Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-15 · Heft 42 (15.10.1872) · p. Seite 839

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 42 (15.10.1872)
Date
1872-10-15
Page
Seite 839 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226852-3226895--31080-3253986
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

FeMelon-Leilage zu Rr. 4L. Leipzig, den 15. October 1872. Zu den hohen Festen. 3. Lum LLubhiittLnftste. Von allem Forschen, allem Grübeln, Von allen Worten, allem Rath Bleibt unter Freuden, unter Nebeln Zuletzt doch übrig nur — die That. Das ist das Werk, das breit sich strecket Auf dieser Erde festem Grund, Dann sichempor zur Höhe recket, Wohl hoch bis zu des Himmels Rund! Wie der Gedanke sich erst lichtet, Wenn er in's Wort sich ringet ein — So tritt, was -innen wühlt und dichtet, Doch durch die That erst in das Sein. Die Lust, sie rauscht an Dir vorüber, Der Gram zerflattert nach und nach, Der Liebe wie des Hasses Fieber, Es kommt zur Ruhe allgemach. Doch dem Du hast Gestalt geliehen Bedachter oder rascher That, Das bleibt, wohin Du auch, magst ziehen. Als Denkmal steh'n auf Deinen/Pfand. Drum bann' in Dir die schlimmen Geister, Die zünden in der Brust die Gluth, Nur der ist stark, der ihrer Meister — Halt' nicht die Leidenschaft für Muth! Doch wenn die Großmuth, wenn der Adel Im Herzen schwillt — streck' aus den Arm, Fürcht nicht Verlust, fürcht nicht den Tadel, Die That beginne kräftig, warm! Strahlt dann die Sonne Dir beim Scheiden Auf solcher Monumente Höh' — Dann weicht trotz aller Mühen, aller Leiden Aus Deinem Herzen jedes Weh'! So laßt zur That die Freude werden — So ruftdaß Fest — des Grames quitt! Ein Freudenmahl an Euren Herden — Und die da darben, feiern mit! Dazu bedarf es nicht der Schätze, Des stolzen Bau's voll reichen Guts Daß edle Lust das Herz ergötze, " Mit grünem Laub die Hütte thut's. Die diesjährige Kunstausstellung in Berlin. In diesen Herbstmonaten ist in Berlin die alle zwei Jahre stattfindende Ausstellung der Werke noch lebender Künstler eröffnet worden. Begreiflicherweise sind es hauptsächlich deutsche Maler und Bildhauer, welche die Erzeugnisse ihrer Kunst zur Ausstellung gebracht haben. Dabei erweist die große Menge des Gebotenen, c<t. 1200 Nummern, ein reges Leben innerhalb der deutschen' Künstlerwelt, und die durchschnittliche Tüchtigkeit der Kunstwerke ist nicht in Abrede zu stellen. Es ist da in der That wenig Unbedeutendes oder Unerfreuliches; die überwiegende Mehrzahl der Bilder und Statuen erweist eifriges und nicht erfolgloses Streben, und eine wackere technische Durchbildung. Freilich läßt es sich nicht läugnen, daß ebensowenig Großes, Geniales geschaffen ist. Vergebens würde man suchen , was erhebt, begeistert, Gemüth und Anschauung bleibend bereichert. Die tüchtige Mittelmäßigkeit, auf so vielen Gebieten die Signatur unserer Zeit, herrscht auch im Reiche deutscher Kunst. Wir fürchten, daß durch den kolossalen Aufschwung von Industrie und Verkehr in dem letzten Lustrum das' mehr ideale, in allen Richtungen nach dem Wahren und Schönen eifernde Streben in einem großen Theile derisraelitischen Jugend wieder ernstlich gedämpft und zurückgedrängt worden ist. Zu dem diesjährigen Preise der beerschen Stiftung für einen jüdischen Historienmaler fand sich kein Bewerber , und ebenso vergeblich suchten Air unter den Hunderten von Namen der außstellenden Künstler nach einem Glaubensgenossen. - Getaufte^ oder von Juden Abstammende sind Einige da, wie Bendemann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.