Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1872)
- Date
- 1872-11-19
- Page
- Seite 939 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Feuilletoii-Geilage zuMr. 47. Leipzig, de« 19. NovemLer 1872. Sittenspiegel. Bon Salomo Alami, aus dem Jahre 1415. Bor allem Bewahrrmgswürdigen bewahre Dem Herz, denn von dort aus gehen die Strömungen des Lebens. (Fortsetzung.) Alsdann haben ferner Mitschuld an dem Elend eine Menge der Großen in der. Gemeinde, die Hohen, Edlen und Vornehmen, die in den Palästen und an den Höfen der Könige eine Stellung einnehmen. Das Erbarmen Gottes hat ihnen ienen Platz angewiesen im liebenden Hinblick auf "die Lage der Unterdrückten; die Fürsten stellten sie hock, erhöhten ihren Rang, fetzten sie in königliche Aemter ein, übertrugen ihnen die Oberaufsicht über den Staatsschatz, und alle Beamten handelten und verfuhren nach ihrem Befehl. Allein sie überhoben sich in ihrem Reichthume und ihrer Herrlichkeit und hatten keine Theilnahme für die Unglücklichen und Niedrigen. Israel vergaß seines Schöpfers und baute sich Schlösser, schaffte sich reiche, v prächtige Gespanne und Wagen an und kleidete sich fürstlich in kostbare Kleider und Mäntel; die Frauen und Töchter trugen sich wie Edelfrauen und Fürstinnen, und stolzierten im auserlesensten Schmuck, in Gold, Silber, Perlen und Juwelen. Man verschmähte Gotteslehre, Demuth, Handwerk und liebte Müßiggang, Hvchmuth, Herrschsucht und Befehlen; man zog sich zurück , von Weisheit und Erkenntniß, dem ursprünglichen Boden des Glückes und dem überkommenen Erbtheil, und pflegte Macht und Eitelkeit, die in der Lehre keine Stelle finden und von den frommen Vorfahren nicht berücksichtigt wurden. Das ist die Ursache ihres Falles geworden. Jetzt sind ihre Tafeln unbesetzt, denn der Gdtt der Gerechtigkeit hat ihnen gemessen nach ihrem Verdienste. Sie waren satt und übermüthig geworden unv wandelten auf Abwegen, indem sie der Herrschsucht huldigten, einander beneideten und vor König und Fürst verlaumdeten. Sie wußten nicht, daß sie in ihr eigenes Fleisch schnitten und das Ende traurig werden müßtet MnsLwärzer waren sie und gemeines Metall, gegen den Nächsten häuften sie übleS Gerede, im Geheimen und öffentlich , um ihn: zu verderben; Herz und Auge waren auf den eigenen Vortheil gerichtet, Besitzungen zu erwerben im fremden, Lande, unschuldiges Blut durch böse Anschläge zu vergießen, Gewalt und Nörgelei' gegen die Ohnmächtigen : zu üben. Wehe über die Frevler in Gesinnung und Thatdie. es zuletzt dahin brachten, daß unheilvolle Gesetze gegeben wurden, die von ihnen selbst die Schmack deß Unrechts nahmen und sie den Armen aufluden. - Sie brachten'sich durch ihr niedriges Treiben um alle Achtung bei ihren Widersachern und Beobachtern, und gaben ihnen Gelegenheit zu ihrer Erniedrigung und ihrem Sturze. Da legte sich die Hand derselben schwer auf sie, schmachvoll und entwürdigt wurden sie von den Höfen der Könige und Fürsten gesagt, mit Schande auf ihrem Angesicht. Als dann erst kein Jude mehr übrig war, der dem Könige nahen, seinen Glaubensgenoffen nützen und für dieselben sich-verwenden konnte: da wurde e8 den'Ruchlosen leicht, den Bestand derselben zu entwurzeln. Der Spruch der Engel stimmte bei, das Erbarmen Gottes blieb auS> da die Sündigen ihre Schuld nickt gesühnt halten, undso schleuderte Er ihre Herrlichkeit aus dem Himmel zur Erde nieder' und brachte auf sie selbst ihr Unheil zurück/'Aber denuock! Es war der Plan Gottes, uns nicht -gänzlich zu verstoßen; denn nirgends bedrohen nns in der Gegenwart Drangsale in den Reichen in denen - wir durch Sein Erbarmen leben. Er bat uns eine Zufluchtsstätte anaewiesen, eine Einkehr in Seine Lehre.- Ja selbst die Landesregierung» verhilft uns dazu, dem schneidigen Schwerte zu entgehen, und so erfüllt sich die Verheißung : „Der Rest de8 Lagers soll gerettet werden." O , möchten wir uns doch aufraffen aus dem-Taumel unserer Verirrung mm Danke gegen Gottden Hort unseres Ruhmes , ' ob all des Guten, das Er unserweist, und möchten 1 wir Massen von unseren Sünden. Allein wir find Schuldig^ ohne die Wohlthaten und die Gnade zu bekennen, ohne: Demuth im Hinblick auf - die Drangsale, ohne Bangniß. Nunmehr will ick Dir mit kurzen Umrissen die Wahrheit zeichnen, damit Du wenigstens mit einem Fuße ihren Boden berührest und die Ursache der Leiden und Verhängnisse einigermaßen erkennest. Die wesentlichen Gründe 'sind; der Mangelndes Glaubens und' der Denmth des