Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1872)
- Date
- 1872-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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36. Jahrgang. Allgemeine JH* 42. Zeitung -es Zu-enthums. Ein ««parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 15. October 1872. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2*/* Boaen. PrerS beS Jahrgangs i Thlr. Halbsahrig 2 Thlr. Bierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Duchbandlunaen, Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an? der Haupt-Expedirion für beide Letztere hat sich daS KSnigl. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bnreau unterzogen.! Wir fordern hiermit Schriftsteller, welche einen, das"Judenihmn betreffenden Stoff belletristisch, in Roman oder Novelle bearbeitet haben, auf, mit einem der Unterzeichneten in Verbindung zu treten. Die Bedingungen stnd sehr günstiger Art. Das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. vr. Lnöwig Philippson vr. A. M. Goldschmidt vr. L. Herzfeld in Bonn. in Leipzig. in Braunschweig. 3 ti |] a l t. Leitende ■ Artikel r Was hat das Geschick aus den Juden gernacht? III. — Zur Exegese. — Literarischer Wochenbericht: Gothenbnrg. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Breslau, Darmstadt, Insterburg. — Oesterreichisch - ungarisch.e Monarchie: Wien, Czernowitz, Lemberg, Jasbereny, Aus Ungarn. — Frankreich: Paris. — Holland: Amsterdam.—Donau fürsten thünrer: Bonn. — Rußland: St. Petersburg, Aus Sibirien.— Amerika: Washington. Nachtrag: Brüssel. Feuilleton - Beilage r Zu den hohen Festen. — Die diesjährige Kunstausstellung in Berlin. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 13. October. Was hat das Geschick aus den Juden gemacht? HI. ' Haben wir uns so die Pattei, welcher der Autor des bezüchtigten Artikels in der ,,R6publique franpaise“ angehört, und ihren sittlichen Standpunct klar gemacht, so werden «ns viele.seiner Auslassungen ganz erklärlich sein. In einem zerwühlten, leidenschaftlichen Gemüthe spiegeln sich alle anderen Menschen unter dem Reflex der röthlichen Flammen ab, welche in der Seele dieses Menschen lodern, mit einem Worte, er sieht die Menschen so, wie er selbst ist. Wir haben dies schon mehrmals bemerkt: Geister, in welchen der Rackedurst glüht, glauben, daß die Juden, weil ihnen so vieles Unrecht geschehen ist, Haß und Rachedurst gegen Alle, die ihnen Unrecht gethan, und das ist so ziemlich alle Welt, hegten und hegen, und soweit sie eS vermögen, ausgeübt haben und ausüben. Sie können es sich nicht anders vorstellen, und solche Leute sind nicht im Stande, die That-- sachen zu untersuchen und diesen gemäß ihre Vorstellungen zu berichtigen. Sie nehmen daun einige Verse der Psalmen, aus dem Zusammenhänge gerissen, in denen der Wunsch nach Rache ausgedrückt ist, zu Hülfe, und die racheglühenden Juden sind fertig. Wir fordern immer wieder auf: Zeigt doch aus der Geschichte des ganzen Mittelalters, auß dem Laufe von fünfzehn Jahrhunderten irgend welche Thaten solcher Rache nach, welche die Juden verübt hätten! Ihr könnt es nicht? . Ihr wendet ein, die Juden hätten keine Macht dazu