberzogen die Söhne Israels ans dem Lande Aegypten." Ja, gerüstet und voll Hoffnung auf ein schnelles Erreichen und, wenn auch gewaltsames, Ergreifen des gelobten Landes waren sie ansgezogen, hatten sie die, Bielen von ihnen wohlbekannte, Straße nach Palästina betreten, ohne zu ahnen, auf welchen Umwegen, und durch welche harte Schule ein Theil ihrer Kinder, und Wenige von ihnen selbst, das gelobte Land erreichen würden. Die weisen Führer kennten und durften ihnen leinen Einblick in ihren wohlbedachten Plan gewähren; denn hätten die Auswanderer ihn gekannt, sie würden sicher vor der ägyptischen Grän.ze umgekehrt sein, Run führte er sie, das, was da kommen werde, vorausfehend, bis zu den Bastionen, und als sich dort ihre Furcht und ihre Rene, ein gesichertes, wenn auch bedrücktes Leben für Elend und Tod aufgegeben zu haben, ungestüm äußerte, da konnte er ihnen nicht nur nicht entmuthigend, sondern tröstend znrnsen, sie möchten unbesorgt sein, es werde nicht zum Kampfe kommen, der Herr habe ihm einen anderen, gefahrloseren Weg gezeigt, den er sie führen werde, und „Gott ließ das Bolk sich wenden aus den Weg nach der Wüste am Schilsiucere." Mose hatte zunächst ein doppeltes Ziel vor Augen: erstens, daS Bolk mit möglichst geringen Verlusten aus Aegypten heraus zu führen, zweitens es zu diseipliniren, an Ordnung, (Gehorsam und edlere Lebenszwecke zu gewöhnen. Erst wenn er diese Ziele, erreicht hatte, konnte bei seinen Brüdern die reine Lehre von einem einigen und unsichtbaren Gotte die rechte Stätte finden, konnte er sic siegreich nach Palästina zu führen hoffen. Um das rechte Ziel zu erreichen, wählte er den sogleich in's Auge zu fassenden Weg, das zweite konnte nur durch jahrelange Arbeit, nach erfolgter Gesetzgeb,mg errungen werden. Bei Etham ließ Mose das Polk nmkehren, zunächst aus dem schon einmal znrückgelegten Wege; dann betrat er nach drei- bis vierstündiger, gegen Südwester! gerichteter Wanderung eine neue Straße, führte seine Schutzbefohlenen an der nördlichen Spitze der sogenannten Bitterseeen vorbei, zwischen ihnen und dem Gebe! Ahmed Daher hindurch, um sic nach einem langen Eilmarsckw, die Nacht zum Tage machend, beim heutigen Qalchat Agrüd, dem biblischen Pihachiroth, dessen ägyptische Namensform „Schilfwuchs" oder „Grünau" bedeutet, lagern zu lassen. Wie in der Zeit des Aufbruches Freude und Begeisterung, so hatte jetzt die Furcht die Schritte der Wanderer beschleunigt, und die Hoffnung auf baldige Rettung ihnen Kraft gegeben, elf Meilen zu durchmessen, ohne sich eine längere, als die zur Erholung und Erquickung durchaus nothwendige Rast zu gönnen. Unweit der See, an einem Platze, der im Monat Nisan den Menschen frischen Trunk und dem Biehe Nahrung bot, zwischen einem Gränzfort Migdol, das in der Gegend des alten Kambyfu gesucht werden muß, wo sich unter reu römischen Kaisern eine Dnarantaineanstalt für kranke Soldaten befand, und dem von der Atükakette hoch überragten Meere, fanden endlich die ermüdeten Wanderer kurze Ruhe in den den Schlaf beschirmenden Zelten. Das imposante Atükagebirge ist von uns mit Baal Zcphon, vor dem das Bolk lagerte, verglichen worden; denn gerade dieser Felsenberg mußte die, das rothe Meer schon früh befahrenden, Phönizier auffordern, ihn für einen Thron des Baal zu < Hallen, der auf den Spitzen der Berge weilte und verehrt ward. Zcphon ist vielleicht das ägyptische Tep lgricchisch Typhon», doch könnte es noch eher für den mykhelogischcn Namen des Nordwindes bei den Phöniziern „Zaphon" gehalten werden. Haben ans dem Atükagebirgc die Indienfahrer deo Alterthnmes dem Baal Zaphon oder Baal des Nordwindes geopfert, damit er ihre Segel schwelle, rmd sie begünstige bei der einzigen von hier ans möglichen Fahrt, d. i. der Fahrt gegen Süden? Ans dem bezeichneten Wege hatte Mose die Befestigungslinie umgangen, und da sich zwischen den bitteren Seeen und dem roihen Meere, wie die Trümmer, welche dort von uns selbst, wie von srüheren Reisenden, an mehreren Stellen gesunden worden sind, vermnthen lassen, andere Forts befanden, wohl daran gethan, das Bolk in nordwestlicher Richtung von der unbewachten Meeresspitze lagern zu lassen, durch die er es dem Sinai entgegensühren wollte, um es fürs Erste wenigstens von jedem Kampfe mit diseiplinirten Truppen fern zu halten. Er hatte durch seine Führung zu rer Festungslinie hin, und seine Umkehr vor derselben, noch einen anderen, bisher unerwähnt gebliebenen Zweck zu erreichen gesucht, nämlich den, die Acgypter zu täuschen und sie vermnthen zu lassen, er habe sich verirrt, oder doch sein Borhaben, nach Osten dnrchzubrechen, anfgegeben, und irre in der arabischen Wüste umher. Es kennte ja natürlich nicht ansbleiben, daß die (Garnisonen in den Forts von dem Anrücken großer Volkshansen benachrichtigt und alarmirt wurden.