Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1872)
- Date
- 1872-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitung -es Zudenthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heransgeg eben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps«« in Bon». Leipzig, den r«. November 1872. Diese Bettung ersHetttt Wöchmwch einmal Dienstag-, in 2 bi- 2r/, Bogen. Preis des Jahrgangs « Thlr. HalLMrig 2 Thlr Merteljä'hrig l Mv. Inserate weLen mit 2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle BuLbandlunaerl, Postämter und BeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an» der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Hanpt-ZeitungS-Bnreau unterzogen? Inhalt. Leitende Artikel r Eine neue Streitschrift fiir den Atheismus von David Friedrich Strauß. IV. — Das Selbstgefühl der Juden. I. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Dresden, Cöln. — Oesterrei chisch-nng arische Monarchie: Stuhlweißenbnrg, Pest, Mtofen. — Italien: Turin. — Türkei: Konstantinopel. — Donaufürstenthümer: Bukarest. — Rußland: Riga. — Amerika: Netvyork. ■,i — Nachtrag: Colberg. Feuilleton-Beilage r Sittenspiegel. (Schluß.) — Correspondenz. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 17. November. Eine neue Streitschrift flir -en Äthersmvs von David Friedrich Strauß. IV. Wir Deutsche pflegen uns, anderen Völkern, besonders den Franzosen gegenüber, auf die gründliche Forschung , auf die wissenschaftliche Vertiefung Etwas zu Gute zu thun, und hiermit selbst eine Vernachlässigung der Form zu entschuldigen, da wir dem gefälligen Stile den Ernst der Untersuchung nicht opfern wollen. Wenn nun die Schrift von Strauß, mit der wir nutz beschäftigen, etwa in's Französische übersetzt würde, so würden sicherlich die Franzosen sich wundern, wie hier ein gelehrter, Deutscher, der gerade wegen seiner Gründlichkeit und seines gelehrten Apparats bekannt und den Franzosen ungenießbar war, mit so überaus leichtem Geschosse gegen die geschichtlichen Überzeugungen ausgezogen ist, mit schnell hingeworfenen Floskeln die tiefgewurzelten Glaubensmeinungen zu beseitigen wähnte. Ganz besonders bemerklich ist dies in dem Abschnitte über die Unsterblichkeit. * Er muß wirklich voraußsetzen, daß die Menschen bereits diese großartige Hoffnung gänzlich auS ihren Herzen gerissen hätten, um mit so Wenig sagenden Sätzen sie abgethan zu glauben. In diesem Sinne stellt er die Behauptung auf, daß der Unsterblichkeitsglaube ursprünglich lediglich aus den Träumen von Verstorbenen hervorgegangen sei, und in der Vorstellung eines traumartigen schattenhaften Daseins bestanden habe, wie es Homer bei der Hinfahrt des Odysseus zur Unterwelt, um von Tiresias seine zukünftigen Schicksale zu erfragen, schildert. Auch bei den alten Hebräern hätte diese Vorstellung geherrscht, und erst in die spateren Bücher deS alten Testaments, sowie zu Sokrates und Plato, sei der Unsterblichkeitsglaube aus dem höheren Oriente eingedrungen. Solche Behauptungen sind von einem deutschen Gelehrten sehr verwunderlich. Jahrtausende vor Sokrates war dieser Glaube bei den Aegyptern schon vollständig ausgeprägt, und in Brauch und Sitte, in das ganze gesellschaftliche Leben übergegangen. Kein Mumienkasten, auf welchem er nicht in unschwer erkennbaren Allegorien und Symbolen gemalt ist.*) Der urältesten Religion *) S. Herodot II, 123, Aus Duncker, Gesch. d. Merth. I. S. 70 ff. kann Strauß sich überzeugen, daß die Vorstellungen der alten Aegypter von der Unsterblichkeit denen der christlichen Kirche und des Islams auf's