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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-05 · Heft 45 (5.11.1872) · p. Seite 899

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 45 (5.11.1872)
Date
1872-11-05
Page
Seite 899 (sequence 17)
Language
German
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FeMeton-Leilage jn Rr. 45. Leipzig, den 5. November 1872. Zur Warnung. Das furchtbare Trauerspiel, das sich am Versöhnungsabende in der Synagoge zu Ostrowo abgespielt hatzwelchem so viele- Verwundungen und. TödtungeuMD schreckliches Opfer waren, muff die AufckeAamkeit fühlenden Menschen, auf sich ziehen^.. ,'EHMR^bDden. bloßen Empfindungen nicht verMben^sond^DNän wird aufgefordert, über diejenigen llmständenachzühmken,. die ven traurigen Ausgang, nicht, verursachten,? denn, diesem sind eben zufällig, sondern förderten. Wr erinnern uns. keines Beispiels, daß an einem Festabende während der Versammlung der Gemeinde, in einer Synagoge Feuer: ausgebrochen sei, während uns einige. Fälle gegenwärtig sind , in welchen dies in. der. Nachtdes Versöhmmgstagxs durchs die- Ger Nacht bren-- nenden Kerzengeschehen, ist». Aber ein Tumült, ein blin-- des Drängennach dev Ausgängen ist leichter, möglich» Schon, ein. in der Stadt aufgchendesr Feuer, dessen.Kunde MlingS in die Synagoge dringt — man denke, au die Unruhen,, welche in den mittleren und kleineren Städten eine Feuersbrunst noch immer: begleiten —vermag: einen solchen Tumult zu erregen. Wir erinnern uns aus unserer Kindheiteines Solchen,, als am Kol-nidre-Abeno, da. die- Menge, am Dichtestengedrängt war, ein solcher Feuerruf von Außen in die Synagoge, hineingeschrieen wurde.. Es war ein entsetzlicher Moment, dem nur. dadurch, schnell die Spitze abgebrochen wurde', daß alsbald die Stelle, genannt wurde, an der es. brannte, die ziemlich entfernt war. Die meisten Beter verließen dennoch d.ie Synagoge, aber es geschah doch wenigstens ohne gefährliches Gedränge, wozu noch kam,, daß die: Synagoge einen, sehr breiten Ausgang hatte. Oft,, ich gestehe es, ist. mir an. solchem Festabende mitten in der Andacht der G.edanke gekommen und hat mich mit Schrecken erfüllt, noch dazu wenn, wie Dies häufig - der Fall: ist, auch viele PÄtjuden, undzwar nicht immer, ausf der gebildeten Gasse, aus Neugierde, sich, in den. Eingang hjneingedrüngt. undwohl auchden. Vorplatz, angefüllt, hatten,, denn der strahlende Lichterglanz, der seltsame Anblick der. Männer in den Sterbekleidern, und die eigenthümlichen, wenn gut vorgetragen.,, herzergreifenden.Melpvim,, sind : anziehend genug — ich föger kam mir der Gedankt - wenn Bosheit und Tücke hiev einenschlechten. Menschen von Außenausdem DunkeL „Feuer! Feuers! hineinLufew ließe,, welche Schrecken, welche Gefahren-!.. .Mau wende .nicht ein,, daß irgeudom ähnliches Vorkommriff soüberaus seltenfei! Die Seltenheid eines Unglücks vermindert ' die Pflicht, ihm möglichst vorzubeugen , in keiner Weise. Wen. es betrifft, und kommt es einmal, in einem. Jahr- : hundert vor,, der: had das' Rechts laut! -nzuklagen, wenn die nöthigen Vorsichtsmaßregelnversäumt werden. Und' so überaus selten, ist es nicht. Vor einigen. Jahren geschah Aehnliches m einem galizischen Städtchen, wenn auch in geringerem Umfange.. Die besonderw Ursachen; des Unglücksfalls in Ostrowo sind ungefähr: bekannt:- j tote Gasflammen erloschen:,, es wurde, nach.'Wasser und. i schnell auch Feuergerufen, und' das entsetzliche Gedränge, j namentlich auf den Frauenemporen, entstand. Die in ’ den Frauen erwachte nnbegränzte Todesangst trieb sie nach; dem Ausgange ihrer: Emporen., und klemmte hierden- Knäuel so eng zusammen, daß Biele erdrückt, Andere? niedergeworfen- und zertreten, oder dochschwer verwundet; wurden. Wodurch ist diese Höhe der BeängstigungpsyP chologisch zu. erklären? Durch Nichts: Anderes, als durchs -das. Bewußtsein^ nur einen schmalen Ausgang zu habenalso leicht zu spät zn kommen, um sichnoch rettenzu können. Nichts macht in solchen- Augenblicken ruhigerals die Gewißheit, mehrere, breite und bequeme Ausgänge' . zu haben, und bei Etwas Ruhekann einegroße Anzahl! Menschen sehr bald aus einem Ausgange heraus Man -denke, daß fast jede dieser Frauen nocheine alte Mutter,! eine Tochter, ein Kind, eine Schwester aus dem Ge- \ dränge mit herauszuziehen hatte» wodurch sie selbst: wieder k behindert war, den Platz zu räumen. In dev Männer- - Synagoge hatte man den Ausweg, daß man die-Fettster und Nebenthüren zerschlug und sich dadurch in's Freie rettete. Schon deshalb war, man in derselben ruhiger. Selbstverständlich also muß man. ausdiesen und; ähnlichen Vorgängen, die sich immer: wiederholen könn-! ten> einige ernste Lehren schöpfen. Dazu gehören: - 1) Man schaffe endlich in den Synagogen die miß-? - bräuchlichen und gefährlichen Emporen (Chöre, Tribünen) l ab» beseitige, sie womöglich, oder richte, wenigstens zukünftig Neubauten: so: eu^> daß. man ihrer nicht bedürfen

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