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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-25 · Heft 9 (25.2.1873) · p. Seite 142

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 9 (25.2.1873)
Date
1873-02-25
Page
Seite 142 (sequence 8)
Language
German
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142 ehemaligen hiesigen StadtratheS Meyer Calm zur ewigen stiuhe, und legte durch die große Theilnahme Zengniß ab von der Liebe und hohen Achtung für den Verklärten, die derselbe durch die Ehrenhaftigkeit seines Charakters, durch seine Thätigkeit und seine Serke, in seinen vermiedenen Lebensstellungen sich;n verschaffen gewußt hatte. Fromm, und sehr mildthärig, und mit tiefem, wahrem, religiösem Sinne an dem (Glauben seiner Väter hängend, war er unablässig bemüht, denselben durch einen'würdigen, zeitgemäßen Gottesdienst zu beben. Er verschaffte der Gemeinde die staatliche Anerkennung, ordnete deren Haushalt, erbaute den Tempel, berief den jetzt noch fungirendeu, alten ehrwürdigen Geistlichen, organisirtc die Schule und daS Krankenwesen während der Zeit seines viernndzwanzigjährigen BorsteheramieS. Als kaS Vertrauen seiner Mitbürger ihn in kaS Statlverordnetencollegium, und von da in das des Magistrates als Stadtrath berief, erfüllte er mit freudiger Hingabe die Pflicht seines Berufes. Seine aufopfernde Thätigkeit bei der Gründung unseres früheren städtischen Krankenhauses, für welches er als Eafsirer den Fonds sowohl hier, als auch auswärts, zu sammeln und zu vermehren suchte, ist noch in Aller Getächtuiß. Sein Andenken.wird unter unS zum Segen bleiben. Oeftreichisch-uttsiarische Monarchie. Wien, 1". »Februar. iPrivalmitth.l Bor einigen Tagen starb hier der in weiten Kreisen bekannte Schriftsteller, Herr M. E. Stern, Herausgeber der „Kechbe Iizckak", nach kurzem Krankenlager. Ich will hier kein Uitheil über seine literarischen Leistungen abgeben, aber gewiß ist sein Ted ein bedeutender Berlust für die Pflege der hebräischen Sprache. Hervorgchoben muß jedoch werden, daß er ein ehrenhafter Charakter war, und trotzdem er „den Kampf ums Dasein" zu führen hatte, so suchte er doch stelS zu leben. — Die Rede, welche jüngst der Abgeordnete LaSker hielt, machte hier, wo wir an ähnlichen Leiden laboriren, großes Aufsehen. Sie war im vollen Sinne des Wortes ein car; ai~p. Bor einigen Tagen starb hier die Kaiserin Karolina Augnsta, Gemahlin deS Kaisers Franz. Sie war Crzkatholikin, sie war feindlich gegen den Protestantismus, tolerant aber gegen das Indenlhnm. Die hier erscheinende „Deutsche Zeitung" erzählt von. ihr felgende Anekdote: Bor einigen Jahren predigte hier der bekannte Abbe Bauer, und suchte speciell unter den Juden Proselyten zu machen. Die Kaiserin ließ ihn zu sich kommen, und bemerkte ihm, daß eS nicht nethig sei, gegen die Juden zu predigen, da diese keine Proselytenmacherei treiben, und entließ ihn ziemlich ungnädig. Am anderen Tage sendete sie ihm ein Geschenk, und zwar ein Buck, nämlich einen Siddur. Auf demselben stand: l.'Impöratriee Caroline Aneuste ä TAbbe Hauer. An den hiesigen Connnunalschulen sind einige israelitische Mädchen als Lehrerinnen angeftellt. In letzter Zeit wurde von Seite der Klerikalen wiederholt der Bersuch gemacht, dieselben zu verdächtigen. Es wurden hierauf Untersuchungen gepflogen, und dieselben ergaben, daß diese Lehrerinnen geradezu zur Zierte des Lehrcrstandes gereichen. Wien, 13. Februar. lPrivatmitth.1 In derselben Stunde, in welcher in Leipzig die Beerdigung des Orientalisten Profesiev Dr. Julius Fürst stattfand, wurde auch hier ein Mann zur letzten Ruhestätte geleitet, der, wenn er auch dem Ersteren an wissenschaftlichem Geiste und -dauernden Arbeiten nicht gleichkommt, doch an Fleiß, Eifer, unermüdlicher Emsigkeit ans dem Gebiete der hebräischen Literatur sich größere Verdienste erwarb, als gewöhnlich anerkannt wurde und wird. Herr M. E. Stern war es. der Herausgeber der pns' ■•2212, der Ueberfetzer so vieler älteren hebräischen Schriften, der Editor mannichfaltiger nützlicher Bücher, Verfasser hebräischer Gedichte und — zum eigenen Schaden — auch deutscher Verse. Er war ein Ehrenmann durch und durch, und sein großer Fleiß schasste dennoch kaum das Brot für sich und einige Verwandte — verhciralhet war er nicht — so undankbar ist der Beruf eines Hebraisten. — So eben wird der „Rechnungsausweis des Vereines wiener Beth-Hamidrasch für daS Jahr 1872" ausgegebcn. Das Vorwort rühmt in warmen Worten die Theilnahme, welche' dieser wissenschaftliche Verein im verflosicnen Jahre wachsend gefunden hat, wie sich dies in bedeutenden Geschenken und Zuwendungen doeumenlirt hat. Wir heben hervor: Der sehr werthvolle literarische Nachlaß des verewigten Professor S. Pinsker, jenes berühmten Forschers, dessen Werke auf dem Gebiete der karäischen Literatur und der hebräischen Sprache zur Zeit ihres Erscheinens Epoche machten, sind von dessen Sohne, dem Herrn Dr. P i n sker in Odessa, unserer Vereinsbibliothek als Eigenlhnm übergeben, und dadurch der gelehrten Welt zugänglich gemacht worden. Es wird unsere Aufgabe sein, diese literarischen Schätze durch Männer von Fach und Berns im Intercffe der 'Wissenschaft atlmälig verwerthen zu lassen. Das Vereinsvermögen ist 1872 auf den Nominalwerth von Effecten auf 21,25" fl., baar "825 fl. gestiegen, die Einnahmen für den laufenden Bedarf waren 3"43 fl., wovon 375 fl. in Cassa blieb. Dies Beth-Hamidrasch, in welchem wissenschaftliche Vorträge, auch solche für das größere Publicum, ans dem Gebiete der jüdischen Theologie gehalten werten, und eine Bibliothek angesammelt wird, wird dauernd bestehen, und hoffentlich cs niemals an Männern fehlen, die sick derselben kräftigst annehmcn werden. Aber zu der Frage fühlt man sich doch veranlaßt: wo bleibt die jüdisch-theologische Facultät, welche das östreichische CnltuSministerinm bereits seit so langer Zeit projectirt, Gutachten über Gutachten eingeholt, eine Position dafür in den Etat ausgenommen hat, und die nun, wie eine Nebelwolke, wieder verschwunden ist? Immer wieder das alte Lied von der östreichischen Landwehr. LtNZ (an der Donau), im Februar. iPrivatmitth.t Ausden größeren Gemeinden dringt in die mittleren immer mehr die

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