Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1872)
- Date
- 1872-11-12
- Page
- Seite 922 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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„liebkosen" gebraucht wird (Hiob 19,17). Diese letztere Eigenschaft sichert dem Worte seinen Platz in der BegriffSreihe, die wir behandeln, und seinen Werth in der Psychologie des' Volkes, das es geschaffen hat. Die starke Seite der hebräischen Sprache in der vorliegenden Gedankenreihe ist die Liebe Gottes zum Menschen, die .Liebe des Menschen zu Gott und die allgemeine Liebe der- Menschen untereinander.' Der letztere Begriff wird' vorwiegend als' thätige, helfende - Liebe genommen und so'mannigfaltig nüaneirt, daß Wi'Wpr.tr/zuseiner Vertretung vonnöthen sind. SD.te;Hulddes HöherendieMs' gütigem 'Charakter kommtMdM auch äußert, um/den Glücklichen noch glücklicher zir machendie Gunst, die^ durch Wohlgefallen erworben wird;/ Md 'die' Barmherzigkeit die dem Leidenden weichen und willigen H'er^ zenS' naht Jedes hat - feinen ' besonderen Ausdrück fagn;' IN)' - Man sieht, es ist ein religiös es Bott von erregbarem expansiven Temperament gewesen, das seine Liebe nach diesen Kriterien vertheilt hat. Bermischtes. - -. Jüngst zeigte UNS ein Freund in einem ultramontänen Blatte die Recension eines als verdienstlich anerkannten Werkes, das aber da§ Unglück hatte, von keinem Infallibilisten herzurühren. „Können wir uns nicht glücklich fühlen," sagte der Freund, „solche Auswüchse nicht bei uns zu finden?" Und in der That war es ein unerhörtes Machwerk aus Schimpfworten und Unwahrheitendiese vorgebliche Kritik. „Sachte, sachte,"mußte ich dem Freunde antworten, „auch wir Juden sind nicht frei von diesem Uebel. Vor einigen Jahren, um nur ein Beispiel anzuführen, ließ ein frecher jüdischer Bube eind Recension meines „neuen israelitischen Gebetbuches" in einem jüdischen orthodox sein wollenden Blatte drucken, in welcher er schlechte Verse aus meinem Gebetbuche citirte, die nirgends in demselben stehen — also untergeschobene Verse! Ich verachtete den Burschen und seine Patrone zu sehr, und schwieg deshalb gänzlich. Bei den Juden fehlt nun auch noch die ParteidiSciplin — denn von der andern Seite machen es gewisse Leute ebenso, ünd*zwar nichtfnur gegen die Gegner." Es gereicht zur Befriedigung, wenn man sieht, wie jetzt überall, auch in den entferntesten Gegenden, sobald ein Angriff oder eine Schmähung auf Juden und Judenthum an's Licht tritt, sich laute Stimmen dagegen erheben, und irgend ein wackerer Kämpe unseres Bekenntnisses, auf Recht und Vernunft sich stützend, den Angriff zurückweist, die Schmähung widerlegt und auf das Haupt des Gegners zurückschleudert. In Nr. 31 der. Gartenlaube -:+rwir haben dieselbe nicht gelesen —; hatte ein' Fr. Helbig unter der Aufschrift „Israel aus Markt- und Straße^ ein Zerrbild jüdischer Viehhändler, u. dgl. entworfen, und dabei sich der häßlichsten Farben bedient, indem er das Genre auf die Gesammcheit ausdehnte: Wir erhalten jetzt die Nr. 30 des „New-Vorker belletristischen Journals" vom 27. Sept., in welcher. ein Herr Naumburg eine schlagende Erwiederung contra Fr. Helbig giebt: - Möge, wie desdeutschen Genremalers Stimme über den Ocean' erklang, auch -- die des amerikanischen Kritikers nach Deutschland dringen! Für die freundliche Erwähnung unser danken wir Herrn S. N. ... (Vom Versöhnungstage.) Der Director des Communal- , Real- und Obergymnasiums in der Leopoldstadt (Wien), ■ Regierungsrath Dr. Alois Pokoruy, hat das löbliche Beispiel des Directors des akademischen Gymnasiums, Herrn vr. Hocheggers, nachgeahmt, indem er am israelitischen Versöhnungstage den Unterricht ebenfalls gänzlich suspendirte. Der Gottesdienst in den beiden israelitischen Hauptbethäusern ging wie gewöhnlich in würdiger Weise von Statten, jedoch wurde die anfänglich bestimmte Erholungspause nicht eingehalten. (Ein seltener Gerichtsfall.) Die „Koruna Czeska" erzählt: „Am vergangenen Montag klagte ein israelitischer Handelsmann, Namens Gintz, beim k. k.. Bezirksgerichte in Kollin gegen einen seiner Kunden wegen einer unbezahlten Schuld von etwa 30 fl. für abgenommene Maaren. Der Kläger brachte seine Klage vor, und der Richter war auf die gewöhnliche Einrede des Geklagten, daß er nichts -schuldig sei u. dgl. gefaßt; allem es kam anders. Der Geklagte, an dem die Spuren überstandener Krankheit und Noch zu -sehen waren, bekannte sich mit betrübter Miene zu der ganzen Schuld, und fügte bei, daß er gern bezahlt haben würde, wenn er sich nicht in so großer Noch befände. Da trat der klagende Gläubiger zu ihm heran, faßte dessen Hand und sagte gerührt : „Verzeiht, Freund, daß ich die Klage wider Euch erhob, ich hatte von Euren traurigen Verhältnissen keine Kenntniß. Ich wäre niemals so gegen Euch verfahren, wenn ich Eure Noch gekannt hätte. Vergeht nun Alles, und kommt mit mir in's Gasthaus, damit ich Euch für die bereitete Ungelegenheit bevmM" Darauf ließ der gutherzige Gläubiger von der Klage ab, bezahlte die Gerichtskosten und bewirthete seinen Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirfchfeld. Verantwortlicher Redaeteur Dr. H. Lotze. .