Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1872)
- Date
- 1872-12-10
- Page
- Seite 993 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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zurückgeblieben seien-! und hierauf nach erhaltener Antwort'als Beihülfe-für die zu Unterstützenden 100 Thlr. übersandte, . die-'bereitsvom Magistrate dem Hülfscomits überwiesen wurden. .Zur Synagogenkatastrophe in Ostrowo bringt bte „P:. Z." noch Folgendes: Die Anzahl der nach der!unglücktichen Synagogenkatastrophe gebliebenen hilfsbedürftigen Kinder hat sich leider noch um fünf vermehrt:--Es sind dies die Kinder einer Frau Soberska, welche bis dahin dieselben, wenn auch mühsam, so doch ohne fremde Hülfe ernährte, bei dem unglücklichen Vorfälle aber sich so erkältete, daß sie in Folge dessen total erblindet und daher außer Stande ist, sich und die Ihrigen ferner zu ernähren. Unterstützungen, Beiträge, besonders von Breslau, Berlin und Posen, gingen und gehen noch ein, und das Counts hoffe, für. die . betreffenden- Hülfsbedürstigen nicht, nur eine blos vorübergehende Unterstützung gewähren, sondern auch für jedes derselben einen Fonds zu einer späteren, nachhaltigen Aushülfe bilden zu können. ' München, 19. Novbr. (Privatm.) Das Zusammenbrechen der berüchtigten dachauer Banken hätte wohl für eine Erwähnung in diesem Blatte keine eigentliche Veranlassung. Selbst der Umstand, daß diese scheußliche Ausbeutung der Volksleidenschaften von ultramontaner Seite ausging, mit allen ultramontanen Mitteln gestützt und gefördert, und abermals als eine „Christianistrung des Capitals" gerühmt wurde, gleich der Affaire des berüchtigten Langrand, kann von uns übersehen werden, da er seine verbrecherische Tendenz zur eigenen Strafe-verfolgte. Aber die Ultramontanen, theils um die Aufmerksamkeit des Volkes von sich abzulenken, theils um dem Volke den Wahn beizubringen, daß jene Banken nur durch eine Jntrigue der Juden und) Liberalen gestürzt wurdenwüthen jetzt wieder gegen die Juden in der schamlosesten Weise. „Dies giebt den „Neuesten Nachrichten". Anlaß, ein Einschreiten der Behörden auf Grund des § 130 des Reichsstrafgesetzbuches in Aussicht zu stellen. Eine Correspondenz im „Bairischen Vaterland" aus Regensburg dürfte zu dieser Androhung namentlich den Anstoß) r gegeben haben. Nachdem darin zuerst eine Reche, von Vorwürfen gegen die gesammte „knoblauchduftige..Judensippe" geschleudert wirb, heißt es dann: „So es auch - Lei uns, in der- Oberpfalz; indessen . sindi berM. mehrere Gegenden, po sichMn 3wbe me§r blicken: lassen darf.^ Hierzu fetzt vr. Sigl ein Bravissimo, und nachdem der Artikel „den gemeinen Packjuden" noch verschiedene Male Rohheit, Hochmüthigkeit, Frechheit sonder Gleichen rc. vorgeworfen, heißt es: „O, ein 1519 —damals wurde die ganze Sippschaft hier ausgehauen — wünscht man hier allgemein." Wir glauben , daß es die Pflicht der baierischen Juden sei, dies sich nicht Alles so ruhig gefallen zu lassen, wie wenn wir noch in den Zeiten der kaiserlichen Kammerknechte lebten, sondern daß sie überallmit aller Energie und Consequenz, die Strafanklage erheben müßten. Nur auf diesem Wege ist etwas Ruhe vor diesen Volkshetzern zu erlangen. Fürth, 14. Nov. (Privatm.) Sie haben in Nr. 44 Ihres geschätzten Blattes die Bemerkung gemacht, daß die Orgel allmälig auch in Gemeinden eingeführt werde, die, wie Prag und Fürth, nicht iyr Rufe der Neuerungssucht stehen. Ich kann in Bezug auf die hiesige Gemeinde dieser Ansicht nur vollständig'beipflichten, :und darf behaupten, daß diese Gemeinde im Ganzen noch religiös genannt zu werden verdient: Ist doch auch an gewöhnlichen Sabbathen in der Hauptsynagoge, der Stätte der Neologie, eine nicht unbeträchtliche Anzahl meist andächtiger Beter zu finden, an sämmtlichen Festtagen, am Meisten natürlich' am Neujahrsfeste, ist sie recht stark besucht, am Versöhnungstage ist sie in allen ihren Räumen überfüllt. Die Gebete, sofern sie nicht abgeschafft sind , werden : alle noch auf Hebräisch, in der herrlichen, leider von der heutigen Jugend nur wenig verstandenen Sprache der Väter, gebetet. Wenn man von der Synagoge nach Hause geht, sieht man allenthalben, oft in langer, ununterbrochener Reihe die Kaufläden der Israeliten geschlossen. Welch erhebenden Eindruck wacht nicht dieser Anblick auf Denjenigen, der noch ein für das Judenthum lebendig schlagendes Herz hat, man glaubt sich mitten in eine strengreligiöse Gemeinde versetzt — bis man durch den Gedanken Etwas ernüchtert wird, daß' /bei einem Theile dieser Läden regelmäßig, in einem andern nicht geringen, je nach Bedarf, im Comptoir oder Magazin, gearbeitet wird. Genug, das Judenthum wird nach Außen geehrt, man könnte es einen vwn isvrp nennen, daß sämmtliche Kaufläden — bis auf höchstens sechs — der Oeffentlichkeit gegenüber geschlossen sind: Immerhin mag zu dieser Opferwilligkeit auf dem Altar des Judenthums der Umstand 50*