Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1873)
- Date
- 1873-01-08
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
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28 vermögen die Gesetzgebung mir die Rechtspflege dagegen einznschreilen, sie hinten rer Wirtlichkeit nur nach, und treffen höchstens eine kleine Zahl, und zwar meisthin der kleinen schuldigen. Wir glauben, käst man auch in Berlin bereits an dem Berfchwinden tiefer traurigen Erscheinung steht; vorläufig gewahrt man noch überall ihre folgen. Der Lholeraaufstand in Ungarn im 3nl)rc 1831. Aa.b „Föv. pap." schrecklich war die Kunde von der Cholera im Jahre 1 b31, sie wurde noch schrecklicher gemacht durch die Anstalten, welche insbesondere die Stände des zempliner Cemilates zum Empfange des gefürchteten Gastes trafen. Ta verbreitete sich plötzlich unter dem Belke das Gerücht, in den Reslauralienseongregationen hätten die Herren beschlossen, durch das Hineinwerfen von Wismulh und Ehlorkalk in die Brunnen das Bolk zu vergiften, und die Juten spielten mit dem Adel unter einer Decke. Also eine neue Brunnenvergistung! Um die Mitte des Monats Juli sing die Eholera in größerem Maste sich zu verbreiten, und Anfang August einen höheren Grad von Intensität zu erreichen an, und da die neue Leuche natürlich unter der zahlreichen Landbevölkerung mehr Opfer forderte, als unter dem Adel und den Juden, so steigerte sich dadurch noch mehr der Verdarbt beim Bolle, daß man es vergiften wollte, und sühne zum Ausbruche von Gcwallthätigkeiten. Die slavischen Bewohner von Terebes hielten Bolksversammlungen ab und beschlossen, die Herren und die Inden, als die Brunnenvergifter, auszurolten. In einem Torfe sing man den Eommissar Lörinefi und nölhigre ihn, den Ehlorkalk, den er in einem Läckchen auf der Magengegend bei sich trug, zu verschlingen. Er stellte den Bauern vor, daS sei ein Schutz.- mittel, und nicht zum Einuehmen bestimmt. 'Dum warfen sie den mit Brot vermengten Ehlorkalk den Hunden und Katzen vor, und als diese davon erepirten, prügelten sie den Eommissar durch, um ihn zu dem Geständnisse zu bringen, daß er von den Herren gedungen wurde, das Bolk zu vergiften, und obwohl er auch unter den Misthaudlnngen dies läugnete, brachten sie ihm doch auf, er habe gestanden, wie denn auch einigen Juden durch Mißhandlungen wirklich daö Geständnist erpreßt wurde. Am X August erschienen vor dem herrschaftlichen Castell in Terebes an zweitausend bewaffnete Bauern ans dem Orte und der Umgegend, und schlugen großen Lärm. Ter Husarenoberlicutenant Abrahümi, der zum Glück slovakisch wußte und mit zwölf Mann im Orte lag, fragte sie, was ste wollten. „Tie Herren und die Juden todtschlagcn, die nnS vergiften!" lautete die" Antwort. „Thut das nicht — sagte ihnen der Obcrkieulenanl —; wenn sie schuldig sind, wird die Obrigkeit Lträfe über |ie verhängen; bringt mir die Bertächligen, ich werde sie in Verwahrung nehmen." Tie Besonneneren billigten den Rath des Offiriers, allein die wüthenre Menge erstürmte die Wohnungen der herrschaftlichen Beamten und der Juden, prügelte die Gefangenen durch und sperrte sie in einen engen Keller, von wo der Obeilieutenant ste dann in ein geräumigeres Zimmer des Castells bringen, den Grasen Lzapüry aber durch seine Husaren an einen sicheren Ort geleiten liest; gleichzeitig schrieb er nach Kascha«, und verlangte vom dortigen Commando eine größere Anzahl Militär. Dasselbe that der Bicegespan, der sowohl aus Kaschau, als aus Galizien Truppen reguirirte. Bevor diese jedoch anlangten, überstel das Landvolk die Edelhöfe, zertrümmerte hier Alles, plünderte, nahm Geld und Kostbarkeiten mit, und traut in den Melkern die Weine ans unter dem Rufe: „Ter Dlrurentrieg ist wieder da! Tod den Herren und den Juden!" Obwohl der Oberlieuienanl. Abrahünn mit seiner geringen Mannschaft - ste bestand aus neun Braun, worunter zwei an der Eholera litten - einer solchen Belksmenge nicht widerstehen konnte, gelang es ihm doch, Mehreren durch einen guten Einfall das Leben zu reuen. Tenn, als sich die Rachricht verbreitete, die Loltalen hielten es mit den Bauern, liest er unter dem Vorwände, über die Lchultigen (Bericht halten zu wollen, die grausam mißhandelten Herren und Juden von den Torfern nach Terebes bringen. Allein die Bauern tobten, raubten und utorteten fortwährend noch, bis die Tazwischenknnst des Militärs der grausigen Wirthschast ein Eure machte. Unter Anderem sielen sie in Varanü über das Castell der Gräfin Forgüch her, prügelten die alte ehrwürdige Frau, und zwangen sie zur Herausgabe ihrer Lchätze. Auster den Ereignissen im zempliner Coinilate 'kamen auch im abaujvnrer und gömörer Comilate hie und da Unruhen vor, die aber alsbald unterdrückt wurden. Rach Ragyvitöz im stiroser Eomitate verpflanzte ein Klukn''>er aus der. Zips den Brand deS Aufstandes; die Bauernschaft nahm sofort die Adeligen und die Juden in Gewahrsam. Groß waren die von den aufgestandenen unwissenden Bolksmassen begangenen Verbrechen, groß aber waren auch die Ltrafen, welche über sie verhängt wurden. Ter als plenipotemiärer tön. Eommissar entsendete Baron Ignaz Eötvös ließ 150 Menschen ausknüpfen. Biele der Empörer riefen vor der Hinrichtung ihren Verwandten und Weibern zu, sie möchten ihre Klinker gut erziehen, damit sic nicht ein ähnliches Loos treffe. Vermischtes. Ter Afrieareisende L. Manch, eer, wie bekannt, an der Ollkistle Asricas Ophir gesunden haben will, schreibt in einem neuerlichen Briese: „Ueberzeugt, daß Lie Interesse an meinen Forschungen nehmen, theile ich Ihnen nun auch das Resultat mit. In 20° 15" Lud und 26" ar.1 Länge Ost glaube ich das alte Ophir wirklich entdeckt zu haben, auch scheint es mir, daß ich einen