Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1872)
- Date
- 1872-12-17
- Page
- Seite 1022 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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lichem Sinne geltend gemacht werden, und dev Seitenblick auf die Juden zeigt, nur die hämische Mißgunst gegen die Juden , welche keinen Vorzug derselben anzuerkennen vermag. In einer vor Kurzem erschienenen Lebensgeschichte des Herzogs Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach, der um 1740 regierte, vom Freiherrn von Beaulieux-Marconnay (Leipzig, Hirzel 1872), wird erzählt, daß dieser Fürst, der, ein eifriger Lutheraner, stark in Theologie machte, anfänglich eine besondere Neigung für Judenbekehrung, empfand. Aber er machte da alsbald eine schlimme Erfahrung, indem ein bekehrter Jude, den er an die Spitze einer zu begründenden Proselytenanstalt gestellt hatte, mit den ihm anvertrauten Geldern durchgegangen war. Seitdem erließ er wiederholte Signatur- Lefehle gegen alle solche Proselytenmacherei an die Geistlichen. In einem derselben schrieb er wie folgt: „Es wundert Uns gar sehr, daß das fürstliche Oberconsistorium sich unterstanden hat, einen verlaufenen Landstreicher und schelmischen Juden'anzunehmen und solchen in der Schloßkirche taufen lasten zu wollen, anzutragen. Da Uns aber sowohl als euch genug bekannt ist, wie dergleichen Gesindel niemals gut. thut und von. alten Zeiten das Sprüchwort Lutheri eingetreten, daß es am Besten sei, immer dergleichen Proselyten gleich nach der Taufe zu ersäufen — als verbieten Wir ernstlich, daß der getauft sein wollende Jude in der Schloßkirche dieses Sacrament empfange, viel weniger eines von Unfern fürstlichen Kindern oder sonst Jemand vom Hofe dabei sei, wie denn auch Unsere Geistlichen sich in Zukunft ohne Unfern Befehl mit dergleichen Judenbekehrung —so doch am Ende umsonst ist, nicht meliren sollen." Sie sollten lieber, schrieb er ein ander Mal bei ähnlicher Gelegenheit, „die christlichen Juden unter uns zum thätigen Christenthum zu bringen suchen." Die Misstonsgesellschaften dürften also eigentlich nicht auf das Abwarten vertrösten, denn sie sehen, daß bereits vor 130 Jahren, ja noch früher von Luther selbst, dieselben Erfahrungen gemacht worden sind, wie sie gegenwärtig noch zu beklagen haben: wenig Proselyten, die viel Geld kosten, und am Ende ... . Man schreibt der „K. Z.": Ein in Keilschrift auf affyrischen. Denkmälern befindlicher und von Herrn George Smith, einem Beamten des britischen Museums, entzifferter, langer und ausführlicher Bericht über die Sündfluth macht uns mit der Gestaltung der Sage bekannt, wie sie in einer frühen chaldäischen Periode in der Stadt Erech, einer der Städte Nimrods (jetzt die Ruinen von Werka), erzählt wurde. Xisuthrus oder Noah berichtet von der Verruchtheit der Welt, dem Befehle, eine Arche zu bauen, dem Aufbau - und der Bewohnung derselbe«/ der Sündfluth, dem Rühen der Arche auf einem Berge, dem Aüssenden eines Vogels u. dgl. m. Die Erzählung ähnelt indessen mehr der durch Josephus, Eusebius und andere griechische Schriftsteller bekannten Darstellung des Chaldäers Berosus, als der in der Bibel Überlieferten. Die Hauptunterschiede beziehen sich auf die Dauer, der Fluth und den Namen des Berges, auf dem die Arche geruht haben soll. Der keilfchriftliche Bericht ist ausführlicher als der des Berosus, und enthält Einzelheiten, die in der Bibel sowohl als auch von dem chaldäischen Schriftsteller übergangen sind. Außerdem enthält er manche andere, auf die chaldäische Geschichte bezügliche, interessante und wichtige Nachrichten. Wie Herr George Smith hervorhebt, ist dies der erste Fall, daß eine Inschrift aufgefunden worden ist, in welcher ein in der Genesis erwähntes Ereigniß berichtet wird. (Eine solche Inschrift noch nicht, aber von Papyrusrollen sind schon mehrere entziffert worden.) Eine Erfahrung, die jetzt in den westeuropäischen Ländern seltener gemacht wird, nämlich daß getaufte Juden die ärgsten Feinde ihrer früheren Glaubensgenossen sind, kommt leider in den östlichen Ländern noch häufig vor. Wir erinnern z. B. an den Renegaten Brafmann in Rußland. So ist das rumänische Blatt „Trompetta" dasjenige, welches am meisten gegen die Juden wüthet, den Pöbel gegen sie aufhetzt, und Tag für Tag ihre Vertilgung vom Erdboden predigt. Die „Rum. Post" sagt nun : „Und wer ist der Eigenthümer und Chefredacteur der „Trompetta"? Cäsar Bolliak, Sohn des Juden Abram Pollak, einstigen Einwohners von Smyrna, dessen Ende wir nicht erzählen, da wir die Todten, selbst wenn sie Juden waren, achten. Aber Ihr Bruder, Herr Christ. Cäsar Bolliak, wohnt jetzt in Silistria, heißt Moses Pollak, trägt Ohrlocken und treibt Handel mit Antiquitäten (alten Kleidern). Damit Herr Bolliak dem Verdachte, als sei er ein Jude, entgehe, stempelt er glle Welt zu Juden und Judenfreunden. Aber, vergebene Mühe, Meister Pollak; Sie können ebenso gut behaupten, der Papst in Rom sei auch ein Jude, ohne daß Sie deshalb Ihren Charaker, nicht als anständiger Jude, sondern als schurkischer, renegirter, infamer ... . Jude werden verbergen können. — Warum versuchen Sie es nicht für die Juden zu schreiben? Seien Sie überzeugt, daß in diesem Falle alle Juden zu Ihnen gelaufen kämen,, um Ihnen ein großes Stück Geld zu geben, damit Sie aufhören, sie zu loben, denn Sie erweisen ihnen einen großen Gefallen , wenn sie dieselben, so wie bis jetzt, zu beschimpfen fortfahren. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von J.kB. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur Dr. H. Lohe.