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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-19 · Heft 47 (19.11.1872) · p. Seite 942

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 47 (19.11.1872)
Date
1872-11-19
Page
Seite 942 (sequence 20)
Language
German
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UW laufen dem Bösen nach u. s. w.; Niemand ruft mit Gerechtigkeit, an u. s: wH Keiner ruft Deinen Namen an u. ft w." Darob: trauert unser Herz, unser Erbtheil ist-Fremden überliefert, unsere Andachtstätten Nichtjuden. Warum klagen über das, was außer uns liegt? Der seinen Leib schädigt, darüber daß seine Hand ihn verletzt? Was ^beschwert sich der Mensch beim Leben, der Mann bei -seiner Sünde? Der Schöpfer, vollkommen ist sein Walten' ein Gott-der Wahrheit, vor Ihm ist kein Unrecht- und' hoch erhaben ist Er über aller Benedeiung wrt) Erhebung. Deß sei eingedenk, Jakob, .um Dein Lärmen und Deine' Ueberhebung aufzugeben; vielleicht wird Dem trotziger Sinn demüthig, damit' alsdann Deine Sünde- Verzeihung finde. Schluß des Briefes. Glaube mitaufrichtigem Glauben an die Lehre .Möschehs, des Knechtes Gottes, an.die vollkommene; denn sie ist der Grund aller Weisheit, und in ihr liegt jedes ihrer Geheimnisse. Glaube an die Lehrer der Wahrheit, welche die Deutung ihrer Gebote empfangen, sie gelehrt und dargelegt haben ohne Falsch. An ihrer Leiter steige Deine Seele empor und gelange wieder an zu ihrem Orte. Im Schatten des Allmächtigen weilt, wer an die heilige Lehre glaubt. Gott gehe nach in Seinen Wegen, weiche nicht ab nach links oder rechts. Dann wirst Du gelangen cm’8 Ende, wirst ruhen, und wirst auferstehen am Ende der Tage. . (Schluß folgt.) Vermischtes. (Ein Cylinderhut als Verräther.) Wie bekannt, verbietet der israelitische Ritus den Glaubensgenossen am 'Versöhnungstage als Opfer der Sühne durch volle 24 Stunden den Genuß von Speise und Trank. Ein junger Mann, Namens S..welcher in einem hiesigen Handlungshause als Buchhalter schon seit acht Jahren angestellt ist, und welcher sich bereits so sehr das Vertrauen seines Chefs erworben hatte, daß er ihm als Familienglied und zwar als seinen künftigen Schwiegersohn aufzunehmen in Aussicht stellte, entfernte sich, wie die „L.-C." zu erzählen weiß, am Versöhnungstage gegen Mittag aus dem Tempel, angeblich, um -frische Luft zu - genießen; verfügte sich jevoch in das Hotel „Hungariä", um dort seinen Hunger zu stillen. Seine Tischgesellschaft war ein ihm unbekannter Herr, 'mit welchem er sich jedoch bald in eine lebhafte Conversation eingelassen hatte. Nach beendetem Diner begab sich S . .. wieder in den Tempel, während der andere Herr noch im Hotel zurückblieb. Tags darauf erscheint der Fremde im Comptoir und bedeutete den jungen Mann,- daß am Sonnabend im Hotel eine Verwechselung der Hüte stattgefunden Habe. Der Chef des Hauses sowohl, welcher der streng orthodoxen Parteiangehört, und in dessen Gegenwart' das Gespräch geführt wurde-, als auch Herr S.. . blieben sprachlos, und als der Fremde sich entfernt hatte, entband der Chef den jungen Mann augenblicklich des Dienstes. - _____ Ueber den General und Gouverneur des Washington Territoriums, Salomon, erzählt „Deborah" folgende Anekdote: „Als Salomon Gouverneur in Washington Territorium war lebten noch einige jüdische Familien gleichzeitig mit ihm in der Hauptstadt, die für die Herbstfeiertage eine kleine Gemeinde bildeten und ein Local für den öffentlichen Gottesdienst einrichleten. Es fehlte aber der Geistliche, der in jener Gegend nicht zu haben war; Gouverneur Salomon wickelt sich in seines Nachbars Tallith , betet vor , liest die Thora vor und predigt. Die Rede wurde seiner Zeit im Israelit abgedruckt, wo der Vorfall ausführlich gemeldet war. Das war wohl „der erste Jude", der als Gouverneur auch zugleich Chasan und Prediger war. Aus Marmaros - Sziget (Ungarn) schreibt man der „Reform", daß der dortige Rabbi letzthin eine bigotte Predigt hielt, in welcher er' sich unter Andern an die Frauen wandte und alle diejenigen verfluchte, die Chignons und falsches Haar tragen. Im weiteren Verlause seiner Rede ermahnte er die Männer nicht feig zu sein, sondern die unheiligen Frauen zu verstoßen , welche ihr Haupt verunreinigen und sich der Liebe ihrer Gatten unwürdig machen. In der Synagoge entstand großer Lärm, doch auf den kühnen Rabbiner, den man schon im Jahre 1848 aus Sütoralja-Ujhely wegen ähnlicher Reden auswies, machte das Benehmen des Auditoriums nicht den geringsten Eindruck, sondern er fuhr fort, immer heftiger über die von der Civilisation verderbte Gesellschaft loszuziehen, in welcher man Individuen für ehrbar und tugendhaft zu halten wage, welche falsches Haar' tragen. Falsches Haar zeige auf einen falschen Sinn und auf ein falsches Herz, dem nichts heilig ist! — Der gute Rabbiner setzte zum Schluß auch noch auseinander, daß nur derjenige ein guter Rabbiner sein kann, dessen Vater und Großvater auch schon Rabbiner gewesen. ___ Ein falscher Rabbiner. In Lemberg wurde ein gewisser Abraham Jsraha verhaftet, welcher sich fälschlich als Rabbiner von Jerusalem ausgab und auf Grund gefälschter Documente mildthätigen Gebern Geldbeiträge entlockte. Perlag von Banmgärtner's Buchhandlung m Leipzig. — Druckten I. B. Hirschfeld. Perantwortlicher Redaeteur vr. H. Lotze.

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