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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-12-03 · Heft 49 (3.12.1872) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 49 (3.12.1872)
Date
1872-12-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3«. Jahrgang. Allgemeine 49. Zeitung des Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles Mische Jntereffe. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 3. December 1872. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, kn 2 bis 21/* Boge Inserate werden mit 2 Ngr. für die Petitzelle oder.deren.. Raum berechnet . Preis des Jahrgangs '4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungm an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich baS KLnigl. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bureau unterzogen. 3 n ha l t. Leitende Artikel r Eine neue Streitschrift für den Atheismus von David Friedrich Strauß. V. — Das Selbst- : gefühl der Juden. 31. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Magdeburg, Bonn7Harburg, Vom Neckar.— Oesterreichischnng arische Monarchie: Wien, Prag, Altofen, Lemberg. — Donausürstenthümer: Bukarest, Jassy. — Rußland: Moskau. — Amerika: Newyork. — Nachtrag: Bonn. Feuilleton-Beilage r Dr. Karl Feust. — Zum Stanislauer Proceß. ---- Vermischtes. Leitende Artikel. Bon«, 24. November. Line neue Streitschrift fnr den Atheismus von David Friedrich Strauß, v. Aber Strauß hat noch eine Frage zu beantworten. Die Frage „Sind wir noch Christen?" verneinte er entschieden. Wird er seine zweite Frage: „Haben wir —wir heißt immer Strauß und seine Gesinnungsgenossen — noch Religion?" ebenso entschieden verneinen? Nachdem er Alles, was die Menschheit unter Religion versteht, geläugnet hat, will es ihm doch nicht behagen, sich ohne Religion zu wissen. Wie hilft er sich aus diesem Dilemma? Cr kehrt auf seinem Wege zurück; er bemerkt, daß Schleiermacher das Wesen der Religion im Abhängigkeitsgefühle erkannt habe, welches zuerst gegen die verschiedenen Naturerscheinungen, später gegen das Eine Wesen bestand, das aller Erscheinungen Ursache ist. Feuerbach dagegen meinte, daß dieses Abhängigkeitsgefühl an sich erdrückend, vernichtend sein würde; daß daher das Wesen der Religion in dem Wunsche bestehe, die Wirkungen der uns bedrohenden Erscheinungen zu unsrem Vortheile gewandt zu sehen. Da nun Strauß diesen Wunsch als. nutzlos, weil wirkungslos, ansieht, bleibt er bei dem Abhängigkeitsgefühle stehen, welches der Mensch nie los wird und seiner Meinung nach nicht los werden soll. Wir wollen diese einseitige Auffassung der.Religion nicht abermals widerlegen; wir haben es oben gethan, wo wir den Erkenntnißtrieb und das Verlangen nach Höherem und dem Zusammenhänge mit ihm in der Natur des Menschen begründet und als ebenso starke Quellen der Religion erkannten. Von wem will sich aber nun Strauß abhängig fühlen? Seine Antwort lautet: „vom Universum, vom All". Wir wißen uns „ein Theil des Theiles", und Dies ist genug, um uns von diesem All abhängig zu fühlen. In diesem Abhängigkeitsgefühle vom All findet Strauß seine Religion. Da fragen wir uns: fühlen wir uns wirklich abhängig vom All? Nicht im Geringsten. Was ist denn das All? Es ist die Gesammtheit aller einzelnen Wesen, aller vorhandenen einzelnen Existenzen; das All als solches existirt nicht für uns, es ist nur in den einzelnen Wesen vorhanden, und dieser ist eine solche Unermeßlich-- keit, eine solche Unbegränztheit, daß wir uns weder reell, noch formell eine Vorstellung davon zu bilden vermögen.

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