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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-15 · Heft 3 (15.1.1873) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 3 (15.1.1873)
Date
1873-01-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine mm Ein iliiMtciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung crftK'im wesentlich einmal in i bis J* . Boqcn. i?rct3 Vicrlcliädrig J Thlr. llnicvatc werten mit 2 Vloiv. fiir die 1?eril;cile oder rercn rikamn berechne». 21 Ue 2<ilchl>aiidlunncn. Postänilcr und Zcuungs -- (rxveditieneil nehmen rttesrellungetl an. Herausgegeben von Stabbiner Dr. Qldwig Philippstlll in Bonn. Verlag von Blmnigärtncr's Biulilianiilmig in Leipzig. 3n vfb.nlicnfflcu?lngelc>icnhcilcn wente man sich au l»r. (.*. Pliilipvso» in Beim: l'insichllich dee» und der ^N'evalean t>auinuiirl»rr's »JurtilinitMuiig in vfcivüfl. 3nffrntr, welche diö Zonnalitiid eingchen. finden in der taraussolgenden 'Jhmimcv Bcrücksichlignng. 37. Jahrgang. Leipzig, den 15,. 3amiav 1S7:>. :r. : Die effoutlicfjc Mciinuig und die Anden. I. Literarischer ÄSochcn b crich t: ^r-Beeskeret, Bonn, ntschtand: Berlin, Bonn. OMaHsub, Bo in Rheine, Fürll,, Ano der Provin; Posen. Oestrcichisch Pest. Rolland: Amsterdam. — Lwwci;: Auo der Bsesi'ckwei;. - Rumänien: Busarest -- Ruft Kleine Berliner Briese. V. — Die llvtheile der Römer über andere Böller. BermischteS. 3ul)rtlf. Leitende Artikel — Zeitungsnachrichten: u n g arische Bl o n a r ch i laiid: Pelere-durg. Feuilleton: ■ÄiltMi^o Cttlihel. Berlin, S. Januar. Die öffentliche -Meinung und Ik Ill-en. I. Die össentliche Meinung! Was ist das? Unsere Zeit ist geneigt, ihr eine große Bedeutung znzugestehen. Man erklärt sie für die sechste Großmacht; mau glaubt, daß vor ihr die höchste Alachi sich beugen müsse, daß an ihr die starrsten Gewalten zerschellen. Dem sorgsälligen Beobachter kann es nicht entgehen, daß es eine össeulliche Meinung zu allen Zeilen ge geben hat, und daß sie immer mächtig war. Zwang sie doch schon AHaren, dem Bolle ein Götzenbild zu formen, an welchem cs seine kindische Freude habe, und die Helten von Rom, für „Brod und Spiele", für Tempel und Theater, mehr zu sorgen, als für das Wohl und den Bestand des Staates. Allerdings athmete sie zu manchen Zeiten äußerst schwach, und gab kaum ein Lebenszeichen von sich. Tenn zu einer öffentlichen Meinung, ihrer Erzeugung mit ihrer Kundgebung, gehört vor Allem ein öffentliches Leben, und Dies ist nicht immer dagewesen. Je mehr sich dieses auf kleine Kreise beschränkt, sich in ihnen coneentrirt, desto schwächer und beschränkter muß auch die össeulliche Meinung sein. Gerade deshalb leuchtet eS aber auch ein, wie dieselbe in neuerer und neuester Zeit wachsen und anschwellen mußte. In einer Epoche, wo es keine Universalherrschast giebt, ein jedes Bolk als ein selbstständiges Glied rer großen Bölkerfamilie Sitz und Stimme hat, wo t-ic Böller Meinung, Unheil und Entschluß nicht mehr den Fürsten und i-hren Rächen, oder einer kleinen Anzahl Aristokraten allein überlassen, wo vielmehr eine allgemein verbreitete Bildung jeden Einzelnen befähigt und ansfordert, sich eine Meinung über die öffentlichen Angelegenheiten zu bilden und, so weit es an ihm ist, geltend zu machen - in einer Epoche, wo die Eonmmnicalion, der Briefwechsel, die Presse, einen nie dagewesenen Umsang, eine nie geahnte Berbreitimg gewonnen haben, da ist daS össeulliche Leben zu einer außerordentlichen Höhe und Kraft gelaugt, und darum die öffentliche Meinung zu einer Mächtigkeit, wie nie zuvor. Man fragt sich deshalb nm so nachdrücklicher: was ist sie? was hat sie zu bedeuten? Bon zweien, ihr ähnlichen und doch sehr verschiedenen Dingen müssen wir sie unterscheiden. Zuerst von jeder Parteiansichl, von allen Parleigrundsävcn und Parteizielen. Eine jede Partei beruht aus Ansichten, die eben den Inhalt dieses besonderen Körpers ansmachen, ans der Geschichte desselben hcrvorgingen, und von seinen Sonderinteressen beherrscht werden. Eine jede Partei spivt und schärst ihre Meinungen zu einem Extreme aus, und will sie mit mehr oder weniger Gewalt über die ganze Masse zur Herrschaft bringen; sie bekämpft jede ihr entgcgenstehenre Meinung, jedes ihr widersprechende Interesse, mit der höchsten Anstrengung, und wenn es darauf ankommt, schonungslos. also ist es um die össeulliche Meinung. — Andererseits dürfen wir diese nicht mit der Tagesmeinung, .mit der schnell wechselnreu Ansicht über ein Ereignis; des Tages, über eine augenblicklicke Sitnation verwechseln. Wie oft stellt sich die

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