Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 o$vo, dürfen in jeder, also auch in deutscher Sprache, verrichtet werden. 1) Tie (Gründe, mit welchen rer „Israelit" beweisen <?> will, rast deutsche (Nebele einzusckallen verbeten sei, sind sämmllich von der Alt, daß man sie widerlegen kann, also nicht stichbaltig. A»an braucht sich aber aus eine Widerlegung nicht einzulassen, denn sie sind nur. selbst wenn richtig, dafür ausreichend, daß die Einführung deutscher Gebete nicht zweckmäßig sei, keineswegs aber als Beweis eines bestehenden „Berbotes". Ein Berdel ninß aus einem gültigen Eedex nachgewiesen werden. Ter Eeter, der für den Israeliten entscheidende Autorität ist, der Schn'.ckan Aruch, enthält aber ausdrücklich die Bestimmung, daß die Pslichtgebete sogar in jeder anderen Sprache verrichtet werden dürfen. Entweder also begeht der Israelit das Falsnm, im Ramen des Schulchau Etwas als verboten auszugeben, was in diesem ausdrücklich gestaltet ist, oder er ist so anmaßend, sich über den Schulchan Aruch zu stellen, als verboten zu erklären, was nach diesem erlaubt ist, weil eS nach seiner Ansicht so zweckmäßiger wäre. Tiefe Bermessenheit wird zwar ganz erfolglos bleiben, denn weder München noch irgend eine andere (Gemeinde wird sich durch solche Manöver abhallen lassen; weht aber wird sie dazu beitragen, die Gemüther der Unwissenden zu beunruhigen, und zur ungerechten Beurtheilung Anderer zu veranlassen. Deshalb ist es gtck, den im Israeliten selbst angeführten $ wörtlich und mit wortgetreuer Ueberset/ung hierher zu stellen: r.s-i'3 *,rwb rrz bbsnnb '“i , .xp d. h. „Man kann in jeder beliebigen Sprache kaS Gebe! verrichten". Bezieht sich auf 'Kim sind Einige der Meinung, dieses nicht in dieser Allgemeinheit zu gestalten, sondern nur der (Aesamnttgemrinde. Das El,alkäische wollen Einige ausschließen , und gerade in dieser Sprache wird eines unserer vorzüglichsten EV'bete, Kaddisch, verrichtet. Idcstrcichisch-nngarischc Monarchic. Plug, lTeeember «Privalmitlh.) Tie seit zwei Jahren hier erscheinende „Wahrheit" hat in der am I?.. d. M. herausgegebenen A'nmmer das Ende ihres Erscheinens angekündigt. Das Blatt war. nämlich von hervorragenden jüdischen Mitgliedern der verfassungstreuen deutschen Partei gegründet worden, um die „Gegenwart", welche eine orthodoxe Färbung halte und zn dem Zwecke gegründet worden war, um die Juden Böhmens in Anhänger des ezechischen SlaalSrechteS zu verwandeln, unschädlich zn machen. Ter .Zweck war srlkher erreicht, als man geglaubt harre; denn noch vor der Herausgabe der ersten Minimer der „Wahrheit" stellte schon die Gegenwart ihr Erscheinen ein. Ter Hauptgrund zur Herausgabe der „Wahrheit" war damit geschwunden, und die ersten Anreger zu ihrer Gründung hatten kein besonderes Interesse mehr an ihrem Bestände. Eine zweite Folge der veränderten Situation war, daß das politische Moment, welches ursprünglich den Bordergrnnv hätte einnehmen sollen, nunmehr in den Hintergrund trat, und daS religiöse Moment die erste Stelle einnahm. Ta aber hier zu ^ande für rein jüdische Angelegenheiten nur wenig Interesse vorhanden ist, so fand das Blatt nicht jene Teilnahme, welche man bei dessen außerordentlicher Billigkeit mit Recht hätte erwarten kennen. Hierzu gesellte sich noch der Umstand, daß die Herausgabe desselben wegen gewisser Berhältuisse, die in der ursprünglichen Absicht bei seiner Gründung ihren Grund hatten, viel thenrer zn sicher kam, als die Herausgabe anderer jüdischer Blätter. In der letzten Ar. Ihres geschätzten Blattes haben Sie ein sehr zeitgemäßes Thema behandeln das Selbstgefühl der Juden. Es wäre zu wünschen, daß auch hier das in Demselben Gesagte von Bielen beachtet und beherzigt werde. Daß Richard Wagner unter der hiesigen Indenschast viele Berehrer zählt, habe ich Ihnen bereits mitgetheilt. dienlich hat ein Herr l)r. Benfey aus Berlin, wie ich glaube, ein Inte, im hiesigen kaufmännischen Bereine eine Reihe von Borträgen über Wagner gehalten, und in einem derselben behauptet, daß Wagner, trotz seiner Brochürc „daS Indenlhnni in der Musik" noch immer der alte Demokrat sei, und für die Freiheit im Allgemeinen, insbesondere aber für die (Gewissensfreiheit, schwärme. Wie Herr Benfey diese Behauptung, obschon viele Thalsachen gegen dieselbe sprechen, begründet hat, war aus ren kurzen Referaten, welche die Zeitungen über diese Borträge brachten, nichtzn entnehmen. Ter wagncrsche Apostel bewirkte indes;, daß die Liedertafel deutscher Studenten, darunter viele Inden, dem Wagnervereine beitrat. Die grillparzersche Tragödie, die Jüdin von Toledo, deren Inhalt und Tendenz den Vesern ans der trefflichen Besprechung, welche Sie der genannten Dichtung gleich nach deren Erscheinen im Buchhandel angedeihen ließen, bekannt ist, gelangte ans der hiesigen Bühne zuerst zur Ausführung; darüber großer Jubel in Israel! Der jüdische Kritiker des verbreitetsten Blattes unter reu hiesigen Zeitungen, der wegen seiner oft bis in's Minutiöse gehenden Kritiken bekannt ist, und dem eS selbst die Dichterfürsten Goethe, Schiller, Messing nicht innner recht gethan haben, fand diesmal nicht das Geringste anSznsetzen, sondern strömte von VobeSerhebungen über, und zerstoß förmlich in Wonne und Entzücken; ein christlicher -)icccnfci,t einer anderen Zeitung hingegen konnte nicht innhin zu sagen, daß bei der Eharakterzeichnnng des Juden Isaak ein tendenliöser Beigeschmack unverkennbar ist. Der Berein „Ehannkka" wird auch in diesem Jahre eine Anzahl von armen Kindern mit Winterkleidern betheilen. Herr 1),-. Stein wird diesmal hierbei die Festrede halten. Derselbe hat auch vergangenen Samstag die Borträge im Bereine „Asike- Iehnda" mit einem Bortrage über die Idee und Institution des PriesterlhnmS eröffnet. Die prager Borstadt Smichow hat Herrn