Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1872)
- Date
- 1872-10-29
- Page
- Seite 882 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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(ct es so weit. . Ein Hgyh-- ...~r ist auch ZU schwächlich, M ^.^IhyrWe Volk schnürt seinen -i eng zusammen, um sie für den Kriegsdienst untauglich zu machen, und so wandert er nun — oft mit Weih und Kind — hinaus in die Welt, um zu betteln und zu handeln , und Dank seiner zähen Ausdauer gelingt es ihm oft sich emporzubringen, während ein großer Thefl auf diesen Irrfahrten durch die Welt zu Grunde geht. Allgemeine Schul-- und Wehrpflicht würden vielleicht, energisch durchgeführt, einen frischen Zug in diese vermorschten Zustände dringen; der ciyilisatorische Einfluß der Schienenwege, hat sich hier ohnmächtig erwiesen,- denn dieses Volk hängt so fest an seinen ejnhalsamirten Vor? urtheflen, daß es sich niemals freiwillig von ihnen, trennen wird. Das beweist auch der geringe Gebrauch, den es bisher von der Freiheit, sich in allen Theilen der Stadt anzusiedeln, gemacht hat, Auch Diejenigen, welche ihren Erwerb ausschließlich in der Stadt finden, können sich hierzu, picht entschließen. Da stehen sie denn, jahraus jahrein allen Unbilden des Wetters Preisgegehen, auf der Straße, und rufen die Vorübergehenden an, von denen sie oft ziemlich derb gehänselt und geneckt werden. Ueberhaupt ist das Verhältniß zwischen Juden und Bürgern trotz des unausgesetzten engen. Verkehrs ein ziemlich unerfreuliches und gereiztes. Der Bürger yersähmt keine Gelegenheit, dem Juden einen Schabernack zu. spielen,, und Dieser, der in die weiten Tyschey seines Kaftans Vieles einstecken kann, vergilt ihm wieder in seiner Weise. . ,, u Historische Notiz. Als im Jahre 1306 Philipp IV. der Schöne die Juden, angeblich ihres Wuchers halber, in der Shat um sich ihr Vermögen anzueignen, aus Frankreich vertrieb, zeigte das Volk zuerst große Freude; aber bald hatte es Gelegenheit, die Vertreibung zu bedauern. Die jüdischen Wucherer hatten den christlichen Platz gemacht, die sich härter zeigten, als ihre Vorgänger. Ein yolksthümlicher Dichter, G oft fr j e d v o u P ar i s, äußert sich darüber in seiner Mmchronjk V. 3502 folgendermaßen: de dis, seignors, comment qu’il aille, Que l’intention en fut bonne; ~M[ais pire en est mainte personne Qui d?venu est usurier, Gar Juifs furept döbonnbres . Trop plus en fespnt tels affaire^ v Que ne furent ore chrestien. Mbs si li Juis demourb Fussent au rbaume de Franc?, Crestien moult grant aidance, Eussent eq, que il n-’ont pasT~ , Car por pc> trQ.uvpit-on' argent, Or ne treuve Ten nulle geut Qui veille l’uq ä l’autre prester. Wir. übertragen dies: „Wohlan, Ihr Herren, wie es auch gehe, Daß die Absicht gut war, ich gestehe, Aber daß schlechter.dadurch Mancher ward, Ein Wucherer nämlich kaltherzig ynd hart; Denn die Juden, indem sie solche Geschäfte trieben, Waren viel gutmüthiger als jetzt hie Christen sinh; Wären die Juden in Frankreich geblieben, Jeglicher CHM viel größere Hülfe find'; Denn für wenig erhielt man yom Juden Geld, Das jetzt jeder Christ für sich' beM." Man sicht hieraus, daß der Wucher der Christen ärger war als her der Juden. Die letzteren bestrebten sich wohl immer, sich Freunde und Gönner unter-den Christen zu erwerben, und waren dabei coulgnter und einsichtsvoller im. Geschäft. Daher war es nur in seltenery Fällen das Volk selbst,, welches den Anstoß zur Verfolgung der -Juden gab, sondern meist nur die Habgier des Monarchen, oder hed Adels , yder der Priesteroft freilich aller Drei.. ’ Ein Sohn des bekannten Rabbiners Bamberger in Würzburg, der eine RabLinatöftelle in der kleinen Gemeinde Fifchah bekleidet —das nach einem alten Sprüchwort keinen aia hat — weigerte sich kürzlich hartnäckig in der Synagoge zu Augsburg eine Trauung vorzunehmen, weil ein Harmonium darin ausgestellt ist. Vergehens hielt ihm ein anderer, als orthodox anerkannter Rabbiner das Lächerliche und Ungerechtfertigte seines Verfahrens vor, bemerkender (Bamberger) .habe ja schon in einem Zimmer, in dem ein Crucifix aufgestellt war, getraut. Der blinde Eifer, der ftines Bajers würdig sein will (wie er sich rtzuspext und wie er spuckt, haben sie ihm glücklich abgeguckt), moquirte sich noch darüber, wie man ihn rro^a sein könne. Es mußte nach mehreren mißglückten Versuchen erst ein entferntes Gast? zimmer geynethet werden, ehe das Männchen den W vollzog. (Aus der „Wahrheit".);- Hexlag?yM BaumsgMer's Mchhandlung in Leipzig. — Dmck von I. B. Hirschfeld. . PerMworhllcherLRedactmr vr.,H. Lotze. - . y.f,