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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-22 · Heft 4 (22.1.1873) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 4 (22.1.1873)
Date
1873-01-22
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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befreit getreten. Professor Dr. G. Wolf Versal) mehrere Jahre hindurch die Seelsorge bei den jüdischen Sträflingen in der Strasaustalt zu Stein, legte dieses Amt jedoch vor zwei Jahren in Folge von Ueberbürdung mit Geschäften nieder. Die Sträflinge mm, die der an den Tag gelegten Fürsorge des Dr. Wolf ein dankbares Anrenken bewahrten, sparten eine Summe von sl. zusammen und bildeten damit eine Dr. Wolf-Stistung, deren Interessen austretende israelitische Sträflinge in Stein erhalten sollen. Die Borstandsmitglieder der wiener israelitischen Euluisgemeinde, denen im amtlichen Wege von dieser Stiftung Miuheilung gemacht wurde, spendeten zur Erweiterung derselben noch-den Betrag von 2l<> sl., mit damit der wackeren Handlungsweise der Sträflinge ein Zeichen der Anerkennung zu geben. Krakau, im Januar. (Privatmiich.) Der „Verein zur Unterstützung armer jüdischer Knaben", welcher seit sechs Fahren hier besteht, und seine Zöglinge sowohl bei Handwerkern in die d'ehre bringt, als auch von dazu angestetlten Vehrern unterrichten läßt, hat seinen Jahresbericht über IST2 veröffentlicht. Seine Einnahmen beliefen sich ans l!<>7 Gulden öst. 3s?., seine Ausgaben aus 13M0 Gulden. Der noch sehr schwache Fonds besteht in ‘.»2S Gulden. Die Zahl der gegenwärtigen Zöglinge beträgt dreißig, welche die verschiedenartigsten Handwerke erlernen. Der Verein bedarf keiner Empfehlung. Wir heben aus dem Berichte nur folgende Stelle hervor: „Auster denjenigen Zöglingen, welche sich gegenwärtig unter seiner Dbhut befinden, sind es schon dreißig, welche durch dessen Hülfe bereits ihre Selbstständigkeit erlangten, worunter Einige sich befinden, die noch im Jahre lSC.ll buchstäblich zu betteln bemüßigt waren, und jetzt bereits zehn bis zwölf Gulden ö. 21'. wöchentlich verdienen. Der Prosession nach sind dieselben: Kachclöfencrzcuger Posamentierer . 2 Buchdrucker . . Bäcker. . .. Müller . . . 2 Gelbgießer . . Klempner. . . :i Goldarbeiter. . 2 Drechsler. . . Mützenmacher . Kürschner. . . 2 Uhrmacher . . Schuster . . Handlnngseommis 2 Schneider. . . Tapezierer.1 Sind solche Resultate einerseits geeignet den Vorstand zu unermüdlichem Fortschreiten ans der betretenen Bahn anzuspornen, so kann sich derselbe andererseits nicht verhehlen, daß der Verein noch lange nicht jene Vollkommenheit erlangt hat, welche seinen dauernden Bestand für die Zukunft begründen würde, denn nicht nur, daß es ihm an genügenden Fonds, die seine Unabhängigkeit zu sichern im Stande wären, mangelt, sondern er entbehrt noch bis zur Stunde eines durch die sechsjährige Erfahrung sich als dringend nothweudig herausgestellten locales, in welchem selche Kinder, die bei ihren Meistern, ihrer beschränkten Realität halber, keine Lagerstätte haben können, oder überhaupt diejenigen, welche von ihren Meistern wegen eingetretener Unzukömmlichkeiten abgegangen sind, Unterkunft finden könnten. Was aler am Aiederschlagendsten auf ihn wirkt, ist, daß eS ihm überhaupt an den nölhigen Mitteln gebricht, die an ihn von Seite der biesigen armen Bevölkerung gestellten Ansprüche nur halbwegs befriedigen zu können, denn zu seiner größten 'Betrübnist war derselbe in dem eben abgelaufenen BerwaltungSjahre bemüstigt, einige zwanzig 'Bittsteller ztirückzuweisen, ohne stch mit dem Gedanken trösten zu können, daß dieselben anderseitige Hülfe finden werden. In Erwägung aller dieser Momente, sieht sich der Vorstand veranlaßt, an die geehrten Mitglieder die dringendste Bitte zu richten: Helfet uns das schwere Werk durch AiNverbung von neuen Mitgliedern, und Zuführung sonstiger Einnahmequellen, sortzuführen." Italien. Aus Dberitalien, :U. Decbr. «Privatminh.» Mischehen kommen bei uns wohl nach Einführung der Eivilehe vor, allein großentheils in den größeren Städten, und auch da jetzt nicht so häufig, als in der ersten Zeit. Jüngst hat in Turin eine selche stattgesunden, welche, bei aller Schlaffheit der Handlungsweise, doch ans eine feste Auhäiiglickikeit au die Prineipien schließen läßt. Der Mann gehört einer der angesehensten jütischen Familien an, und stand schon seit längerer Zeit in innigem Verhältnisse zu seiner Frau, die, der katholischen Eonsession angehörend, von dem Betriebe in einem ^aden ihre Ernährnng zog. Unmittelbar nach dem Eheschlusse erfolgte die ^egilimirrnig von drei Knaben lvon denen der älteste bereits acht Fahre alt ist', welche dem Paare angehören und, dem Willen des 'Vaters gemäß, zuvor in den abrahamitischen 'Bund und in's Indenthnm aufgenommeu wurden. Es fehlt aber auch übrigens nicht an Fällen, in denen der weibliche israelitische Dheil eine große 'Anhänglichkeit an nuferen Glauben an den Tag legt, indem festgesetzt wird, daß sämmtliche in der Ehe gezeugten Kinder unserer Religion angehören sollen. Rumänir». Bukarest, S. Januar. Ter Senat hat sich der jttdenseindlichen Tendenz der Deputirtenkammer angeschlossen. Der Bericht darüber lautet: „Im Senate wogte wieder einmal die Debatte über das von der Abgeordnetenkammer bereits votirte Gesetz betreffs des Avancements im Heere. Der Artikel t, dessen Fassung keinen Unterschied zwischen Ehristen und Juden macht, und den Soldaten beider Eoufessiencn das Avancement bis znm Unterossiciersgrade nach sechsmonatlicher Dienstzeit gestattet, war schon in der Kammer beanstandet worden. (Ich habe Ihnen darüber berichtet., Auch im Senate lehnte stch das Nationalbewußlsein des Herrn Deslin gegen den Artikel auf. Der Kriegsminister entgegnete I

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