Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1872)
- Date
- 1872-11-12
- Page
- Seite 915 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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befriedigt erhalten, und insbesondere können bte Kinder dort den höchstnothwendigen Religionsunter- - richt genießen. Wie ist es aber bei' den im Lande zerstreut wohnenden Familien? Wohnen mehrere israelitische Familien an einem Orte, so ist man zufrieden,' wenn man an den hohen Feiertagen ein Minjan zusammenbringt; die Anderen, einzeln Woh-- nenden halten wohl, wenn sich noch etwas religiöses Gefühl in ihnen findet, ihren Gottesdienst in der : Stille für sich selbst. Wie-ist es aber mit der Erziehung; der Kinder? Wenn sich auch in Malmö,! Calmar und Oscarshamn ein Schochet findet, der den, Kindern dort 'Etwas Hebräisch lehrt, fo ist das doch / kein MeligionÄntDicht. ' In Malmö wohnen über! 300 Israeliten, ohne sich bis jetzt zu einer Gemeindei organisirt oder sich einen Religionslehrer.angeschafft zu haben. Ich will nun das Gesetz , das die Einschränkung-des Wohnortes' für Israeliten ausspricht, keineswegs vertheidigen, sondern nur auf den ursprünglichen Zweck und Gedanken aufmerksam machen, den der Gesetzgeber dabei hatte, daß sonach nicht Intoleranz der Grund des Gesetzes war, sondern im Gegentheil die Aufrechthaltung und der Bestand des israelitischen Cultus dabei bezweckt werden sollte. Inzwischen sind alle Aussichten vorhanden, daß'auch bald diese Schranken fallen werden. Mögen aber dann die Israeliten Schwedens, da der Staat die Fürsorge für ihr religiöses Leben ihnen selbst überläßt, insbesondere ein wachsames Auge auf die einwandernden polnischen Familien Haben, damit, wenn sich neue Gemeinden organisiren, der aufwachsenden Jugend Religionsunterricht ertheilt werde, und unser angestammter Glaube an treuen Anhängern zunehmen möge. Sowohl die Regierung als das schwedische Volk haben uns in der letzten Zeit Beweise ihres Vertrauens gegeben. So ist, wie Sie bereits gemeldet haben, auch in Stockholm ein Israelit, der Secretär der dortigen Stadtbevollmächtigten und Ritter des Wasaordens, vr. M. Rubenson, zum Reichstagsabgeordneten gewählt, unddessen Bruder, der Notar Semmh Rubenson , zum Polizeiintendanten ernannt worden —Beweise genug, daß wir nicht über Intoleranz zu klagen haben. Der den 20. d. Mts. stattgefundene allgemeine Trauertag für den - allzufrühverstorbenen, allgeliebten, und allgemein innig betrauerten König Carl XV. wurde auch in den drei Synagogen des Landes durch Gottesdienst und Predigt würdig gefeiert. Stockholm, im Oetober. Man schreibt von hier: Da seit 1860 durch -die Aufhebung des Gesetzes, welches den Israeliten gestattete, sich nur in Stockholm, Gothenburg, Norrköping und Carlscrona ansässig niederzulassen, veränderte Umstände eingetreten sind, ist der König darauf bedacht gewesen , ob nicht auch, die Einschränkung für die sich zufällig im Reiche . aufhaltenden Israeliten auf die erwähnten Städte wegfallen kann, und hat den Chef des Civildepartements beauftragt^ von den sämmtlichen königlichen Befehlshabern Gutachten darüber nach genauer Prüfung der vorhandenen Schriftstücke-, vor dem Ende dieses Jahres einzufordern.. '■ Serbien. Belgrad, im October. Die „Rum. Post" meldet: In der Skupschtina wurde der Antrag eingebracht, den Juden nur in Belgrad das Wohnen zu gestatten. Die Regierung erklärte , die Rechte der Juden zwar nicht zu erweitern, aber jene, welche sie besitzen, auch nicht verkümmern zu wollen. In der Skupschtina ist also bereits der zweite Versuch, die Rechte der Juden zu beschränken, während sie schon beschränkt genug sind, gemacht worden, aber an der Regierung und der AWorität gescheitert. Kragujevaez, 30. Oct. Die Skupschtina verwarf in aller Form den Antrag, die Juden vom Landwehrdienste auszuschließen. Das serbische Abgeordnetenhaus hat demnach erwiesen, daß seine Majorität vor den Forderungen des Rechts sich nicht verschließt, und zeichnet sich hierdurch auf's Vortheilhafteste vor der rumänischen Deputirtenkammer aus. Erwägt man hierbei, daß die serbischen Juden sich 'gewiß von den rumänischen nicht unterscheiden, so ergiebt sich hieraus, daß das Geschrei der rumänischen Deputirten gegen die Juden nur aus ihrem Hasse und ihren Vornrtheilen gegen diese entspringt. Wenn übrigens die „Ruck. Post" diese Anträge-in der Skupschtina als „Judenverfolgung" bezeichnet, deren Serbien nun auch eine habe, so ist dies eine Uebertreibung, die unstatthaft ist.