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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-29 · Heft 5 (29.1.1873) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 5 (29.1.1873)
Date
1873-01-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Ei» »«pintciischts Organ sür alles jüdische Interesse. Diese Aeitunr erscheint wöchentlich > einmal in 1 bis . Utoicn. Preis Sicrteliähri.q 1 Td-'r.' Juicralc nvrrcii j mit ■’ '.»gr. für die Pelil^cllc clor rcveit 1 »laum berechnet. Ä'.le ihiCbL'ar.tluii^cu, Postämter unt Zeiumzs' Expecitienen! nehmen Besrekiinzen an. H c x a u ö i)c g eben von :)iat'biuev Dr Ludwin Wlippsütt in Bonn. Verlag von Baumgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. reeactionellen AnsicleAenhcilen wenie man sich an I>r. i‘. Philippsan in Beim; t'insichllich dcS Be;ugS imv der In'cralc an üaumgärtner's Ouchtiauotung in Leipzig. Inserate, welche biS.So»«- ■ abend ein.qehen. finden in der darauf-; folgenden Nummer Berücksichtigung. 37. Jahrgang. Leipzig, den 29. Januar 1873. JV?5* Inhalt. Leitende Artikel: Die öffentliche Slleinung nnd^die Juden.'Il — Die israelitische Bibclanstatt. — Zer'tnngsnschrichten: Deutschland: Berlin, Osterspai (Nassau). — Oestreichii'ch-ungarisch e Monarchie: Aus dem Tolajcrgcbirgc. EpericS. — Frank - reich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Schwei;: La Cbaux-de- Fonds. — Italien: Nom.— Rllmänien: Bllkarest. — Ruffland: St. Petersburg. — America: Cincinnati. — Feuilleton: Durch Gosen zum Sinai. — Marrancn in Nordfrautreich. — Vermischtes.— Na ch trag: Leipzig. <£ei teilte 6Lt tifief. Bonn, 22. Januar. Bie öffentliche Meinung und die Ärrden. II. Aus drei Puncteu suchte man die sich immer günstiger gestaltende öffentliche Meinung zu behindern, und wo möglich wieder in ras Gegenthcil zu verwandeln. Man wiederholte ohne Unterlaß erstens, daß die Juden ein verachtenswenhcs, an Sitte und Charakter verkehrtes, der Eultur bares und unfähiges Geschlecht, zweitens daß sie ein fremder Stamm seien, der sich der Nation niemals amalgamiren könne, sondern ihr fremdartig und feindselig gegenüber stehe, und drittens, daß durch eine Gleichberechtigung derselben der Staat entchrrstlicht werde. Diese drei Anschuldigungen zu entwaffnen, mußten immer und immer wieder die nöthigen Anstrengungen gemacht werden. Das erste Moment konnte nachdrücklich nur durch factische Beweise widerlegt werden, und diese blieben glücklicher Weise nicht aus. Die Eulturbewegung und die Erfolge derselben innerhalb der jüdischen Maste gingen mit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit voran. Nicht allein erstanden bald auf allen Gebieten der Wissenschaft, der Kunst und der Industrie Männer, welche den bedeutendsten Ansprüchen genügten, sondern die ganze Maste erhob sich auf das Niveau der Gesittung, und streifte an Sprache und der ganzen äußeren Erscheinung die wesenlichen unterscheidenden Merkmale ab. In sittlicher Beziehung mußte man sogar, auf die Erfahrung und die Statistik gestützt, der jüdischen Maste gewisse Vorzüge zugestehen, von denen man nur wünschen konnte, daß sie sich in ihr erhalten mögen. Auch in Beziehung auf den zweiten Punct konnte man sich den Ergebnissen nicht entziehen, welche sich überall herausstellten, wo und sobald man den Inden die dazu nöthige Freiheit gestattete, wo und sobald ihnen der Zutritt zu dem nationalen und staatlichen Leben gewährt wurde. Die Juden nahmen die Staatsgesetze mit Bereitwilligkeit an, sie wikersetzten sich niemals, weder offen, noch in's Geheim , den Veränderungen, die ihnen dadurch geschaffen, den Lasten, die ihnen dadurch auferlegt wurden — selbstverständlich mit rer Voraussetzung, daß ihnen auch die daraus entspringenden Rechte nicht vorenthalten würden. Sie nahmen den innigsten Antheil an den Leiden und Freuden, an den Kämpfen, Niederlagen oder Siegen der verschiedenen Nationen, und der religiöse Zusammenhang, und selbst die gleiche Abstammung, gab ihnen kein Motiv, um nicht in den Kämpfen der Staaten, welchen sie angehörten, auf Seiten Dessen mit zustreiten, welchem sie lebendige Glieder geworden waren. Sie zeigten sich überall in hervorragcnden Individuen geschickt und geneigt, öffentliche Aemter zu übernehmen, und in Staat und Ecnimunc die Pflichten zu erfüllen, die ihnen auferlegt wurden. Die Volksvertretung und die örtlichen Rathsversammluugen zählten bald jüdische Mitglieder, die nicht zu den nnsähigsten gehörten. Die militärische Tüchtigkeit wurde wiederholt anerkannt. So brauchte man kaum zu der Nachsicht seine Zuflucht zu nehmen, welche H billiger Beurcheiler aus der Bedrückung und Ausschließung ziehen mußte, denen die Juden anderthalb Jahrtausende unterworfen waren,

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