Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1872)
- Date
- 1872-11-26
- Page
- Seite 959 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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-es Zudeuth«ms. Zeitung FeMeton-Geilage M Nr. 48. Leipzig, de« 26. Noremker 1k!72. Sittenspiegel. Bon Sglomo Alami,. aus dem Jah^e^ 1415. (Schluß.) Zusätze vom Herausgeber. 1) Zu wiederholten Malen wurde bei mir in dieser Sache betreffs der feile» Dirnen angefragt, deren Verbot hinfällig geworden war in der Gewalt der jüdischen Richter unserer Zeit. Und nicht das allein, sondern man kam i» einigen Gemeinden dahin überein, ihnen Vergunst zu gewähren , und an manchen Orten wird ihnen sogar ei» Sold aus der Gemeindecaffe verabfolgt. Denn man ist der Meinung, daß dieselben die unverheiratheten Männer oder die Sittenlosen von der schweren Sünde des Ehebruchs oder der körperlichen Bestrafung zurückhalten; es sei daher bester, dieses Verbot zu übertreten^ als die Strafe der Steinigung -oder des Verbrennens zu verwirken. (Akedah Wajera. Pforte 20.) 2) Unter diesen Begriff fällt auch der große Götzendienst, der heutzutage allgemein ist. und-ein gefestigtes Dasein gewonnen hat. Das Verbot ist eirze Heilung alles. Trachtens und StrebenS nach dem Emscharren von Geld und dem Aufhäufen von Glücksgütern, die ihnen die mächtigen: Götter sind, aus welche sie sich: stützen,, auf deren Wahrheit sie vertrauen, und deren Name ihnen so heilig ist, daß sie. um seinetwillen den Gott droben läugnen, Seine Lehre verlassen: irnd sie unterhringen, entwürdigt und entehrt, in: irgend einem Winkel. Das ist der eigentliche Kern und Boden des Götzendienstes. Schlimmer. noch wird die Sache dadurch , daß die Völker, in deren Land wir leben, nicht in gleicher Weise verfahren. So schauet unser Auge hilflos aus und verschmachtet. Alle diese Zustände gehören zu dem Grundsätze: Ihr sollt neben mir keine silbernen Götzen machen, auch goldene Götzen Euch nicht «»fertigen. (Daselbst: Jethro, Pforte 45.) 3) ,Das Sicherheben (der Juden) Vis in den-Himmel wurde die Ursache zu ihrem- Falle; denn sie überhoben sich, der- Eine über den Andern^ so daß ihre» Herzen sich weit voneinander trennten-. Aus derUeber- Hebung entstand unter ihnen Feindschaft, aus der Feindschaft Trennung, und Jeder erklärte, ihm gebühre Obergewalt und Herrschaft Um nun über einander die Uebermacht zu erlangen, setzten sie Fremde in ihrer Miste ein; alß diese jedoch ihr Treiben und ihre Spaltungen erkannt hatten, verloren sie vor ihnen alle Achtung, gaben alle Rücksicht auf, fielen über sie her und demüthigten sie.. (Schebet Jehickah, Verfolgs 4.). 4) ES war Hochmuth, daß sich ein Theil unserer Glaubensgenossen überhob in dem Wahne, über die Völker, die daß Land inne hatten und Herren desselben waren, herrschen zu wollen. In Folge dieser Anmaßung geschah es im Jahre der Verfolgung, daß in ver Nacht des VerMnungstages aufden Plätzen des Gotteshauses Zank auSbrach. und Jeder einebrennende Kerze ergriffe die vor dem Allerheiligsten standen, um damit auf den Andern loszugehen , und mehr dergleichen. (Daselbst: Verfolg. 63.) 5) Niemals in früherer Zeit war Spanien so gefüllt mit Hochschulen und Schülern, wie gerade zur'Zeit der Verfolgung, nur daß die- Lernenden sich in mehrere Richtungen theilten. Die Einen studierten sechs öden sieben Jahre unter hervorragenden Rabbinern-, und-spitzten ihren Geist zu, wie man ein schneidiges Schwert schärft; alsdann aber erlernten sie die außerjüdischen- Wissenschaften, die nicht mehr ein Behälter waren für den Bund Gottes, dessen sie nicht mehr gedachten, nicht meh« erwähnten, sich ni-djt mehr erinnerten, und wunderten sich über ihr früheres Studium. Die Anderen sagtensich gänzlich los und wandten sich dem weMcken Treiben zm Wiederum Andere huldigten zwardem Leistungen auf dem Gebieteder Gvtteslehre, allein fürsie hattenur der Pilpul Werth. Sie wollten ihre Größe an den- Tag legen dadurch , daß sie sich gewandt zeigten, daS'vvn Natur Unreine als' reinnachzuweisen. Auf' solche- Weise brachten sie ihre Tage hm und erreichten nicht den Zweck der Gotteslehreich will gar nicht sägen-den - alllgememen Zweck, der in Thaten und sittlicher Frömmigkeit besteht, nein, nicht einmal die Kenntniß der Gesetze' eigneten sie sich an, die tagtäglich in Gebrauch fbrnmenv wie über Zizith, Thephiüin, Erlaubtes und Unerlaubtes, und nur äußerst Wenige beschäftigten sich mit Dem, was jito die Bemtheilrmg deS Mgiösem Lebens. Werth hatten»